V.l.n.r.: Dr. Benjamin Irkens, Oliver Krischer, Dr. Inge Gotzmann, Tobias Flessenkemper, Prof. Dr. Christoph Zöpel, Thomas Kufen, Prof. Heinrich Theodor Grütter, Dr. Corinna Franz

Wandel der Industriekultur – das war unsere Jahresversammlung auf Zollverein

11.07.2025

Am 14. Juni 2025 fand die Jahresversammlung des Rheinischen Vereins an einem symbolträchtigen Ort statt: der Essener Zeche Zollverein – einem Wahrzeichen der Industriekultur und UNESCO-Welterbe. Ein spektakulärer Rundumblick bot sich im Erich Brost-Pavillon auf dem Dach des Ruhr Museums.

Gruppenfoto © RVDL/Roland Rossner

Unter dem Motto „Zukunft Industriekultur“ versammelten sich in entspannter Atmosphäre Mitglieder, Fachleute und Interessierte aus Denkmalpflege, Politik, Zivilgesellschaft und Kultur, um über Herausforderungen und Chancen des Strukturwandels insbesondere im Ruhrgebiet und im Rheinischen Revier zu diskutieren.

In seiner Begrüßung betonte der RVDL-Vorsitzende Tobias Flessenkemper die zentrale Rolle, die Industriekultur in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung als identitätsstiftender Anker übernehmen kann. Der RVDL versteht sich dabei als generationen-, parteien- und bundeslandübergreifende Plattform, die neue Impulse setzt und Diskurse ermöglicht. Auch Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen und der Direktor des Ruhr Museums Prof. Heinrich Theoder Grütter stellten in ihren Grußworten die Zeche Zollverein als Beispiel gelungener Transformation und als Ort lebendiger Vermittlung von Vergangenheit und Zukunft heraus. LVR-Kulturdezernentin Dr. Corinna Franz widmete sich der Frage, was wir vom gelungenen Umgang mit der Industriekultur im Strukturwandel des Ruhrgebiets für die Transformation im Rheinischen Revier lernen können.

Oliver Krischer (NRW-Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr) betonte in seiner Keynote, dass Industriekultur im Rheinischen Revier nie Selbstzweck sein dürfe, sondern immer in ihrer gesamten Breite – von ökonomischen Erfolgen bis zu ökologischen und sozialen Schattenseiten – erfahrbar und vermittelbar sein müsse. Dazu seien prägende Landmarken – sei es Industrie-Infrastruktur, Gebäude, Naturdenkmäler – zu erhalten. Denkmalpflege und Landschaftsschutz verstand er als Beitrag zu unserem demokratischen Grundgerüst: Sie sollen helfen, Herkunft und Verantwortung zu verstehen und damit die Grundlage dafür schaffen, auf dieser Basis Zukunft aktiv zu gestalten.

V.l.: Dr. Benjamin Irkens, Oliver Krischer, Dr. Inge Gotzmann, Tobias Flessenkemper, Prof. Dr. Christoph Zöpel, Thomas Kufen, Prof. Heinrich Theodor Grütter, Dr. Corinna Franz
Keynote von NRW-Umweltminister Oliver Krischer
Keynote von NRW-Umweltminister Oliver Krischer
Prof. Heinrich Theodor Grütter
Dr. Walter Hauser
Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Prof. Dr. Christoph Zöpel (l.)
Offenes Diskussionsforum
Rasmus Radach
Kaffeepause
Ankunft der Gäste
Gruppenbild
Führung im Ruhr Museum

Alle Abbildungen © RVDL, Roland Rossner

Besonders eindrücklich war der Impulsvortrag von Dr. Walter Hauser, dem Leiter der LVR-Industriemuseen und Präsident von ERIH. Er skizzierte den Wandel des Begriffs „Industriekultur“– von seinen Wurzeln in der Reformbewegung bis zu aktuellen Fragen nach Nachhaltigkeit, Teilhabe und globaler Verantwortung. Die neue Generation, so Hauser, sucht nach Wegen, wie Industriekultur Räume für Reflexion, Verarbeitung und Mitgestaltung eröffnen kann.

Prof. Dr. Christoph Zöpel, 2017–2022 Vorsitzender des RVDL, wurde an diesem Tag die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Vor allem in seiner Zeit als Minister des Landes NRW für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr hat er sich sehr um die Industriekultur des Ruhrgebiets verdient gemacht.

Ein weiterer Höhepunkt war die Podiumsdiskussion zur Zukunft der Industriekultur, in der Vertreterinnen von BHU, LVR, LWL, RVR und NRW-Stiftung kontrovers über Chancen, Grenzen und notwendige Weiterentwicklungen des Denkmalbegriffs debattierten. Die Beiträge machten deutlich: Industriekultur ist kein statisches Erbe, sondern ein lebendiger Spiegel gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse – lokal verankert und zugleich global anschlussfähig. Die Frage, wie wir Orte wie das Kraftwerk Frimmersdorf II im Rheinischen Revier denkmalgerecht und zukunftsfähig weiterentwickeln, wurde ebenso diskutiert wie der Bedarf an neuen Leitbildern, Vermittlungsformaten und kooperativen Finanzierungsmodellen.

Der Tag endete in geselliger Runde im Restaurant auf dem Zechengelände. Der zweite Tag stand im Zeichen der Exkursion: Eine Gruppe besuchte das Trainingsbergwerk in Recklinghausen, wo zwei ehemalige Bergleute lebendige Einblicke in die Arbeitsrealität und Kumpelkultur des Ruhrbergbaus gaben. Anschließend führte eine spannende Führung durch das Ikonenmuseum Recklinghausen, das in der Ausstellung „icons in-between“ den künstlerischen Austausch zwischen der Ost- und Westkirche facettenreich beleuchtete.

Eine zweite Gruppe widmete sich mit der Besichtigung der Villa Hügel, dem einstigen Wohnsitz der Familie Krupp, einem herausragenden Zeugnis der Industriegeschichte und des Unternehmertums. Im Anschluss besuchte die Gruppe die romanische St.-Ludgerus-Basilika in Essen-Werden – ein eindrucksvolles Beispiel sakraler Baukunst mit Wurzeln im frühen Mittelalter und ein Ort, der die lange Geschichte spiritueller wie kultureller Kontinuität im Ruhrgebiet sichtbar macht. Den Abschluss bildete ein Spaziergang durch den historischen Ortskern, gekrönt durch den exklusiven Blick in das spätbarocke Gartenhaus Dingerkus.

Die diesjährige RVDL-Tagung zeigte eindrucksvoll: Neue Industriekultur bedeutet nicht nur den Erhalt von Bauten, sondern auch die lebendige Auseinandersetzung mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft in einem offenen gesellschaftlichen Diskurs.

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Schatzmeister

Rudolf Conrads

Bankkaufmann, Dipl.-Betriebswirt, Dipl.-Volkswirt

Thematische Schwerpunkte

  • Finanzen des RVDL
  • Leitung der Marianne von Waldthausen Geächtnis-Stiftung
  • Pflege / Inwertsetzung der RVDL-Burgen
  • Weiterentwicklung der Verzahnung des Gesamtvereins mit den Regionalverbänden
  • Kreativer Partner für die Vorstände der Regionalverbände

Regionale Verantwortung

  • Schatzmeister im Freundeskreis der Burg Stahlberg e.V.
  • Schatzmeister im Freundeskreis der Burg Virneburg e.V.
  • Vorstandsmitglied im RVDL Regionalverband  Köln
  • Beiratsmitglied im RVDL Regionalverband Rhein/Mosel/Lahn
  • Vorsitzender des Beirats der Stiftung Lahn-Marmor-Museum

Kontakt

rudolf.conrads(at)rheinischer-verein.org