Am 5. September 2026 feierte der RVDL seine Jahresversammlung auf Burg Stahleck in Bacharach. Zwei Jubiläen kamen in diesem Gemäuer hoch über dem Mittelrhein zusammen: 120 Jahre Rheinischer Verein und 100 Jahre Jugendherberge Burg Stahleck.
Tobias Flessenkemper begrüßt die Teilnehmer © RVDL/Roland Rossner
Zurück zu den Anfängen
Der Vorsitzende Tobias Flessenkemper begrüßte die Versammlung mit „Willkommen auf unserer Burg“ und schlug den Bogen von der Gründung des Vereins 1906 bis zu den heutigen Aufgaben. Jacob Geditz (Vorstandsvorsitzender DJH-Landesverband) unterstrich die soziale Rendite der Denkmalpflege: Rund 30.000 Übernachtungen im Jahr lassen hier viele Generationen das UNESCO-Welterbe Mittelrheintal erleben. Grußworte von Landrat Thomas Barth, Stadtbürgermeister Dieter Kemmer, LVR-Kulturdezernentin Dr. Corinna Franz und Dr. Heike Otto (Generaldirektorin GDKE) ergänzten den Auftakt. Dr. Otto würdigte den RVDL als „Augen, Ohren und Stimme der Denkmäler“ und als wachsamen Beobachter der Änderungen von Denkmalschutzgesetzen.
Festvortrag: Verhandlungen des Zeitgemäßen am Beispiel der Burg Stahleck
Dr. Jasmin Grande (Zentrum für Rheinlandforschung, HHU Düsseldorf) hielt den Festvortrag zum Thema „Muster der Modernität. Verhandlungen des Zeitgemäßen am Beispiel der Burg Stahleck“. Sie zeigte die Burg als regional spezifisch, eingebettet in die Landschaft des Oberen Mittelrheintals, und fragte, wie eine zukunftsfähige, regionale Modernität an diesem Ort gestaltet werden kann. Der Festvortrag wird detailliert in der kommenden Ausgabe der „Rheinischen Heimatpflege“ (4/26) nachzulesen sein.
Alle Abbildungen © RVDL, Roland Rossner
Erste Ehrennadel des Rheinischen Vereins an Rudolf Conrads
Eine Überraschung wartete vor der traditionellen Ehrung der Jubilare: Zum ersten Mal hat der Verein eine Person mit der Ehrennadel für herausragendes Engagement ausgezeichnet: Der erste Träger ist Rudolf Conrads, der für seinen großartigen Einsatz bei der Pflege der drei RVDL-Burgen und seine Arbeit als Schatzmeister gewürdigt wurde. Dr. Heike Otto hielt die Laudatio und unterstrich Conrads‘ unermüdliches Wirken, mit Herz und Verstand, Mut und Tatendrang klare Finanzierungsstrukturen für den Erhalt des Kulturerbes zu schaffen. Seine Beharrlichkeit und fachliche Expertise hätten in den letzten Jahren die richtigen Leute zusammengebracht und so die nötigen Finanzmittel für Sanierungsmaßnahmen an den Burgen erwirkt.
Burgen erhalten und Burgen nutzen
Zwei Diskussionsrunden prägten den Nachmittag. In „Burgen erhalten“ wurde die Klimaanpassung als zentrale aktuelle Denkmalherausforderung benannt: Beispielsweise hatte sich an Burg Stolzenfels die historisch getreue Dachdeckung mit Schieferschindeln bei extremer Hitze als nicht robust genug erwiesen. Zudem stellen zunehmende Felsstürze, Sackungen und Waldbrandgefahr Burgdenkmalpfleger vor neue Aufgaben. Am Beispiel der Ruine Stahlberg zeigte Rudolf Conrads ein funktionierendes Finanzierungsmodell für die anstehende Sanierung: 50 Prozent Bundesmittel, 40 Prozent Landesmittel und 10 Prozent Eigenmittel bzw. ehrenamtliche Eigenleistung durch viele engagierte Bürgerinnen und Bürger in Bacharach-Steeg.
In der darauffolgenden Diskussionsrunde „Burgen nutzen“ wurde am Beispiel von Burg Stahleck die unmittelbare Verknüpfung von Erhalt und Jugendherbergsbetrieb deutlich. Der DJH betonte den Wert der Burg als außerschulischen Lernort, an dem Kinder und Jugendliche Kulturgüter, Gemeinsinn und Demokratiebildung erleben. Diskutiert wurden auch die Zukunftsherausforderungen im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal: wirtschaftliche Herausforderungen des kirchlichen Kulturerbes, Zusammenarbeit über Bundeslandgrenzen hinweg und divergierende Interessenslagen. Als erfolgreiches Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit diente das dreijährige Interreg-Projekt (2025–2027) zwischen niederländischen, deutschen und belgischen Gemeinden zur römischen Villenlandschaft mit 13 Partnern, wie die Bürgermeisterin von Simpelveld (NL) berichtete.
Auch die politische und historische Kontamination von Burg Stahleck in der NS-Zeit, v. a. durch die Nutzung als Erziehungs- und Straflager wurde angesprochen und ist im neuen Heft der Reihe „Rheinische Kunststätten“ zur Stahleck (Nr. 596) ausführlich thematisiert.
Blick nach vorn
Mit Blick auf die Bundesgartenschau 2029 im Oberen Mittelrheintal will der RVDL eigene Akzente setzen: eine Wiederanlage des Burggartens auf Burg Stahlberg sowie das Burggrün rund um Burg Stahleck und Burg Fürstenberg. Flessenkemper fasste zusammen: „Burgen erhalten, Burgen nutzen: Das sind dicke Bretter, die wir uns vorgenommen haben!“
Filmscreening und Sonntagsexkursionen
Der Tag klang aus in der Peterskirche der Bacharacher Altstadt mit dem Film „Das alte Rheinland in Farbe“ von Hermann Rheindorf, zusammengeschnitten aus kolorierten Film-Aufnahmen, teilweise über 100 Jahre alt. Am Folgetag blieben noch einige Gäste für die beiden spannenden Exkursionen zur Burgruine Stahlberg und zur Römerstraße im Hunsrück-Mittelrheingebiet.
(Bericht: Nele Steffen)
SWR Bericht
Einen Bericht, den die Sendung „SWR Aktuell Rheinland Pfalz“ im Rahmen der Jahresversammlung gedreht hat, finden Sie nachfolgend (ab Minute 08:30):
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