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Der Römerbrunnen ist einer der interessantesten Denkmäler Kölns und das aus zugleich drei Gründen. Erstens: Seine Entwerfer, Franz Brantzky (1910-1915) und Karl Band (Neugestaltung 1954/55) gehören zu den renommiertesten Kölner Architekten des 20. Jahrhunderts. Zweitens: Der Brunnen stellt den End- und Höhepunkt einer 'Denkmal- und Brunnenwelle' dar, die Köln im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erfasste. Einzigartig ist sein anspruchsvolles Bildprogramm zur antiken Stadtgeschichte: „Erstmals seit der Zeit des Humanismus verleiht es dem Selbstverständnis Kölns als römische Gründung beredten und monumentalen Ausdruck.“ (P. Noelke, S. Lieb) Drittens: Sein Standort an einer historisch-topographischen Schnittstelle der Innenstadt. Der zwischen Burgmauer und Komödienstraße gelegene Brunnen markiert im Anschluss an die Ostfassade des Zeughauses mit seinem römischen Mauerkern im Süden den weiteren Verlauf der einstigen Römermauer, auf deren Fundamenten er unter Einbeziehung eines Wehrturms erbaut wurde. Er bildet dabei den Höhenunterschied zwischen Römerstadt und Stadtgraben nach. Des Weiteren bildet das zentrale Element, ein Zwei-Pfeiler-Monument mit der Kapitolinischen Wölfin als bekrönender Skulptur, eine axiale Beziehung zu dem im Süden gegenüberliegenden Mittelrisalit des heutigen Verwaltungs- und Finanzgerichtes (ehedem Appellations-, zum Zeitpunkt des Brunnenbaus Amtsgericht).
Franz Brantzky (1871-1945), der den vom Kölner Verschönerungsverein ausgelobten Wettbewerb für die Platz- und Brunnengestaltung 1910 gewonnen hatte, vollendete die Anlage im Juni 1915. Abweichend von der heutigen Gestaltung hatte sie eine konsequente mittenbezogene Ausrichtung. Das zentrale Element, die 9,10 m hohe Stele mit der kapitolinischen Wölfin, stand exakt in der Achse vor dem über den Grundmauern des römischen Mauerturms errichteten segmentbogenförmigen Brunnenwandung. Davor kreuzten zwei diagonal verlaufende Wege, die den Auf- bzw. Abstieg zwischen Burgmauer und Komödienstraße bildeten. Die Schnittstellen dieser Wege wurden im Osten vor dem Zeughaus und im Westen vor dem gegenüberliegenden Geschäftshaus von je einer kleinen, ein Dreieck bildenden Grünanlage flankiert. Im 2. Weltkrieg wurde die Brunnenanlage von einer Fliegerbombe getroffen, wobei ihr östlicher Teil weitgehend zerstört wurde. Dies nahm Karl Band (1900-1995) beim Wiederaufbau 1954/55 zum Anlass für eine Neukonzeption unter Wiederverwendung der erhaltenen Teile, vor allem der Reliefs. Band verzichtete auf die diagonale Wegführung und die seitliche Begrünung. Je eine vor dem Zeughaus und dem Geschäftshaus verlaufende Treppe vermittelte nun zwischen den unterschiedlichen Höhenniveaus. Den nun gewonnenen Platzraum auf der Nordseite nutzte Band zur Erweiterung der Brunnenanlage nach Osten und Westen. Ihre Wandungen und die seitlich auf sie stoßenden Treppenmauern verband er zu einer geschlossenen, den Platzraum dominierenden Einheit. Dabei verschob er allerdings – und diese von ihm bewusst gewählte Asymmetrie wurde mehrfach kritisiert – die den ehemaligen Römerturm anzeigende Brunnenrundung nach Westen zum Zeughaus hin, so dass das zentrale, am Standort belassene Zwei-Pfeiler-Monument nun eine Linie mit dem östlichen Bogenansatz der Mauer bildet.
Der künstlerische Wert des Denkmals wird bestimmt durch seine plastische Ausgestaltung, die weitgehend erhalten blieb. Sie besteht aus der bereits erwähnten Tierplastik der Kapitolinischen Wölfin, sodann aus ursprünglich neun Reliefs mit fiktiven Darstellungen aus Geschichte und Alltag des römischen Köln, des Weiteren aus zwei Reliefblöcken mit je drei Portraitbüsten sowie sechs separaten Platten mit Einzelportraits römischer Herrscher. Die aus Muschelkalkstein gefertigten Reliefs schuf Brantzky im Stil des Neoklassizismus, wobei er sich – frei gestaltend – von antiken Vorlagen inspirieren ließ. Das Gesamtprogramm entwarf für ihn der Archäologe Josef Poppelreuter (1867-1919), der die Antikensammlung des Wallraf-Richartz-Museums betreute und seit 1908 zweiter Direktor des Hauses war. Die ihn leitende Grundidee dokumentierte die leider im Krieg zerstörte Stiftungsinschrift: „... zur Erinnerung an die Gruendung der CCAA im Jahre 50 nach Christus.“ Diese fußt auf dem Bericht des Tacitus, dessen entscheidende Passage zur Errichtung der Colonia Claudia (Annalen XII, 27,1) konsequenterweise von links nach rechts fortlaufend in Latein über die neun szenischen Darstellungen gesetzt wurde. Drei dieser szenischen Reliefs wurden im Krieg zerstört, ein weiteres beschädigt, Band hat die verbliebenen wieder in das Mauerwerk der Brunnenseite im Norden eingefügt. Ihnen stellte er nun die neun Portraitbüsten der römischen Herrscher auf der verlängerten Ostseite der Brunnenwandung voran. Sie hatte Brantzky ehedem auf der Burgmauerseite platzieren lassen. Von links nach rechts gelesen ergibt sich nun die folgende Motivreihung:
Überragt werden diese Darstellungen von der über den kannelierten Pfeilerschäften thronenden Wölfin. Als Symbol des 'ewigen Roms' symbolisiert sie die vergangene wie gegenwärtige Verbundenheit Kölns mit der ehemaligen Reichshauptstadt.
Zum Denkmal des Monats wurde der Römerbrunnen erkoren, weil sein Zustand zur Besorgnis Anlass gibt. Zwar sprudelt das Wasser wieder, aber es ergießt sich in eine schmutzige, von Abfällen gefärbte Brühe, auf deren Grund sich sogar ein entsorgtes Bauschild abzeichnet. Der Zahn der Zeit hat mittlerweile an den Reliefs genagt, die gereinigt und mit einer Imprägnierung versehen werden sollten, um den status quo ihrer noch vorhandenen Lesbarkeit zu erhalten. Dabei müssten auch die Pflanzen entfernt werden, die mittlerweile munter aus den Mauerfugen sprießen. Ein besonderes Ärgernis stellt aber die (dauer?)provisorische städtische Baustelle dar, in deren Mitte sich zur Zeit das Pfeilermonument befindet. Mit schmutzigen Planen bedeckte Bauzäune, hinter denen sich zwei das Denkmal bedrängende Baucontainer abzeichnen, behindern den freien Blick von allen Seiten. Durch Spalten zwischen den Gittern erblickt man munter sprießende junge Bäumchen, sie sich im Innern dieses abgesperrten Bereichs frei entfalten können, eines sogar in unmittelbarer Nähe des Monumentes.
Referent: Dr. Ulrich Bock
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