Entwurf einer Arbeitsgruppe für ein neues Lapidarium in Kombination mit einer Bauhütte © Rudolf Conrads, RVDL
27.07.2026
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Eine Studierende der Architektur präsentiert den Lapidariumsentwurf ihrer Arbeitsgruppe © Rudolf Conrads, RVDL
Bis vor wenigen Jahren konnten sich die Besucher der Klosterlandschaft Altenberg anhand von Artefakten aus der Zeit der Romanik und Gotik ein Bild von den im Jahr 1803 säkularisierten Kloster Altenberg und seinen untergegangenen Klausurbauten machen. Im Mai 2022 wurde das in zwei Kuben aufgeteilte Lapidarium abgerissen. Seitdem lagern die Architekturfunde in einem Bretterverschlag und sind damit dem Besucher nicht mehr zugänglich.
35 Studierende der Architektur des 4. und 5. Semesters an der TH Köln haben sich nun mit einem neuen Lapidarium in Altenberg beschäftigt. Prof. Rüdiger Karzel, Dekan der Fakultät Architektur, berichtet. „Wir haben unseren Studierenden zwei Projektthemen angeboten. Von den insgesamt 16 Gruppen haben sich 15 Gruppen für das Projekt Lapidarium entschieden. Dies zeugt von einem außerordentlich hohen Interesse an diesem Thema.“ Sein Kollege Prof. Dr.-Ing. Daniel Lohmann, der die Projektarbeit koordinierte, ergänzt: „Für die Architekturstudierenden der TH Köln war die Aufgabe hochinteressant, weil sie erstens eine herrlich malerische Aufgabe eines modernen Gebäudes in sensibler historischer Kulisse darstellt und zweitens einen sogar realistischen Hintergrund hat. Das führte dazu, dass die Gruppen sich mit der fast poetischen Aufgabe sehr identifizieren konnten und auch deswegen ihre Projekte mit besonderem Fleiß und Liebe zum Detail ausgearbeitet haben.“ Acht von den insgesamt 15 Arbeiten wurden nun auf Initiative des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz in der TH Köln vorgestellt. Die Studierenden präsentierten ihre Projektarbeiten in Form von anschaulichen Landschaftsmodellen und Plänen.
Prof. Barbara Schock-Werner, Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins, zeigt sich sehr begeistert von den studentischen Entwürfen, die verdeutlichten, welche Potenziale dieses Thema bietet. Tatjana Gräfin von Spee, Vorsitzende des Altenberger Domvereins ergänzt: „Es ist sehr spannend zu sehen, mit welcher Freude und Kreativität die Studierenden mit ihrer modernen Architektur Bezug nehmen auf die mittelalterlichen Bauelemente in Altenberg.“
Ebenso Susanne Bonenkamp, Stellvertretende Vorsitzende des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, zeigt sich von den Vorschlägen aus der TH sehr angetan. Sie hat die Sorge, dass mit dem Abriss der Lapidarien und der Einlagerung dieser Altenberger Schatz in Vergessenheit gerät. „Mit den jetzt vorliegenden Arbeiten wird deutlich, welche Bereicherung ein Lapidarium für Altenberg wäre.“
Ihr Vorstandskollege Rudolf Conrads, der nach dem Abriss den Impuls zu einem Arbeitskreis „Lapidarium Altenberg“ gab, hat dem Ansinnen von Prof. Lohmann, das Altenberger Lapidarium zum Thema einer studentischen Semesterarbeit zu machen, mit großer Begeisterung zugestimmt. Er hofft, dass sich nun die Eigentümer der Artefakte – Land NRW, Erzbistum Köln und der Landschaftsverband Rheinland – an einen Tisch setzen, um über die Zukunft des Lapidariums zu sprechen. An diesen Tisch gehören nach seiner Auffassung auch der Rheinisch-Bergische Kreis und die Gemeinde Odenthal. „Dass ein Wiederaufbau angesichts der angespannten Haushalte der betreffenden Körperschaften wohl nicht so schnell realisiert werden kann, ist allen Beteiligten klar. Gleichwohl könnte man sich jetzt auf eine gemeinsame Vorgehensweise verständigen und eine Perspektive entwickeln, denn Eigentum verpflichtet.“ Prof. Schock-Werner ergänzt: „Wir müssen eine Lösung für das Altenberger Lapidarium finden.“
Altenberg ist die Wiege des Bergischen Landes. 1133 stifteten die Grafen von Berg ihr um 1060 errichtetes Stammschloss über der Dhünn dem gerade gegründeten Zisterzienserorden. Im Laufe der Jahrhunderte entstand in Altenberg eine bedeutende Abtei, deren Kirche über lange Zeit auch die Grablege der Grafen und später der Herzöge von Berg war. Nach der Säkularisation 1803 überdauerte allein die teilzerstörte Kirche, die in Staatsbesitz überging, und als Simultankirche zur Nutzung durch die katholische und evangelische Kirche wiederaufgebaut wurde. Unter der Bezeichnung Bergischer Dom wurde die ehemalige Abteikirche zu einem Wahrzeichen und identifikationsstiftenden Ort des Bergischen Landes. Zusätzlich hat das ehemalige Kloster und seine Klosterlandschaft durch die Einbindung in das europäische Projekt Cisterscapes eine überregionale Aufwertung erfahren. Diese 17 ehemaligen und auch aktiven Zisterzienserklöster wurden zwischenzeitlich mit dem Europäischen KulturerbeSiegel ausgezeichnet.
Einsturz, Restaurierung, Grabung und auch die Neubauten mit ihren Gründungen brachten im Verlauf der letzten 200 Jahre umfangreiche Architekturfunde zu Tage. Dazu gehören höchst qualitätsvolle Steinmetzarbeiten der rheinischen Spätromanik in Form von Kapitellen, Konsolen und Basen.
Der Bedarf für ein Lapidarium in Altenberg wurde bereits im 19. Jahrhundert erkannt. Erst 2004 konnte das Lapidarium (alt) realisiert werden. In zwei verglasten Kuben wurden thematisch getrennt die wichtigsten romanischen und gotischen Bestände an Bauplastik anschaulich präsentiert. Der Innenraum hinter den Schaufronten diente als Magazin der übrigen Stücke. Zahlreiche Akteure waren 2004 und in den Jahren bis zur Realisierung beteiligt. Im Mai 2022 wurden die beiden Kuben abgerissen, da der Eigentümer des Küchenhofs eine anderweitige Nutzung für sein Grundstück vorsah.
Ein Studierender der Architektur präsentiert den Lapidariumsentwurf seiner Arbeitsgruppe © Rudolf Conrads, RVDL
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