Engagierte Diskussion im Domforum über die Notwendigkeit von Denkmal-Rekonstruktionen – Foto: Alexander Kierdorf / RVDL Köln
Denkmäler altern, Denkmäler verfallen, Denkmäler werden beschädigt – durch Naturkatastrophen, Kriegseinwirkung oder weil Eigentümer sich nicht kümmern. Es gibt also genügend Notwendigkeit der Rekonstruktion, um Denkmäler dauerhaft zu erhalten. Daneben gibt es immer mehr Menschen, die sich nach dem Stadtbild der „guten alten Zeit“ – sprich der Epoche vor dem 2. Weltkrieg – zurücksehnen.
Was da auf die professionelle Denkmalpflege, aber auch die Stadterneuerung zukommt, war Thema einer Podiumsdiskussion des RVDL-Regionalverbandes Köln am 23.03.2026 im Kölner Domforum, moderiert vom 2. RV-Vorsitzenden Martin Lehrer.
Dass Rekonstruktion von Denkmälern nach dem Krieg ein riesiges Thema war, illustrierte Stadtkonservator a.D. Dr. Ulrich Krings anhand der zwölf großen Romanischen Kirchen. Mit Bildpaaren vorher-nachher machte er deutlich, dass die Akteure des Wiederaufbaus versuchten, den Vorkriegszustand möglichst getreu wiederherzustellen. Dabei nahmen sie sich aber auch die Freiheit, Einbauten der jüngeren Zeit wie etwa Gewölbe zu entfernen.
Aus Sicht der Kölner Denkmalbehörde gab Stadtkonservator Dr. Thomas Werner eine Definition des Begriffs Rekonstruktion. Diese liege nur vor, wenn ein Denkmal nach Beschädigung außen und innen wieder in der originalen Gestalt mit den ursprünglichen Materialien aufgebaut werde. Dies treffe in den wenigsten Fällen zu. Bekannte Beispiele für Rekonstruktion, etwa die Dresdener Frauenkirche, seien in Wahrheit Neubauten, da sich der Innenraum gegenüber früher verändert habe.
Eine weit größere Dimension von Rekonstruktion stellte Matthias Beusch von Stadtbild Deutschland e.V. in den Raum. Nach Meinung seines Vereins sollten Innenstadt-Straßenzüge, die nach dem 2. Weltkrieg im sparsam-nüchternen Stil der 1950er-Jahre wiederaufgebaut worden sind, durch Gebäude mit historisierenden Fassaden in Anlehnung an die Vorkriegsbebauung ersetzt werden. Nur so könne man dem Bedürfnis vieler Menschen nach Geborgenheit in der Stadtlandschaft gerecht werden.
Dass ein solches Bedürfnis existiert und ernst genommen werden muss, räumten die Vertreter*innen der professionellen Denkmalpflege ein. Allerdings gehe dies über ihr Arbeitsgebiet und ihren Auftrag – Schutz von Denkmälern – weit hinaus. Prof. Dr. Petra Sophia Zimmermann, Kunsthistorikerin an der FH Köln, widersprach der pauschalen Einschätzung, die Architektur der 1950er- und 1960er-Jahre könne keine Wohlfühl-Umgebung erzeugen. Gerade die gestalterische Vielfalt sei eine der Stärken der Nachkriegsbebauung in Köln.
Einig war man sich, dass es gerade in der jüngsten Zeit zu wenig qualitätvolle Architektur gebe, die bei den Stadtbewohner*innen gleichermaßen Stolz und Wohlbefinden erzeugt. Das zu ändern, könne aber die Denkmalpflege nicht leisten, sondern sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Gegen eine inflationäre Praxis von Rekonstruktion sprach sich Restauratorin Sarah Hutt aus, die ein auf Denkmalsanierung spezialisiertes Ingenieurbüro in Köln leitet. Wer ständig auf der Suche nach Informationen über den ursprünglichen Zustand von Gebäuden und Räumen sei, gewinne großen Respekt vor dem Original. Hier liege eine klare Grenze gegenüber dem Neubau, für den andere Regeln und Freiheiten gelten.
Martin Lehrer, RV Köln
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