Werden Sie gemeinsam mit uns aktiv für Baukultur, Denkmalpflege und Kulturlandschaft!

Sicht auf die Heisterbacher Klosterruine

Das Einzugsgebiet des Regionalverbandes Cochem-Zell umfasst den Landkreis Cochem-Zell rechts und links der Mosel zwischen Pünderich im Süden und Moselkern im Norden und Ulmen im Westen sowie Blankenrath im Osten mit 90 Kleinstädten und Dörfern und nur 62.000 Einwohnern. Der Regionalverband hat rund 100 Mitglieder.

Veranstaltungen

Auskünfte zu den Exkursionen:
Gerhard Schommers, (06542) 222 85


Mai 2021

Liebe Mitglieder des Rheinischen Vereins.

Die Hoffnung, im Sommer 2021 wieder mit Exkursionen starten zu können, ist aus heutiger Sicht als eher gering einzuschätzen. Deshalb werde ich mich mit „Rundbriefen statt Exkursionen“ weiterhin an Sie wenden. Wer die Rundbriefe nicht mehr erhalten möchte, den bitte ich, mir das kurz per Mail mitzuteilen. Gerhard Schommers

„Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt“. Fast in Sichtweite von meinem Haus liegt die ehemalige Kreisstadt Zell. Mit den St. Aldegunder Senioren unternehme ich regelmäßig (zur Zeit leider nicht) kleine Kultur-Ausflüge. Jeder St. Aldegunder und auch viele aus dem Umland waren x-mal in Zell. Aber wurde dabei auch entdeckt, was Zell architektonisch so besonders macht?

Was Bruno Möhring für Traben-Trarbach und sein Stadtbild bedeutete ist Otto Finé für die Stadt Zell. Im Buch von Gerd Bayer „Der Zeller Architekt Otto Finé“ heißt es: “Fast in Vergessenheit geraten ist der Zeller Architekt Otto Finé, der über ein halbes Jahrhundert viele wichtige Bauten in Zell und Umgebung entworfen hat und als Bauleiter seine Entwürfe bis zur Fertigstellung der Gebäude begleitete.


Otto Finé

Otto Finé mit 30 Jahren. Im Dezember 1911 heiratete Otto Finé Josefine Braun aus Aachen

Otto Finé wurde am 24. Mai 1880 in Saarlouis geboren. Nach dem Abitur 1898 studierte er zunächst an der Baugewerbeschule in Bingen, die er 1901 als Bautechniker verließ. Anschließend besuchte er die Baugewerbeschule in Aachen und war nach Angaben der Familie auch an der TU Aachen als Architektur-Student eingeschrieben. Aus seiner Bestallung als Bausachverständiger in Zell geht hervor, dass er gute Zeugnisse der Bauwerks-schulen Bingen und Aachen vorlegen konnte“.
Aus dem Stadtratsprotokoll der Stadt Zell/Mosel vom 14.8.1906 geht hervor, dass er seit dieser Zeit als Bausachständiger in Zell beschäftigt war. Hier heißt es in preußischem Verwaltungs-deutsch: Der Herr Regierungspräsident zu Coblenz hat durch Verfügung vom 28. Juli 1906 angeordnet, dass ihm nach sechs Monaten über die Regelung der Prüfung und Überwachung der Bauten in der Stadt Bericht zu erstatten sei“.

Vor dem ehemaligen Landratsamt Zell, erbaut 1951/1952 nach Plänen von Otto Finé, versammelten sich die St.Aldegunder Senioren um mit Franz Piacenza als hervorragend informierten Referenten und Sohn der Stadt Zell zu einem Rundgang zu den zahlreichen Finé-Bauten. Hierzu wurde folgender Bericht veröffentlicht:


Senioren

"Stürmten" die St.Aldegunder Senioren das Finanzamt Zell?

Anders als die vielen Winzer die 1926 das Finanzamt Bernkastel stürmten um u.a. die existenz-bedrohende Weinsteuer zu kippen kamen die 31 St. Aldegunder Senioren in friedlicher Mission wie man auf dem Foto auf der „Freitreppe“ des ehemaligen Landratsamtes und heutigen Finanzamtes sehen kann.
Im Rahmen des Projekts „Senioren in Bewegung“ kamen rund dreißig St. Aldegunder Seniorinnen und Senioren vor dem Zeller Finanzamt zusammen um „auf den Spuren von Otto Finé“ Zell zu erkunden. Mit Franz Piacenza war ein kenntnisreicher Referent gefunden. „Otto Finé, 1880 im saarländischen Saarlouis geboren, kam als junger Architekt um 1906 nach Zell und prägte mit seinen vielen außergewöhnlichen Bauten das Stadtbild von Zell äußerst positiv bis in die heutige Zeit“. Der Stadtbereich „Corray“ moselseitig ist nahezu eine geschlossene Zeile an gut erhaltenen und gepflegten Finé-Bauten. Otto Finé legte dabei nicht nur hohen Wert auf individuelle Fassaden – immer an die Wünsche und den Geldbeuteln der Bauherren angepasst. Auch bei der Gestaltung der Innenräume sorgte er für eine großzügige und wohnliche Atmosphäre.
Zur Moselseite gehörten immer eine oder mehrere Loggien oder Balkone zu den Finé-Häusern. Die Eigner sollten sich in ihren Häusern wohl fühlen. Aber nicht nur Wohngebäude zählten zu den Werken von Otto Finé. So wurde 1912/1913 nach seinen Plänen die „Amtsverwaltung“ errichtet. Allein drei verschiedene Finé-Bauten beherbergten über die Jahrzehnte die Sparkasse.
Nach dem Weltkrieg gehörten zu seinen Spätwerken das ehemalige Landratsamt, das Ärztehaus am Marktplatz sowie die Realschule in der Gartenstraße. Und die „Frauenempore“ der ehemaligen Synagoge ist ebenfalls ein Finé-Werk. „Wir waren schon tausendmal in Zell – aber erst jetzt haben wir viele sehenswerte Bauwerke kennen gelernt auf die die Zeller stolz sein können und die sie erhalten sollten“ – das war die einhellige Meinung der St. Aldegunder Senioren nach dem zweistündigen Rundgang.


Corray

Die Straße „Corray“ stellt sich noch heute als ein „Finé-Museum“ dar. Die „Handschrift“ von Finé ist an allen Bauten zu erkennen, aber jedes der Häuser links und rechts von „Corray“ ist ein Unikat und gottlob erhalten geblieben.

Es lohnt sich, einen Spaziergang durch die Straße ab dem heutigen Finanzamt Richtung Merl zu gehen und dabei rechts und links die prächtigen Bürgerhäuser zu bewundern. Jedes Haus unterscheidet sich vom Nachbarhaus Man sieht schön gestaltete Erker. Die meisten Haustüren sind noch im Original erhalten und je nach Geschmack und Geldbeutel des Bauherrn sind die Eingänge mal einfach, mal sehr aufwendig und geschmackvoll gestaltet.

Quellen: Das Buch von Gerd Bayer „Der Zeller Architekt Otto Finé“ ist im Rhein-Mosel-Verlag Zell 2006 mit der ISBN 3-89801-312X erschienen und sicher noch im Buchhandel erhältlich. Das Foto von Otto Finé ist diesem Buch entnommen. Das Gemälde des Hauses Desoye, heute Schlagkamp, hat Andreas Schlagkamp zur Verfügung gestellt. Zwei Fotos vom beschriebenen Rundgang mit Franz Piacenza hat Günther Schumann aufgenommen.


Weinmuseum

Das Haus des WeinMuseums Schlagkamp-Desoye ist ebenfalls ein Werk von Otto Finé. Auftraggeber war der Weinkommissionär und Kellerei-Besitzer Paul Desoye, der Urgroßvater des heutigen Besitzers Andreas Schlagkamp. Gebaut 1925/1926. Der ebenerdige Keller fasste einhundert Fuderfässer. Bis auf den Außenputz war das Gebäude fertiggestellt für die Hochzeit von Paul Desoye am 9. Februar 1927.

In der Folgezeit wurde der große Saal oberhalb des Kellers nicht nur von der Familie sondern auch von der Gemeinde und den Bewohnern Senheims. Es wurden Geburtstage gefeiert, es fanden Theater-Aufführungen statt, es war der Tanzsaal der Gemeinde und wurde auch für Kino-Aufführungen genutzt. Wer dort feierte durfte die Speisen mitbringen und dort verzehren, nur der Wein musste von Paul Desoye gekauft werden. Seit vielen Jahren nutzt die Familie Schlagkamp-Desoye den prächtigen Saal für Feiern jeder Art. Dieter Schlagkamp richtete dort seine riesige Sammlung an Geräten und Werkzeugen für Weinbau und Weinausbau ein. Der Saal wird immer wieder für Weinproben genutzt. Viele werden sich daran erinnern, dass wir 2019 im Festsaal Schlagkamp-Desoye das 40jährige Bestehen des Regionalverbandes Cochem-Zell des Rheinischen Vereins feierten.


März 2021

Liebe Mitglieder des Rheinischen Vereins !

„Wenn die Menschen nicht zur Kultur gehen können, dann muss die Kultur zu den Menschen gehen!“ So kommentierte ein Empfänger unseren letzten Rundbrief. In diesem Sinne soll es – zunächst – weitergehen in der Hoffnung, dass wir in absehbarer Zeit wieder Kultur vor Ort erleben können. Und wer mich mit Texten und Fotos bei der Vorbereitung der weiteren Rundbriefe unterstützen kann, ist herzlich willkommen.

Nach der Bullayer Brücke am Kriegsende, Alf-Mosel, Kloster Stuben, Marienburg, Ediger-Eller, Römergräber Nehren und Senheim stellen wir diesmal Bruttig-Fankel vor. An Manfred Ostermann aus Bruttig vielen Dank für die Mitarbeit bei der „Redaktion“ und der Auswahl der Fotos.

Bruttig-Fankel

Die ältesten Zeugnisse der Besiedlung in der näheren Umgebung des Ortes sind die sehr gut erhalten Hügelgräber auf dem Bruttig-Fankeler Berg entlang des sogenannten „Rennweges“.

Der Ort Bruttig hat sowohl keltisch-römischen als auch merowingisch-fränkischen Ursprung. Die erste urkundliche Erwähnung als „Proteca im Mayengau“ datiert auf den 4. Juni 898 in einer Schenkungsurkund des lothringischen Königs Zwentibold.
Ein weiterer Hinweis darauf, dass der Ort eine keltische Siedlung war, ergibt sich aus dem Namen „Bruttig“ selbst. Sprachforscher leiten „Bruttig“ ab vom keltischen „Bruti-acum“, (d.h. Wohnung des Brut) über das lateinische „Proteca“ (898 n.Chr), und „Prodecha“ (1250 n.Chr.)
Reinhold Schommers schreibt im „Kunststättenheft des Rheinischen Vereins Bruttig-Fankel“ von 1992: „Bruttig = Bruttiacum geht sicher auf eine kelto-romanische Hofanlage zurück, die am Ausgang des Mühlenbaches zu suchen ist“. Im nachfolgenden Text wird mehrfach auf Texte dieses Kunststättenheftes zurück- gegriffen.
Bruttig ist Geburtsort des bedeutenden deutschen Humanisten Petrus Mosellanus. Als Peter Schade 1493 als eines von 14 Kindern des Winzers, Barbiers und Krämers Johann Schade geboren. Peter besuchte auf Kosten seines Onkels Schulen in Luxemburg und Limburg (Niederlande) sowie die Schule der Brüder vom gemeinsamen Leben in Trier. Von 1509 bis 1513 studierte Peter in Köln und ging als Geschichtslehrer nach Freiberg in Sachsen. 1515 kam er an die Universität Leipzig, deren Rektor er 1520 wurde. Ein Brunnen am Moselufer erinnert an diesen berühmten Sohn der Gemeinde Bruttig.

Pfarrkirche St. Margaretha:

Nach einem romanischen Vorgängerbau wurde 1490 ein Neubau beschlossen. Erhalten ist von diesem Kirchenbau der fünfgeschossige Westturm, 23 m hoch. Darüber eine mit regelmäßigen Fischblasenmustern verzierte Balustrade aus rotem Sandstein. Der 22 m hohe, achtseitig verschieferte Turmhelm hat an den vier Turmecken 4.50 m hohe Ecktürmchen mit Bleikrabben und Vögeln.
Das Kirchenschiff in der heutigen Form wurde von 1845-1847 erbaut. Bei der an den Turm nach rechts anstoßenden Giebelwand ist in die Blendnische ein Kreisfenster und darunter ein Portal mit einem reich profilierten Basaltlava-Gewände eingefügt.
In den Neubau übernommen wurde einige Ausstattungstücke der Vorgängerkirche: In die Chorwand eingelassen wurde das spätgotische Sakramentshaus aus rotem Sandstein. Nach einem Besuch der Kirche ist ein Gang über den umliegenden Friedhof mit zahlreichen historischen Grabdenkmälern zu empfehlen.

Die Synagoge

In Bruttig waren - auch durch die Nähe zu Beilstein mit seiner seit 1309 bezeugten Judengemeinde - immer Juden ansässig. In der Volkszählung von 1817 sind 31 jüdische Bürger genannt, deren Zahl sich bis 1858 auf 50 erhöhte. Sie gehörten zur Kultusgemeinde Beilstein und wurden auch auf dem dortigen Friedhof begraben.


Bruttig 1

Um 1835 erbaute sich die Gemeinde im Mühltal im Schatten der Pfarrkirche einen Betsaal, ein durch rundbogige Blendnischen gegliederter, giebelseitiger Bau mit einem Gesims in Höhe des Bogenansatzes. Das Bethaus wurde 1925 geschlossen, nachdem die Zahl der gläubigen Juden unter 22 Personen gesunken war und dauerhaft keine vorgeschriebene Zahl von 10 Männern (Minjan) anwesend sein konnte. Der Bau wurde privatisiert und als Scheune genutzt.
2003 wurden bei einer studentischen Bauaufnahme die Spuren der kultischen Nutzung dokumentiert. Im Keller wurde das rituelle Bad, die Mikwe, wiederentdeckt, das bis 2005 ausgegraben wurde. Bei den Baumaßnahmen wurden auf dem Dachboden auch die Überreste einer Geniza entdeckt (ein Depot für nicht mehr benutzte liturgische Schriften).
Die profanierte Synagoge wurde von der Gemeinde Bruttig-Fankel 2005 erworben und umfassend restauriert. Es gründete sich ein Förderverein, der das Gebäude pflegt und mit kulturellen Veranstaltungen wieder mit Leben erfüllt.
Die Moselfront von Bruttig wird weitestgehend von historischer Bausubstanz geprägt. Häuser mit Schwebegiebel und Fachwerkbauten dominieren das Bild. Dabei ist das ehemalige 1619 erbaute Rathaus mit gut erhaltenem Festsaal ein ganz besonderes Schmuckstück.

Haus Schunk

Einer der bedeutendsten Profanbauten an der Moselfront ist das 1659 von Paul Pauli und Anna Elisabeth Dederichs erbaute Haus, das um 1800 in den Besitz der Familie Schunk kam.
Das Haus war Wohnung des kurtrierischen Schultheißen, in dem im Untergeschoss ein „Gerichtszimmer“ mit Warteraum eingerichtet war, zu dem es einen eigenen zur Straße hin mit einem Portal abgeschlossenen Zugang gab.
Die Paulis waren Handelsleute, die Wein und andere landwirtschaftliche Produkte vornehmlich in Köln verkauften. 1716 erwarben sie den Posthof in der Glockengasse in Köln, heute vergleichbar mit einer Verkehrs- und Warenzentrale. Ihren familiären Wohnsitz behielten sie trotzdem noch bis kurz vor 1800 in Bruttig.
Anfang des 19. Jahrhunderts erwarb das Haus Bartholomäus Schunk aus Bruttig, ein Bruder des Professors Doktor Johann Peter Schunk, Ehrendoktor der Universität Paris und ein paar Jahre später, während der Säkularisation unter Napoleon, auch einen großen Teil des Weinbergsbesitzes des aufgelösten Nonnenklosters Maria Engelport in der Gemarkung Fankel. Auch Bartholomäus Schunk war Winzer und Handelsmann in der Art wie die Familie Pauli.


Bruttig 2

Die letzte Nachfahrin der Familie Schunk stiftete Haus und Grundvermögen 1922 der Missionsgesellschaft der Oblaten, die 1903 in Engelport eine Niederlassung gründete und das Schunk’sche Haus als Hofhaus und Noviziat nutzten, 1965 und 1982 ging das Haus an Privatpersonen, die vor allem das Äußere des Hauses renovierten und zu Wohnzwecken im Innern ausbauten. Besonders eindrucksvoll ist die weitgehend erhaltene Innenausstattung. Das Haus besitzt einen moselseitigen „Diensteingang“ mit schöner Einrahmung durch ein rundbogiges Portal. Beeindruckend ist das Treppenhaus mit seiner einmaligen Wendeltreppe und die Wohnräumlichkeiten mit stuckierten Balkendecken, sogenannten „Kölner Decken“.

Eisenbahnlinie rechts der Mosel von Koblenz bis Bullay

Nach Fertigstellung der Strecke Koblenz-Trier 1879 auf der linken Moselseite und dem Bau des „Kaiser-Wilhelm-Tunnels“ waren die Dörfer entlang des Cochemer Krampens von Eisenbahnverkehr abgeschnitten. Bereits 1905 gab es Bestrebungen, zum Bau einer Eisenbahnlinie rechts der Mosel, wobei ein 2.565 m langer Tunnel zwischen Treis und Bruttig das Kernstück war. Für den preußischen Staat hatte eine solche zweite Eisenbahnlinie hohen militärstrategischen Wert. Aber erst 1914 wurde mit den Arbeiten begonnen. Der Tunnel wurde durchgebrochen und die Strecke sollte mitten durch das Dorf Bruttig führen. Es wurde ein riesiges Damm-Bauwerk erstellt für das zahlreiche Wohnhäuser weichen mussten. Nach dem 1. Weltkrieg kam das Bauvorhaben vorübergehend zum Erliegen und wurde später völlig eingestellt. Der mächtige Damm zerschneidet heute noch Bruttig in zwei Teile, unterbrochen von 12 Durchfahrten. Alle bisherigen Bemühungen um einen Rückbau des Dammes wurden von der Bahn abgelehnt. Es würde nach einem Abriss ca.4.500 qm Bauland entstehen verbunden mit einer Aufwertung des Bruttiger Ortsbildes. Bedrückend sind die Ereignisse in den Jahren 1944 – 1945 als der Tunnel von KZ-Häftlingen zur „Fabrikhalle für kriegswichtiges Material“ bombensicher aus- und umgebaut wurde. Für die KZ-Häftlinge wurde am südlichen Ende des Dammes Baracken aufgebaut.

Fankel

Während Bruttig sich vorwiegend am Moselufer entwickelte, lag Fankel bis zum Moselausbau in den 1950er und 60er Jahren versteckt hinter ausgedehnten Bungerten und breitete sich entlang der „Brunnenstraße“ aus, die noch heute ein seltenes Ensemble historischer Herren- und Hofhäuser bildet.

Das Dorf ist als „vankela“ (vom Fränkischen „fank“ = sumpfiges Gelände) erstmals um 1100 in einem Stiftsgüterverzeichnis von Karden mit Äckern und Weinbergen erwähnt.


Bruttig 3

Das Dorfbild von der Mosel her gesehen hat sich mit dem Moselausbau erheblich verändert. Zwischen dem alten Dorfkern und der Mosel befand sich vor dem Moselausbau ein ausgedehntes Wiesengelände das nahe des Flusses mit Laachen hinter einem Damm, wahrscheinlich, stammend aus der Zeit der preußischen Moselregulierung in den 1850er Jahren. Diese stehenden Gewässer waren bevölkert von Fischen und Amphibien, die abends ein fröhliches Konzert gaben. Daher stammt auch der Spottname „Fankela Fröschelscher“ für die Fankeler Bevölkerung.

Die Kirche

Die Kirche „Maria Himmelfahrt“ war von je her Filialkirche der Pfarrgemeinde Bruttig.1969 erfolgte der Zusammenschluss der Kommunen zur Gemeinde „Bruttig-Fankel“.

Schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts gab es in Fankel eine romanische Kapelle. Von diesem Bau blieb der fünfgeschossige Turmschaft erhalten, der ursprünglich ein Pyramidendach trug. Der heutige Turmhelm, achteckig mit vierflächigen mit Bleifialen besetzten Ecklösungen und wohl jüngeren Wichhäuschen als Schallfenster, gehört in die Reihe der spätgotischen Turmhelme der Umgebung. Im Jahr 1356 brachte ein Erdbeben das Kirchenschiff zum Einsturz was nach 1385 zum Neubau des Kirchenschiffs neben dem erhaltenen Turm führte. Es entstand eine einschiffige Saalkirche mit mächtigem Mauerwerk. Elemente einer Wehrkirche sind nicht nur durch die vergitterten Kirchenfenster auch heute noch erkennbar. Von der spätgotischen Ausstattung ist noch ein bedeutsamer Sakramentsschrein der Erbauungszeit erhalten, 2,05 mal 0,50 m groß. Das Gewölbe wird von reichem Figurenschmuck „getragen“. Auf dem umliegenden Friedhof findet man eine Vielzahl historischer Grabsteine und Grabplatten.

Die Filialkirche Fankel hatte schon in früheren Jahrhunderten, für die damaligen Verhältnisse, einen nicht unerheblichen Grundbesitz. Zum Teil im Eigenbesitz und eine ganze Anzahl von abgabepflichtigen Rechten an Grundstücken anderer Eigentümer. Diese Weinberge nannte man bis in die 1970er Jahre die „Muttergottes-Wingerde“. Dazu gehörte auch eine Kelteranlage mit Weinkeller neben der Kirche. Mit diesem Wirtschaftsbetrieb wurde früher eine eigene „Frühmesserei“ betrieben, die mit einem Kaplan besetzt wurde. Im Weinbergs-Flurbereinigungsverfahren wurden diese Rechte fast alle durch eine einmalige Zahlung der Eigentümer abgegolten und im Grundbuch gelöscht.

Die historische Bausubstanz in Fankel ist einmalig und zum größten Teil liebevoll gepflegt. Ein Gang durch die Brunnenstraße ähnelt einem Freilichtmuseum mit Bauten aller Stil-Epochen angefangen bei der Romanik. Zu diesem Ensemble hoch interessanter Bauten tragen die Hof- und Herrenhäuser ab dem 14. Jahrhundert bei. Ortsbildprägend ist das ehemalige Rathaus, das in seiner Funktion als „Spielhaus“ eher den heutigen Dorfgemeinschaftshäusern gleicht, Gleich drei Straßen biegen von den hohen Durchfahrten des Rathauses ab.


Bruttig 5

Eine Besonderheit für einen Mosel-Ort ist die Tatsache, dass bis nach dem Moselausbau die Brandbekämpfung nicht von der Mosel aus organisiert werden konnte. Zu diesem Zweck gab es einen begehbaren, kellerartigen Brandweiher neben dem Friedhof, der von einem dauernden Zulauf gespeist wurde.

Eine andere Besonderheit bestand darin, dass man das benötigte Mehl für die Bevölkerung nicht in einer herkömmlichen Mühle, an einem Bachlauf mit Mühlteich und Mühlrad innerhalb der Ortsgrenzen mahlen konnte, weil die Gegebenheiten dafür nicht vorhanden waren. Aus diesem Grund ließ der Bischof und Kurfürst von Trier, Johann von Isenburg um 1550, in der Mosel-Furt gegenüber von Fankel, eine schwimmende Mehlmühle erbauen. Diese tat ihren Dienst bis um 1812. Auch sie wurde als geistlicher Besitz in der Säkularisation versteigert.


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In eigener Sache: Ich begrüße Sie als „Liebe Mitglieder des Rheinischen Vereins“. Damit sind natürlich Damen und Herren angesprochen, obwohl immer wieder „gender-gerechte“ Ansprache angemahnt wird. An dieser Diskussion möchte ich mich nicht beteiligen und erhoffe Ihr Einverständnis, Sie auch zukünftig als „Mitglieder“ ansprechen zu dürfen.

Gerhard Schommers, Vorsitzender des Regionalverbandes Cochem-Zell


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ehemaliges Rathaus Fankel


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Bruttig-Fankel vor der Mosel-Kanalisierung

Bildnachweis: Collage Fankel: Klaus Wendt, Brunnenstraße Fankel: Gemeinde Bruttig-Fankel, weitere Fotos: Archiv Manfred Ostermann


Februar 2021

Liebe Mitglieder des Rheinischen Vereins !

Unsere Reihe an Rundbriefen zu Schätzen unseres kulturellen Erbes im Kreis Cochem-Zell setzen wir heute mit SENHEIM fort. Dr. Friedhelm Buschbaum, Mitglied unseres Regional-Verbandes und wohnhaft in Senheim hat es in dankenswerter Weise übernommen, uns umfassend über Senheim einst und heute zu informieren:

Senheim – ein Winzerdorf stellt sich vor

Dr. Friedhelm Buschbaum

Im Südostbogen des sogenannten "Cochemer Krampens" liegt an beiden Moselufern die Ortsgemeinde Senheim. Der Hauptort Senheim liegt am rechten Ufer an der Außenseite der Moselkrümmung, der zugehörige kleinere Ortsteil Senhals auf der gegenüberliegenden Flussseite. Die Gemeinde Senheim ist aufgrund der Siedlungshistorie, der Dorfgeschichte, der Landschafts- und Ortsbilder, des Weinbaus, der Verkehrsinfrastruktur und der Baukultur ein markanter Teil der Wein-Kultur-Landschaft Mosel.

Siedlungshistorie
Wie andernorts an der Mosel war auch das Gebiet in der Umgebung von Senheim bereits in prähistorischer Zeit besiedelt. Davon zeugt die keltische Ringwallanlage auf dem nur wenige Kilometer westwärts liegenden Berggrat des Hochkessels. Die Präsenz der Römer am Sen-halser Gleithang ist zweifelsfrei durch zwei römische Grabkammern mitten in der Weinlage "Römerberg" oberhalb von Nehren dokumentiert. Hier wurden auch Reste römischer Bau-substanz sowie eine Reihe Goldmünzen aus der Zeit der römischen Kaiser gefunden.

Dorfgeschichte
Im Zusammenhang mit den Besitztümern des Kölner Domkapitels wird Senheim 1140 und Senhals sogar schon 1067 erstmals urkundlich erwähnt. In politischer Hinsicht gehörte Sen-heim mit Senhals und Grenderich bis zum Ende des 18. Jahrhundert zum sogenannten "Dreiherrischen Gericht", einer Gemeinherrschaft , die sich Kurtrier, Sponheim und Brauns-horn-Metternich-Beilstein teilten. In einem Vertrag von 1780 einigten sich die drei Gemeins-herren über die Teilung des "Dreiherrischen", die 1783 ihren Abschluss fand. Demzufolge bekam Kurtrier die komplette Vogtei Senheim. Als die Moselregion 1798 der Französischen Republik angegliedert wurde, gehörte Senheim zum Kanton Zell im Rhein-Mosel-Departe-ment. Weil die Grafen von Sponheim ihr Senheimer Dorfdrittel als ein vom Herzogtum Kleve abhängiges Lehen besaßen, das später an Brandenburg-Preußen überging, haben wir das hochinteressante Kuriosum, dass Preußen hier seit 1618 Besitz und Rechte hatte, während alle übrigen Moselorte erst 1815 dem Wiener Kongress zufolge preußisch wurden. 1818 wurde Senheim Sitzgemeinde der gleichnamigen Bürgermeisterei. Die Be-hörde, die später Amtsverwaltung und schließlich Verbandsgemeinde hieß, wurde 1970 im Zuge der Verwaltungsreform aufgelöst. Senheim gehört heute zur Verbandsgemeinde Cochem und zählt 546 Einwohner (Stand 31.12.2019).

Landschafts- und Ortsbilder
Insgesamt umfasst die Senheimer Gemarkung ungefähr 1250 Hektar, mit einem Waldanteil von rund 800 Hektar. Das 76 Hektar große Weinberg-Areal, das durch die Mosel geteilt wird, ist hinsichtlich seines Landschaftsbildes und seiner Geologie sehr heterogen. In Senheim wird seit Jahrhunderten auf den auslaufenden Hängen des Hunsrücks Wein angebaut. Es sind nach Süden und Westen ausgerichtete Steillagen der Terrassen-Mosel, also Flächen, die aufgrund ihrer extremen Hangneigung und ihrer Querterrassierung nur begrenzt mechanische Bewirtschaftung zulassen. Die bekannteste Weinlage ist die "Senheimer Lay". Zu 100 Prozent wird hier Riesling angebaut. Die Winzer ernten jährlich Weine von höchster Qualität. Das Senhalser Weinberg-Gelände ist im unteren Bereich sehr flach und steigt nur im Auslauf zum Eifelplateau leicht an. Erst Anfang der 1950er-Jahre begannen die Winzer damit, die Streuobstwiesen zu kultivieren, um Weinstöcke anzupflanzen. Keine Trockenmauer durch-zieht die Weinlage "Römerberg", sodass für die meisten Arbeitsprozesse Maschinen einge-setzt werden können. Auf den tiefgründigen Böden werden bevorzugt frühe Weiß- und Rot-weinsorten angebaut. So unterschiedlich die Topographie in Senheim und Senhals ist, so unterschiedlich ist auch die Geologie in beiden Ortsteilen. Im Zuge der Entwicklung des Rheinischen Schiefergebirges vor rund 400 Millionen Jahren (Devon) formierte sich in der Senheimer Region eine geologische Besonderheit: Auf den sich gegenüberliegenden Mosel-seiten bildete sich ein völlig verschiedenes Gestein. In der Senheimer Lay hat der Schiefer einen hohen Tonanteil und ist deswegen gekennzeichnet durch eine schwarzgraue Farb-tönung. Der rotbraune Schiefertyp auf der Senhalser Seite hat seine Farbgebung von dem hohen Anteil an Eisenverbindungen.


Senheim

Senheim vor dem Moselausbau
Mit dem Anfang der 1960er-Jahre begonnenen Moselausbau hat sich das Landschaftsbild im Senheimer Moselbogen eindrucksvoll geändert. Verschwunden sind die zahlreichen Buhnen, das Senheimer Werthgelände mit dem alten Hafen und die Trasse des Leinpfades entlang des Senhalser Moselufers. Auf der Senheimer Seite wurde von 1963 bis 1965 ein Schutzhafen für Fähren, Fracht- und Fahrgastschiffe angelegt, der auch als Yachthafen mit einer Aufnahmekapazität für 140 Sportboote genutzt wird. Der dorfseitige Teil der Hafenkrone kon-zipierte man als Hochwasserschutzdamm, sodass Senheim seit 1965 hochwasserfrei ist. In direkter Nachbarschaft zum Hafen liegt auf der Moselhalbinsel der mehrfach zertifizierte Campingplatz "Holländischer Hof". Vom Moselufer bis hin in die Weinberge ist seit 1999 kon-tinuierlich der Skulpturenpark Senheim gewachsen. Auf Initiative des ortsansässigen Künst-lers Christoph Anders haben verschiedene Künstler hier ihre zehn Exponate eingebracht. Daran integriert ist der Literatenweg, an dessen 14 Stelen Kunstobjekte von jährlich wech-selnden Künstlern präsentiert werden. Das auffälligste Bauwerk im Senheimer Moselbogen ist die Brücke, die seit 1967 beide Ortsteile verbindet. Auch die Ortsbilder von Senheim und Senhals könnten kaum differenzierter sein. Während sich der Dorfkern von Senheim in die Ausmündung des kurzen Seitentales zwängen musste und so ein dreieckiges Ortsbild entstand, konnte sich Senhals auf der von der Eifel sanft ab-fallenden Landzunge entlang des linken Moselufers problemlos ausdehnen.

Verkehrsinfrastruktur
Dass die Senheimer Gemarkung wegen ihrer Geländeformation eine bevorzugte Stelle zur Moselquerung ist, erkannten auch die Römer. Deswegen bauten sie eine bereits existierende Handelsstraße zu einer strategisch wichtigen Querverbindung zwischen ihren durch den Hunsrück und die Eifel führenden Heerstraßen aus. Die Straße nutzten während des Spätmittelalters und bis ins 19. Jahrhundert hinein Kaufleute aus Eifel, Flandern und Wallonien, um ihre Waren zu den Märkten ins Rhein-Main-Gebiet zu bringen. 1654 wurde zwischen Senheim und Senhals für Truppentransporte eine hölzerne Brücke errichtet. Auch die französischen Revolutionstruppen erkannten hier den Vorteil zur Moselquerung, denn als sie im Oktober 1794 hierher kamen, bauten sie gleich zwei Brücken. Durch die 1967 fertig-gestellte Brücke hat sich die Verkehrsinfrastruktur im Cochemer Krampen entscheidend verbessert. Dieser hochwasserfreie Moselübergang verbindet nicht nur die beiden Ortsteile, sondern auch die Straßenverkehrsnetze von Eifel und Hunsrück.

Brandkatastrophe von 1839


Ortsplan Senheim

Der alte Ortsplan des Moseldorfes Senheim. Er zeigt die Straßen und Grundstücke des Dorfes vor der verheerenden Brandkatastrophe von 1839. Die von dem Feuer verschont gebliebenen Häuser sind schwarz gekennzeichnet.

Am 13. August 1839 wurde Senheim von einer verheerenden Brandkatastrophe heimgesucht, die den damaligen Bürgermeisterort fast komplett in Schutt und Asche legte. Während fast alle arbeitsfähigen Senheimer in den Rotthecken mit der Getreideernte beschäftigt waren, brach in einem Haus in der Mitte des Dorfes Feuer aus. Von hier aus griffen die Flammen rasch auf die Nachbargebäude über und erreichten dann auch sehr schnell den gesamten Ortskern. Dies war möglich, weil die Häuser sehr eng standen, oft nur durch ein bis zwei Meter breite Gässchen getrennt. Die Brandkatastrophe hinterließ eine schreckliche Bilanz:

Zwei arme Familienväter, Matthias Joseph Löwen aus Ediger und Johannes Kockers aus Neef, fanden bei den Löscharbeiten den Tod. Während des fast fünf Stunden dauernden Infernos sind 106 Wohnhäuser, 22 Kelterhäuser und sieben Scheunen völlig abgebrannt. Es konnten nur noch der Kirchturm, die Kirche, das Pfarrhaus, das Vogteihaus, das Gemeinde- und Schulhaus sowie 34 an der Peripherie stehende Häuser gerettet werden. Der Brand hatte die mächtigen Hofburgen der Senheimer Ritter, die vielen Höfe der Klöster von Chumbd, Stuben und Ravengiersburg zerstört. Vernichtet wurden auch die spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fachwerkhäuser mit ihren steilen Schieferdächern, die dem Dorf einen moseltypischen Charakter gaben. Über 500 Menschen verloren durch das Unglück ihr Obdach, sie besaßen nur noch das was sie am Leibe trugen. Der gesamte Schaden wurde auf 68.799 Thaler taxiert.

Ortsgrundriss
Die Auswirkungen des Brandes von 1839 sind heute noch deutlich zu erkennen. Hier ist zunächst das für ein Moseldorf untypische Straßensystem zu nennen. Drei Straßen (Altmai, Markt- und Brunnenstraße) verlaufen nahezu parallel vom Gestade hoch zum Kirchplatz, die rechtwinklig von drei Querstraßen (Drillesplatz, Kirchhellener und Recklinghäuser Straße) geschnitten werden. Dieses beeindruckende Wegenetz entstand vor dem Wiederaufbau des abgebrannten Ortskerns. Man war sich damals einig, dass Senheim nicht mehr in seiner ehemaligen Struktur mit des schmalen und verwinkelten Gassen aufgebaut werden kann. Mit der Planung und Organisation des Wiederaufbaus beauftragte der Oberpräsident der Rhein-provinz den Steuer-Inspektor Lenné aus Saffig. Unter seiner Leitung entwarfen der Bauauf-seher Riemann aus Cochem und der Kreisgeometer Umbach aus Zell diesen Ortsgrundriss mit den für damalige Verhältnisse ungewöhnlich breiten Straßen. Die Planer dimensionierten die Straßen mit einer Breite von 20 Fuß (ungefähr sechs Meter), um so bei einem erneuten Brandfall ein Übergreifen der Flammen von einer Straßenseite auf die andere möglichst zu verhindern. Aufgrund dieser Umstände erhielt Senheim den einzigen klassizistischen Orts-grundriss zwischen Trier und Koblenz.

Weil sich durch die Straßenverbreiterung und die größer dimensionierten Baugrundstücke die bebaubare Fläche erheblich reduzierte, musste für 30 Familien auf dem gemeinde-eigenen Rottland südlich von Grenderich Siedlungsraum geschaffen werden. Das neugegründete Dorf erhielt am 10. Mai 1841 zu Ehren des Zeller Landrates Moritz, dem Initiators des Siedlungsprojektes, den Namen Moritzheim.

Um das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erneut aufkommende Problem des Bau-platzmangels zu entschärfen, wurde der Dorfplan nach Süden erweitert. In dem früheren Weinberg-Gelände wurden die Neustraße und in deren Verlängerung die Zeller Straße ange-legt. Ende der 1970er-Jahre entstand oberhalb der Senheimer Brückenauffahrt das Neubau-gebiet "Im Kalmet" und Ende der 1990er-Jahre das Neubaugebiet "In der Mark" in Senhals.

Als Straßenpflaster findet man heute in den drei Querstraßen und am Kirchplatz eine Mischung von Quarz-Kieselsteinen und Mayener Basalt, eine Gestaltungsart, die ebenfalls einzigartig an der Mosel ist.

Baukultur
Durch diesen besonderen Ortsgrundriss mit den schnurgeraden und rechtwinklig zueinander angeordneten Straßenlinien entstanden fast ausschließlich rechteckige Häuserblöcke. Hier fällt die innerörtliche Bausubstanz mit ihrer fast standardisierten Architektur auf. Abgesehen von einem Haus in der Recklinghäuser Straße, an das in einer späteren Baumaßnahme ein Fachwerkeckturm angebaut wurde, haben alle im Zentrum liegenden Häuser einen einfachen und einheitlichen Baustil aus der Zeit um 1840. Die Gründe hierfür stehen auch im Zusammenhang mit dem Brand von 1839. Als im April 1840 der Wiederaufbau begann, lag das vornehmliche Interesse darauf, möglichst schnell wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Auf architektonische Schönheit wurde wenig Wert gelegt. Es ist auch auf den Zeit-druck zurückzuführen, warum man sich einen großen Teil des Baumaterials aus der unmittel-baren Nähe der Baustellen beschaffte. So wurde die zu Beginn des 14. Jahrhunderts gebaute Umfassungsmauer nahezu komplett und mit ihr vier von den fünf Türmen an der Südseite des Dorfes abgerissen. Der Haustyp ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet: zweigeschossige Massivbauweise, drei oder vier regelmäßige Fensterachsen, teils kräftiges Gesims und Sattel- oder Krüppelwalmdach.

Wichtige Gebäude:

Katholische Pfarrkirche St. Katharina Senheim


Senheimer Kirche

Die Senheimer Kirche. Foto vor dem Moselausbau und dem Brückenbau

An der östlichen Spitze des Dorfdreiecks liegt in exponierter Lage die Katholische Pfarrkirche St. Katharina. Dominant wirkt der 44 Meter hohe spätromanische Westturm, der 1480 eine achteckige spätgotische Helmkrone mit vier Ecktürmchen erhielt. Das Kirchenschiff wurde 1765 nach den Plänen des Baumeisters Paul Stähling aus Straßburg errichtet. Der geostete Sakralbau hat Saalform mit nach Osten abgesetztem fünfseitigem Chorraum und zweige-schossiger Sakristei. In der Nacht vom 16. zum 17. Januar 1865 stürzte das Steingewölbe ein, es wurde durch ein Holzgewölbe ersetzt. Der barocke Hochaltar stammt aus der Kirche St. Katharinen in Linz am Rhein. Besonders wertvoll ist das Altarbild von dem berühmten kurtrierischen Hofmaler Januarius Zick (1730 - 1797), das die Kreuzigungsszene darstellt. In die südliche Außenwand ist die Grabtafel aus dem Jahre 1787 von der aus Zeltingen stammenden Anna Maria Gouzen eingemauert. Sie war die Witwe des kurkölnischen Hofkammerrates Franz Jodokus Gouzen.

Vogteihaus
Das Vogteihaus wurde vom 13. Jahrhundert bis zur französischen Revolution als Wohnhaus von Vögten genutzt. Aufgrund dendrochronologischer Untersuchungen wurde der staufische Wohnturm 1240 +/-5 erbaut und war Bestandteil der 1307 angelegten Umfassungsmauer. Das Burghaus hat rechteckigen Grundriss (7,70m x 9,50m) und ist insgesamt rund 20 Meter hoch. Im Kellergeschoss mit halbkreisförmigem Tonnengewölbe haben die Mauern eine Stärke von 1,50 Meter. Darüber steht ein viergeschossiger Bruchsteinbau mit steilem Giebeldach. Eigentümer des Vogteiturmes ist seit 1984 der ortsansässige Künstler Christoph Anders, der das Gebäude nach aufwendiger Renovierung zum Arbeiten und Ausstellen nutzt.


Vogtei

Die Vogtei im Zustand vor der Restaurierung durch Christoph Anders

Kapelle Maria Magdalena Senhals
Mitten im Ortsteil Senhals steht die Anfang des 15. Jahrhunderts erbaute Magdalenen-kapelle. Die Kapelle ist ein verputzter Bruchsteinbau in Saalform mit abgesetztem östlichem Chor, 13 Meter lang und acht Meter breit. Das Schiff hat zwei Rundbogenfenster und einen rundbogigen Westeingang, der Chorraum mit spitzbogigem Kreuzgewölbe hat ungeteilte Spitzbogenfenster. Die Reste einer Freske eines Kreuzweges werden dem kurtrierischen Hofmaler Januarius Zick (1730 - 1797) zugeordnet.

Brauerei bei Senhals
Ungefähr einen halben Kilometer vom nördlichen Ortsrand von Senhals entfernt liegt an der B 49 die 1855 von Engländern erbaute Bierbrauerei. Aufgrund verschiedener Umstände wurde bereits 1858 der Betrieb wieder eingestellt, diente dann bis 1951 verschiedenen Zwecken. Danach begann der Zerfall des Gebäudes. Ehemals war das Brauereigebäude ein prachtvoller dreigeschossiger Bruchsteinbau. Die Rundbogenfenster und die Portale waren mit Mayener Basaltsteinen eingefasst, die demontiert und gestohlen wurden. Heute sind nur noch die imposanten Außenmauern zu sehen, der gesamte Gebäudekomplex ist nur noch eine Ruine.


Brauerei

Brauerei bei Senhals
An weiteren interessanten Gebäuden und Plätzen sind Objekttafeln angebracht, die über ihre Historie und ihre Besonderheiten informieren. Die Tontafeln stammen von dem ortsansässigen Künstler Christoph Anders.
Hier eine Auswahl:

In Senheim

Pfarrhaus (Brunnenstraße, Marktstraße)
Pfarrhaus und angrenzendes Ökonomiegebäude Mitte des 18. Jh. von Pfarrer Knechts gebaut.
Wohnhaus (Brunnenstraße)
Großer Putzbau mit Kopfwalmdach und eleganter Fassade. Das feine Traufgesims mit Zahnschnittfries, errichtet um die Mitte des 19. Jhs.
Altes Winzerhaus (Brunnenstraße)
Typischer moselländischer Steinbau des 15. Jhs. Bemerkenswert der hohe 3 geschossige Speicher. Erweiterung um 1700. Mit überstehendem Fachwerk.
Hotel-Restaurant-Schützen (Brunnenstraße)
1840 erbaut und ist seitdem als Gaststätte im Besitz der Fam. Schützen. Der Erker mit barockisierten Reliefs entstand 1924.
Park (Brunnenstraße, Neustraße)
Klein-Park-Anlage, früher Versammlungsstätte der Bürger. Öffentliche Bekanntmachungen der Gemeinde bis 1967 und andere Veranstaltungen. Heute: Kommunikationszentrum für Bürger und Gäste.
Winzerhaus (Marktstraße)
Haus der ehemaligen Senheimer Winzergenossenschaft. 1902 vom Ortspfarrer Steinheuer zur Behebung der Weinabsatzkrise gegründet. Heute Gästehaus.
Drillesplatz (Drillesplatz)
Stätte der Bestrafung von Übeltätern. Im "Drilles", einem um die vertikale Achse drehbaren Holzkäfig.
Henrichs-Stiftung (Marktstraße, Drillesplatz, Brunnenstraße)
Gebäude der Geschwister Henrichs. Erbaut nach dem Dorfbrand von 1839. Rechts: Kloster Margarethenheim, früher Altenheim - Entbindungsstation - Kindergarten, heute kirchliche Begegnungsstätte. Links: Privatbesitz, früher Winzerhaus, heute Restaurant Schinkenkeller.
Kölner Höfe (Altmai)
Die ältesten in Senheim bekannten Höfe. 1140 durch Erzbischof Arnold begründet. Links: "Fronhof". Rechts: "Großes Kelterhaus" und zurückliegend der "Zehnthof". Heute: Wohnhäuser.
Kölnisches Großkelterhaus (Altmai)
mit Kreuzgewölbekeller. Von 1140 - 1800 gehörte diese Anlage zu den Kölner Höfen. Das Gebäude wurde im frühen 19. Jh. erbaut.
Fachwerkhaus (Altmai)
Dieses Haus hat als einziges in der Häuserreihe zwei Katastrophen überstanden: Den großen Dorfbrand von 1839 und den Brand von 1888. Goldraul. Raul = Sträßchen, Teil des ehemaligen Straßennetzes vor dem großen Brand am 13.8.1839
Gemeindehaus (Am Gestade)
Stattlich repräsentativ gestalteter Bruch-Steinbau, errichtet in der 2ten Hälfte des 19. Jhs. Zweizügige Dorfschule bis 1971, jetzt Gemeindehaus.
Sunderhof (Am Gestade)
1480 von Irmgard Sunder als Erbteil erhalten. Als Helfensteiner Hof bekannt. Ab 1638 in kurtrierischem Besitz, wird in Sunderhof umbenannt, heute Restaurant.
Weinmuseum (Zeller Straße)
Nach Plänen von Otto Finé 1927 erbaut. Seltenes Beispiel expressionistischer Architektur an der Mosel. Bemerkenswert der ehem. Hochzeitssaal, heute Teil des Weinmuseums
Amtsverwaltung (Zeller Straße)
1894 erbautes Verwaltungsgebäude der 1818 gegründeten Bürgermeisterei Senheim. Spätere Bezeichnungen: "Bürgermeisterei", "Amtsverwaltung" und zuletzt "Verbandsgemeinde". Im Zuge der Gebietsreform 1970 nach Cochem verlegt.
Gendarmerie (Zeller Straße)
1912 aus Mitteln der C. J. Henrichsstiftung als Wohnhaus gebaut und an das Land Preußen vermietet. Von 1942 - 1969 Dienstwohnung des Gendarmerie-Postens.
(Anmerkung: Gebaut nach den Plänen von Otto Finé)
Oberst-Häuschen (Zeller Straße, Schober Weg)
Genannt 1607, um 1700 auf älterem Gemäuer aufgebaut. Gekreuzigter Christus - 15. Jh. neue Farbfassung. Ziel unterschiedlicher Bittprozessionen.

In Senhals

Altes Fährhaus (Fährstraße)
Typisches Fachwerkhaus des 18. Jh. Moselseitig ein Fachwerkerker mit Schweifgiebel. Brüstung mit Wappen von 1780, heute Ferienhaus.
Winzerhaus (Fährstraße)
Fachwerkhaus mit Mansarddach 1747. Fachwerkgefüge geprägt durch Fußstreben mit Gegenstreben. Noch heute Wohnhaus und Weingut.
Backes und Eiskeller (Kehrstraße)
Altes Backhaus von Senhals, 2002 als Begegnungsstätte eingerichtet. Der sogenannte "Eiskeller" - ein kühler Lagerraum.
Kultur-Historisches-Privatmuseum Adams (Moselweinstraße)
im ehemaligen Landwirtschafts- und Weingutshof sowie Fuhrbetrieb Antoni.

Der Rheinische Verein wünscht allen Mitgliedern eine gute Zeit und hofft, in naher Zukunft wieder zu Exkursionen zu unserem großen kulturellen Erbe einladen zu können.

Gerhard Schommers, Vorsitzender


Januar 2021

Liebe Mitglieder des Rheinischen Vereins

Gerne hoffen wir, dass Sie einen guten Start ins Neue Jahr hatten und dass 2021 uns wieder eine gewisse Normalität bringt und wir unsere beliebten Exkursionen zum kulturellen Erbe unserer Region fortsetzen können.

Bereits im Dezember wurden Ihnen einige Sehenswürdigkeiten von Ediger vorgestellt. Heute eine Fortsetzung. Gleich benachbart befindet sich ein weiteres ganz besonderes Denkmal: die als „Römergräber von Nehren“ bekannten spätrömischen Grabstätten.


Ediger 1

Foto: Heinz Peierl

Die Pfarrkirche „St. Martin“ in Ediger

Aus der dem Hilariusschüler Martin von Tours geweihten Filialkapelle der Ellerer Pfarrkirche wurde 1142 die Pfarrkirche „St. Martin“ von Ediger. Romanische Reste und gotische Vollendung (um 1506) präsentieren sich in der heute sichtbaren Schönheit. Ein malerischer Umgang verbindet die Chorseite mit der 1363 errichteten Kirchpforte der Stadtmauer. Im Westen erhebt sich der über 50 m hohe Glockenturm, ein herausragendes Beispiel spätgotischer Formensprache. Der achteckige Helm ist der reichst-verzierte gotische Schiefer-Kirchturmhelm der Christenheit


Ediger 2

Foto: Klaus Wendt

Häufig sind die Kapellen auch Endpunkt eines Kreuzweges, der sich vom Tal aus durch die Steilhänge der Wingerte hinaufwinden. Zur Kreuzkapelle gelangt man über den drittältesten Kreuzweg Deutschlands aus dem Jahr 1488, ein Kreuzweg von europäischer Bedeutung. Diesen Kreuzweg säumen 15 Stationen, Sandsteinreliefs aus dem Jahre 1762. Die erste zeigt die Verurteilung Jesu, die letzte die Kaiserin Helena mit dem wiedergefundenen Kreuz. Während des 2. Kreuzzuges in das Heilige Land erfuhren die Kreuzritter, dass dort die Entfernung des Verurteilungsortes Jesu bis zur Hinrichtungsstätte Golgotha mit genau 1064 Doppelschritten (entspricht exakt 1,2 km ) festgelegt war und mit den sogenannten „Sieben Fußfällen“ dargestellt wurde.

Nach ihrer Rückkehr wurden die „Sieben Fußfälle“ auch in der Heimat der Kreuzritter bekannt und einige Orte übernahmen sie, so auch Ediger und das damalige Augustinerinnenkloster Stuben.
Als im Mittelalter die Volksfrömmigkeit erblühte, wurden die „Sieben Fußfälle“ auf 14 Kreuzwegstationen verdoppelt. In Ediger wurden sogar 15 Stationen angelegt.

An Karfreitag zieht die traditionelle Kreuzweg-Prozession von Ediger aus mit mehreren hundert Pilgern hoch zur Kreuzkapelle. Der Kreuzweg ist auch eingebunden in den Kulturweg der Religionen, ausgehend von der Tourist-Information in Ediger.

Die „Römergräber“ von Nehren

„Luxus für das Jenseits“.
Unter diesem Thema besuchte der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell, am 27. Mai 2017 die „Römergräber“ in Nehren.

Die Grabkammern in Nehren gelten als einzigartiges Beispiel römischer Grabbauten die im 4. Jahrhundert n. Chr. entstanden sind. Der künstlerische Wert liegt vor allem an den noch in situ erhaltenen Wandmalereien in der westlichen Grabkammer. Ihre sehr wechselvolle Entdeckungs-und Freilegungsgeschichte führte in den 70er Jahren zu einer umfassenden archäologischen Bearbeitung. Mehrfach wurden Anstrengungen unternommen die Wandmalereien auf Dauer zu konservieren. Leider mussten viele Jahre vergehen bis über ein Forschungsprojekt die wissenschaftliche Bearbeitung mit einer präventiven Konservierung in Angriff genommen werden konnte. Extreme Verwitterungsmechanismen durch eindringende Feuchtigkeit verbunden mit starken Salzeinlagerungen sowie biogene Ablagerungen gefährdeten den Bestand nachhaltig. Ziel des Projektes war die genaueste Erforschung der klimatischen Einflussgrößen und die Einrichtung eines konstanten Klimas zur präventiven und nachhaltigen Konservierung. Darüber hinaus sollten weitere Schadensursachen aufgedeckt und bekämpft werden. Die angestrebten Konservierungsmaßnahmen sollten mit dem angestrebten Klimakonzept konform gehen.

Restauratorische Untersuchungen erstreckten sich auf alle Bereiche der Grabkammern, neben der Erkundung der römischen Gebäude lag der Focus im Besonderen auf der römischen Wandmalerei. Diese, als karbonatisch gebundene Malerei ausgeführt, liegt auf einem einlagigen Wandverputz auf. Den eigentlichen Malgrund stellt eine dünn aufgetragene weiße Kalkschlämme, auf der mit geübter Hand die Malereien ausgeführt sind. Das Colorit auf weißem Grund in Rot, Ockergelb, Grün (grüne Erde) und Pflanzenschwarz. Dargestellt sind auf den umlaufenden Wandflächen Gitterwerk mit Blumengebinden, das Tonnengewölbe mit illusionistischer Kuppelmalerei mit Blumengebinden und Ornamenten.


Ediger 3

Foto: Klaus Wendt

Die konservatorischen Aufgaben waren sehr vielfältig, so musste zunächst auf der Westseite der ausgemalten Grabkammer eine Drainage zur Wasserableitung eingebaut werden, dieses, verbunden mit Salzen und Mikrobiologie waren die Haupt- schadensursachen in der Grabkammer. Gerade der permanente unkontrollierte Wassereintrag führte zu einer sehr starken Oberflächenversinterung. Die Malereien waren fast gänzlich von dem weißlich-gräulichen Belag überzogen und somit nicht mehr wahrnehmbar. Ein sehr aufwändiges technisches Verfahren aus Ultraschall und Nachreinigung mit Ionentauscher zeigen die Malereien wieder in ihrer ursprünglichen Konzeption. Selbstverständlich sind sowohl die Wandverputze als auch die Malschicht einer konservatorischen Behandlung unterzogen worden. Die großflächigen Anlagerungen von Algen und Pilzen wurden chemisch abgenommen, eine über Feuchtkompressen durchgeführte Salzreduzierung an den Oberflächen führte zum nachhaltigen Erfolg.
Da der Klimakonstanz ganz entscheidend für den Erhalt der Bausubstanz und im Besonderen der Wandmalereien ist, wurde ein rechnergesteuertes Lüftungssystem eingebaut.
Die östlich gelegene Grabkammer hat in Verlauf der Jahrhunderte ihre innere Ausstattung verloren. Das Tonnengewölbe, welches ursprünglich auch ausgemalt war, ist nicht mehr erhalten. Erhaltene Putzfragmente belegen auch hier eine vergleichbare Ausmalung wie wir sie von der westlichen Grabkammer her kennen. Von der bauzeitlichen Ausstattung sind nur noch der Stein-Sargboden und in wesentlichen Teilen der ursprüngliche Ziegelestrich-Fußboden erhalten geblieben. Dieser wurde im Rahmen einer an der FH Köln vorgelegten Diplomarbeit wissenschaftlich bearbeitet und konserviert. Um eintretendes Wasser durch Schlagregen zu vermeiden wurden teilweise zwischen den Porticus-Säulen Schutzverglasungen angebracht.


Ediger 4

Foto: Dr. Dirk Schmitz, Archäologe am Römisch-Germanischen Museum Köln und Reinhold Elenz, ehemaliger Chefrestaurator der Denkmalpflege in Main in der Grabkammer.

Da der Klimakonstanz ganz entscheidend für den Erhalt der Bausubstanz und im Besonderen der Wandmalereien ist, wurde ein rechnergesteuertes Lüftungssystem eingebaut

Bevor die Besucher dieser interessanten Exkursion die römische Grabstatte besuchten referierte Dr. Dirk Schmitz zunächst im Hotel Pollmanns in Ernst über die Bestattungskultur in römischer Zeit, insbesondere aber über die unterirdische Grabkammer im Kölner Vorort Weiden die bisher nur Fachleuten bekannt und zugänglich war. Die Grabkammer war über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten und erst 1843 bei einer Baumaßnahme wieder entdeckt worden. Sie ist jetzt als touristischer Anziehungspunkt wieder erschlossen und so der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die Kammer mit prachtvollen Sarkophagen und Büsten datiert aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Sie gilt als die am besten erhaltene Grabkammer nördlich der Alpen.

Bis zum Frühjahr 2018 wurden die Voraussetzungen für die künftige Nutzung geschaffen, Ein Förderverein wird regelmäßig Führungen anbieten.

Eine gute Zeit wünscht der Vorstand des Regionalverbands Cochem-Zell des RVDL


Dezember 2020

Liebe Mitglieder des Rheinischen Vereins, unsere für 2020 geplanten zahlreichen Veranstaltungen mussten leider ausfallen, einzige Ausnahme: Unser Besuch Anfang Oktober im Müden. Derzeit ist für die Zukunft, also für 2021, noch keinerlei Planung möglich. Wir haben Ihnen in den letzten Monaten zur Überbrückung einige sehenswerte und erlebenswerte Themen per Mail oder Postl zukommen lassen, das waren Bullay und Umgebung 1945, Alf, Kloster Stuben und die Marienburg. Ein Highlight erlebbarer Geschichte ist Ediger- Eller. Norbert Krötz und Wolfgang Wolpert haben mir in dankenswerter Weise so viel Material zukommen lassen, dass ich damit zwei Rundbriefe der gewohnten Art füllen kann. Heute der erste Teil:

Die Kreuzkapelle oberhalb Ediger-Eller

Während der Regierung Papst Innozenz` VIII., Kaiser Friedrichs III. sowie Erzbischof und Kurfürsten Johanns II. wurde der Wunsch des Pfarrers Johann Grasz und der Gläubigen nach einer Vergegenwärtigung des Kreuzweges und des Kalvarienberges erfüllt. Am 20. März 1488 schrieb der päpstliche Legat Heinrich Institoris O.P. in Cochem die hierzu erforderliche Urkunde. Die Nachbildung der Via Dolorosa von Jerusalem sollte 1064 Doppelschritte und die des Hl. Kreuzes 15 Fuß betragen. Beim 40. Doppelschritt war der Ohnmacht Mariae zu gedenken. Der Edigerer Kreuzweg gehört zu den ältesten in Deutschland. Sehr bald fügte man eine zweigliedrige Kapelle an, die eine spätgotische Kreuzigungsgruppe erhielt. Die Ausstattung mit Fresken ist noch wahrnehmbar. Ein um 1600 gewährter Tragaltar wurde 1703 eingemauert. Zu Weihnachten 1627 ließ Pfarrer und Dechant Franciscus Friderici eine Christus, dem Friedensfürsten, geweihte Glocke dem Dachreiter einfügen. Um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert nahm der Wallfahrerstrom offensichtlich in sehr starkem Maße zu. Es hatten sich im Jahre 1704 „uff die tausent Communicantes“ an der Kapelle eingefunden. Somit erfolgte unter Leitung des Pfarrers Johann Stephani bis zum Jahre 1707 der heute erlebbare Erweiterungsbau. 1762 entstand nach süddeutschem Vorbild ein Kreuzweg von ansprechenden Reliefbildern. In der 15. Station zeigt uns Kaiserin Helena, Mutter Konstantins des Großen, das von ihr gefundene Hl. Kreuz. Weisen wir noch auf viele reiche Schenkungen hin. Die Päpste Clemens XI. (1703), Clemens XIV. (1771) und Pius VI. (1791) gewährten Nachlässe von auf Sünden stattfindenden Folgen. Neben dem aus der einstigen Lehmener St. Nikolaus-Kapelle stammenden Rokokohochaltar zieren das Heiligtum ein Renaissancewerk der Hoffmann-Schule Trier, welches die Abnahme Jesu vom Kreuz und seine Grablegung zeigt, und eine Kopie der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Pieta.

Wohl um die Mitte des 19. Jahrhunderts fand ein einmaliges von Hans Rupprecht Hoffmann geschaffenes Steinrelief seinen Weg in die Kapelle: Christus in der Kelter. Aus Sicherheitsgründen ersetzte man es später durch eine Nachbildung. Das Original befindet sich in rechtwinkliger Begleitung einer Abbildung des hl, Hilarius in der nordöstlichen Kapelle der Pfarrkirche. Aufgrund des Renovationsbefundes wurde die natürliche Farbgebung des Steins wieder angebracht. Acht (ursprünglich neun) lateinische Inschriften äußern sich über vier Inhalte des Alten und Neuen Testamentes: Der aktive keltertretende Herr zerstampft die Feinde Israels wie Trauben. Der passive Gottesknecht gilt als prophetisch geschauter leidender Messias. Christus steht wie eine Traube gepreßt unter dem als Kreuz erscheinenden Kelterbalken. Schließlich tritt er als apokalyptischer Richter wie sein Vater die Kelter.


Kreuzkapelle

Der Altarraum der Kreuzkapelle


Relief

Eine Kopie des Reliefs "Christus in der Kelter" in der Kreuzkapelle. Das Original befindet sich geschützt in der Pfarrkirche.

Das Edigerer Relief zeigt den dritten Gedanken: Christus selbst ist das Sühnopfer. Alles in allem sehen wir eine Darstellung der Hl. Messe: Leib und Blut des Bildes verweisen auf die unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers unter den Gestalten von Brot und Wein. Nach geduldigem Suchen kam der Verfasser zur ursprünglichen Funktion des Werkes. Es muss als Armarium der Staurothek in der Kreuzkapelle von Stuben gedient haben. Nach der Zerstörung des Klosters gelangte das zum Teil demolierte Relief in die über Ediger sich erhebende Kapelle gleichen Namens. Dort wurde es als Kanzelbalustrade eingebaut. Jeden Karfreitag findet eine offizielle Prozession statt. Ave, crux spes unica.

Wolfgang Wolpert

Die Maria-Einsiedeln-Kapelle

Zwei lateinische Inschriften geben uns Auskunft. Auf der Predella des Hochaltars steht Folgendes: „Zur größeren Ehre des allmächtigen Gottes und zur Huldigung der hochheiligen Gottesmutter, der Jungfrau Maria von Einsiedeln, der Trösterin der Betrübten, seiner Schirmherrin, ließ ihr frommer Schutzbefohlener Hans Meinrad Feiden aus Ediger das hier stehende Denkmal im Jahre 1665 errichten“. An der inneren Südseite lesen wir: „Im Jahre 1666 ließ dieses Bethaus, der glorreichsten Jungfrau und Gottesmutter Maria von Einsiedeln geweiht, zu seinen Kosten auf eigenem Grundstück erbauen Hans Meinrad Feiden aus Ediger.


Meinradskapelle

Die Meinradskapelle an der Moselfront

Am Türsturz der Eingangshalle ist 1667 vermerkt. Das Monogramm HMF mit Kreuz findet sich viermal. Er war ein Bruder Martins, des Benediktinerabtes von St. Matthias in Trier (1659-1675). Die Ausstattung im Innern besteht aus dem Hochaltar mit der Hl. Dreifaltigkeit über der noch weißen Madonna mit Kind in Prunkkleidung. Hinzu gehören die hll. Meinrad, Josef und Antonius der Einsiedler. In einem Glasfenster sehen wir die Strahlenkranzmuttergottes von 1710. Zur Zierde dienen die hll. Margaretha und Ottilia aus dem 16. Jahrhundert.
In der Vorhalle befinden sich zwei in ursprüngliche Fenster eingebaute mit deutschen Inschriften versehene Altarreliefs: Pietà (1672) und Kreuzigungsgruppe (1673). Über dem alten Eingang steht St. Michael mit lateinischem Text: „Mein Haus ist ein Bethaus usw…“ In der Mitte ist ein Herz mit fünf Punkten angebracht. Hier handelt es sich um den Abdruck der fünf Fingerspitzen einer Hand Jesu, die er nach der Weihe in Einsiedeln hinterlassen hatte. Eine Pietà ziert die äußere Westseite des Vorraumes. In einer äußeren südlichen Nische zeigt sich eine neue Statue des hl. Meinrad. Im ursprünglich von einer doppelten Strahlenkranzmadonna gezierten Dachreiter läutet eine Glocke aus dem Jahre 1780 mit der Inschrift: „S. Maria, ora pro nobis.“ Aufgrund des Platzes der Kapelle sei noch eine Notiz vom 19./20. Dezember 1740 hinzugefügt. Es kam zu einem solchen Hochwasser, daß „den Bildern auf dem Altar die Füße gewaschen“ wurden. Tag und Nacht äußern sich Gebete als leuchtende Kerzen.
Wolfgang Wolpert

„Das Haus der Psalmen“, ehemalige Synagoge in Ediger.
Geschichte:
Im Jahr 1624 erließ der Trierer Kurfürst und Erzbischof Philipp Christoph von Sötern eine wohl aus gegebenem Anlass in den Edigerer Akten eigetragene Judenordnung. Zu dieser Zeit handelten sie als Kaufleute auf dem Ediger-Ellerer Jahrmarkt, wie 1662 berichtet wird. 1663 erscheint der Edigerer Jude Abraham auf einer Steuerliste. In der Folge finden sich weitere Namen: Meyer, Schlaumes, Mardochäus, Veith, David, Israel, Moses, Raphael, Seligman, Salomon, Reiß, Ruben, Treydel, Lieberman, Kaufmann, Rosenberg, Kuppenheimer, Aron und Mayer.
Ursprünglich beherbergte das heutige Haus Rathausstraße Nr. 1 die Judenschule. Vor etwas mehr als hundert Jahren wurde die gegenwärtige Synagoge in neugotischem Stil unter Verwendung eines um 1500 entstandenen Nachbarhauses errichtet. Die ornamentale Flachdecke mit Stuckumrandung, das südöstliche Rundfenster sowie die Thora-Nische waren größtenteils erhalten. Eine erste Veränderung erfuhr das Sanktuarium, als man eine Frauenempore einbaute und straßenseitig einen neuen Zugang schuf. Zu dieser Zeit existierten noch ein blau-weiß verglastes Oberlicht und das zugehörige mit Adlerköpfen verzierte Fenstergitter. Sichtbare Farbgebungsreste ermöglichten die Wiederherstellung der originalen Malerei. Nach nationalsozialistischer Selbstschändung am 10. November 1938 ging das Gebäude in Privatbesitz über, der später durch den überlebenden Julius Mayer seine Legalisierung erfuhr.
Die gravierendsten Veränderungen geschahen, als die Synagoge in den 1950er Jahren nach Teilung als Scheune bzw. in der moselseitigen Hälfte als Wohnung diente.

Schätze.
Veranlasst durch den Fund eines aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebetbuches, den die Tochter der Eigentümerin gemacht hatte, entdeckte und barg man 1979 auf dem Speicher höchst wertvolle zum Teil illustrierte hebräische und jiddische bis ins 17. Jahrhundert zurückreichende Bücher, ebenso Kalender mit Marktverzeichnissen des 18. und 19. Jahrhunderts. Eine Besonderheit stellt unter den Thorawimpeln der des Jisrael bar David von


Synagoge

Das Innere der Synagoge

„Etcher“ aus dem 18. Jahrhundert dar. Diese Kostbarkeiten wurden von der Arbeitsstelle für Jiddistik der Universität Trier gehütet und waren dort bereits auf einer Ausstellung zu sehen.. 1998/99 gelangen bei einer neuerlichen systematischen Durchsuchung u.a. Reste von Büchern der Jahre 1713, 1747 und 1789 sowie die heiligen Texte aus Exodus und Deuteronomium, an Stirn und Hand zu tragen und Türsegen (Medusa) ans Licht. Darüber fanden sich Thorawimpelreste, Gebetsriemen, ein Beutel, zahlreiche Weidenringe für den Feststrauß am Laubhüttenfest und kleine Gebetsmäntel.
Erneuerung
1990 bildete sich ein Kuratorium, dessen Anliegen der Erwerbung und die Wiederherstellung der Synagoge war. Dem folgte am 5.9.1999 die Gründung des „Bürgervereins Synagoge Ediger e.V.“, der sich dem genannten Ziel verpflichtet wusste und weiß. Er wählte den Namen „Haus der Psalmen“. Warum geschah das? Am 10.11.1938 war Barbara Mertens geb. Franzen, Kindern in und an der Synagoge gegenüber zu folgender Äußerung gekommen: „Kinder geht schön hier heraus! Das Haus hier ist ein Gotteshaus. Der Gott der Juden ist auch unser Gott; und er ist der Vater unseres Jesus Christus. Und die Psalmen, die da die Straße runter liegen – tretet nicht drauf – das sind dieselben, die wir in der Vesper singen“. Vier Wochen später erfuhren die Fenster ihres eigenen Hauses Zerstörung. Am 18.12.2002 und am 25.6.2003 wurde das Heiligtum durch den Bürgerverein von beiden innerlich positiv eingestellten Eigentümern erworben. Mitgliedsbeiträge und großherzige Spenden hatten hierzu dient. Somit blieb die Renovation des der Heiligen Schrift geweihten Gebäudes übrig. Durch Freunde und Vereinsangehörige gab es umfangreiche Aktivitäten. Die Europäische Union schenkte 20.000 €, Rheinland-Pfalz 41.000 €. Erwähnung verdient die Gemeinde Ediger Eller. Auf Antrag und nach Entwurf des Kuratoriums, 1996 je eine würdige Gedenktafel für die Opfer der Schoah auf den beiden Friedhöfen erstellen zu lassen.
Nach sieben Jahren, am 31.10 2010, erhielt das „Haus der Psalmen“ seine Bestimmung. 150 Personen feierten mit. Zu ihnen gehörte die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Koblenz, Dr. Heinz Kahn mit seiner Frau Inge geb. Hein, die aus Ediger und Eller stammende Edith Leeser geb. Aron wohnend im Statte New York und als Kantor Dr. Jürgen Ries mit seiner Frau Lea.


2 Bilder

Bild links: Blick auf das in Richtung Jerusalem weisende Haus der Psalmen, Bild rechts: Buch der lftmals gebeteten "Vergebungen", gedruckt 1747 in Frankfurt

Wir danken Ihnen für Ihre Treue zum Verein, wünschen eine besinnliche Adventszeit, frohe und erholsame Weihnachtstage und heute schon alles Liebe und Gute für das Neue Jahr

Der Vorstand des Regionalverbandes Cochem-Zell des Rheinischen Vereins


Reinhold Schommers verstarb vor 20 Jahren


R. Schommers

Reinhold Schommers, Jahrgang 1936, Oberstudiendirektor i.R. am Gymnasium Cochem, verstarb nach langer Krankheit und wenige Monate nach seiner Pensionierung am 19. Oktober 2000.

Reinhold Schommers, Träger des Verdienstordens des Landes Rheinland-Pfalz, seit vielen Jahren engagierter und couragierter Vorsitzender des Regionalverbandes Cochem Zell des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz hat wie kein anderer diesen Verein auf regionaler Ebene geprägt. Zahllose Beiträge über die Geschichte unserer Region und deren Zeugnisse wurden in den regionalen Medien veröffentlicht. Die Bauforschung war sein geliebtes Steckenpferd. Zahlreiche Kunststättenhefte des Rheinischen Vereins verdanken wir ihm wie z.B. St. Aldegund, Bruttig-Fankel, Stadt Cochem, Ellenz-Poltersdorf, die Schwanenkirche bei Roes, Valwig und Beilstein. Mehrere Dorfchroniken aus unserer Region verdanken wir Reinhold Schommers. Und an seiner Schule war er ein hochgeachteter, beliebter Lehrer an den noch heute viele mit Hochachtung zurückdenken.

Mit Leidenschaft und Engagement hat er sich der Erforschung seiner Heimat, auch über den Kreis Cochem-Zell hinaus, gewidmet. Seiner Hartnäckigkeit sind viele Erfolge und Errungenschaften nicht nur in der Denkmalpflege und Kommunalpolitik zu verdanken. Der Erhalt denkmalswerter Gebäude lag ihm genauso am Herzen wie die Landschaftspflege. Er gehörte zu denen, die in eindringlicher und überzeugender Art immer wieder darauf hinwiesen, welche historische und künstlerische Reichtümer die Mosellandschaft birgt und wie wichtig es ist, die natürliche Schönheit der Region und ihren Jahrtausende alten Charakter als Weinbaulandschaft zu erhalten. . Er setzte sich für die Neueinrichtung und Weiterentwicklung von Museen in Karden, Mittelstrimmig und Senheim ein und war an der Entwicklung des Kapuzinerklosters und der Erschließung des Calmont als Zugpferd für den Tourismus führend beteiligt.


Rundbrief Oktober 2020

Liebe Mitglieder des Rheinischen Vereins,
die derzeitige Situation lässt es nicht zu, Sie zu unseren beliebten und interessanten „Exkursionen“ einzuladen. Veranstaltungen in geschlossenen Räumen werden in absehbarer Zeit nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen mit begrenzter Teilnehmerzahl möglich sein. Wir haben Sie allerdings mit unseren Rundbriefen „mit auf die Reise genommen“. Im Mai berichteten wir über die Situation 1945 rund um die Bullayer Doppelstock-Brücke. Im Juni stellten wir Ihnen den Moselort Alf vor und im Juli 2020 berichteten wir über die Geschichte des Klosters Stuben. Heute stellen wir Ihnen ein anderes „Kloster“ vor, die Marienburg oberhalb Alf-Bullay und Pünderich.
Wikipedia berichtet umfangreich über die Geschichte der Marienburg, hier einige Auszüge: Das „Kloster Marienburg“ wurde an der Stelle einer Kurtrierer Burg errichtet. Für die Existenz der Burg sprechen die alte Bezeichnung „Castrum Mariae“ und die vorhandenen alten Befestigungsanlagen. Am 22. April 1143 bestätigte Papst Innozenz II der Abtei Springiersbach den Besitz der Pfarrkirche auf dem „St. Petersberg“ (dem heutigen Platz der Marienburg) mit den fünf dazu gehörigen Filialkirchen. 1146 beginnt Abt Richard I mit der Gründung eine Frauenklosters nach den Regeln des hl. Augustinus. Die inzwischen baufällig gewordene Peterskirche lässt er abreißen. Am 18. Oktober 1157 nimmt Erzbischof Hillin von Falmagne die feierliche Einweihung der neuen Klosterkirche von Marienburg auf den Namen „der reinen und makellosen Jungfrau Maria“


Mosel 1

Diese Kopie einer Broschüre, gedruckt von Kömmet in Cochem, ist auf das Jahr 1898 datiert und zeigt das noch heute bestehende Osttor. dahinter sichtbar die Ruine der Apsis der ehemaligen Kirche.

Jetzt ein großer Sprung in die neuere Zeit:
1803 wird die Marienburg mit ihrem ganzen Besitz als französisches Nationaleigentum erklärt und versteigert. Wundarzt Jodokus Crossius aus Zell ersteigert die Marienburg samt dabei liegendem Garten für 1075 Francs, verkauft sie aber weiter an Stephan Kallfelz aus Merl. 1838 erwerben der Zeller Landrat Moritz, Kaufmann Clemens von Alf und Hüttenbesitzer Ferdinand Remy die Ruine Marienburg nebst Klostergarten und Anwesen.


Mosel 2

Dieses Foto von 1907 zeigt den „Petersberg“ mit der Ruine Marienburg. In den 1850er Jahren wurde nach einer Entscheidung der preußischen Regierung die Mosel für die neu aufgekommenen und größeren Dampfschiffe schiffbar gemacht indem die „Fahrrinne“ eingeengt und damit der erforderliche Wasserhöhe für den größeren Tiefgang die Dampfschiffe erreicht. Man sieht deutlich die künstlichen Buhnen, „Krippen“ genannt, die die Fahrrinne einengen.

1950 geht das gesamte Anwesen mit der Kirchenruine an das Bistum Trier, um die Marienburg wieder einem sakralen Zweck zuzuführen. 1957 erfolgt die Einweihung der neuen Kirche in die die Ruine der Apsis der früheren Kirche integriert wurde. Fortan dient die Marienburg, erweitert um Gebäude mit Tagungs- und Schlafräumen, Räumen für die Bewirtschaftung, als Jugendbildungszentrum


Mosel 3

Sonntagsspaziergang zur Marienburg machte. Die gesamte Anlage war damals noch in dem Zustand wie auf dem 1930er Foto gezeigt. Etwa 1953 nahm ich an einem Wochendendtreffen der Ministranten der Region rund um die Marienburg teil. Es gab noch kein fließendes Wasser auf der Marienburg und wir stiegen für die „Morgentoilette“ rund 200 Stufen einer heute noch existierenden Treppe hinunter an die Mosel um sich „am fließenden Wasser“ der Mosel zu waschen.


Marienburg

So sieht die Kirche auf der Marienburg heute aus. Die gotischen Fenster sind Teil der Ruine der Vorgängerkirche.

Und zum guten Schluss: Sage und schreibe 38 Teilnehmer kamen zu unserer Exkursion am 2. Oktober nach Müden:


Rundbrief Juli 2020

Liebe Mitglieder des Rheinischen Vereins,
nachdem wir in den letzten Wochen Bullay mit der Doppelstock-Brücke und Alf „in Bildern“ besuchten geht es heute rund um die heutige Ruine des ehemaligen „adligen Frauenklosters Stuben“.
Wie viele Quellen berichten, wurde dort von den „adeligen Fräuleins“ nicht nur gebetet, gefastet und gearbeitet. Man lebte als adelige Klosterfrau „standesgemäß“, in eigenen Häusern und mit Dienst-Personal. Das galt zumindest für die „Fräuleins“, die mit guter Mitgift ins Kloster eintraten. Die „Fräuleins“ aus dem ärmeren Adel lebten deutlich bescheidener.
Wie dieses Leben ausgesehen haben soll hat Josefine Wittenbecher in ihrem Buch „Die Frauen von Stuben“ beschrieben – mit viel Realität aber sicher auch mit etwas Phantasie. Das Buch, 2006 im Porta Alba-Verlag mit der ISBN 3-933 701-24-4 erschienen, ist lesenswert und im Buchhandel erhältlich. Auf dem Einband liest man:“ Josefine Wittenbecher erzählt die authentische Geschichte der Maria Theresia von Sohlern, die von ihrer Familie ins Kloster Stuben abgeschoben wird. Die junge Frau ist unglücklich in dieser Zwangsgemeinschaft, die von Neid und Missgunst geprägt ist. Der erzwungene Weg wird ihr unerträglich. Verzweifelt versucht sie, ihre Freiheit zu gewinnen. In einem faszinierenden Zeitporträt beleuchtet die Autorin den Verfall der Sitten in den Klöstern Stuben und Springiersbach im ausgehenden 18. Jahrhundert.“ In der „guten alten Zeit“ war halt eben nicht alles gut.


Buch

Kurt Bergen aus Neef veröffentlichte 2002 eine umfangreiche Dokumentation „Dem Calmont gegenüber“. Diese ist sicher noch bei Kurt Bergen erhältlich.
Ich zitierte aus dieser Dokumentation:
„Nun beginnt die Geschichte von Kloster Stuben, auch „Insula St. Nicolai“ genannt, die von der Mosel umflossene Landzunge, welche in älteren Schriften eine Insel genannt wird. Ein frommer Mann, genannt Egelolf, hatte den Wunsch, hier ein Kloster zu errichten, in welchem seine Tochter Gisela mit Jungfrauen und Witwen die Erfüllung finden sollten. Die Kapelle des heiligen Nikolaus, also Egelolfs Kapelle, konnte für Gottesdienste des zunächst kleinen Konvents, der in ihr das Chorgebet hielt, übernommen werden. Der Trierer Erzbischof Albero bestätigte 1137 die Umwandlung des Hofes in ein Kloster und setzte die Zahl der aufzunehmenden Schwestern auf höchstens 100 fest. Der Hof Egelolfs mit seinen Weinbergen reichte zum Lebensunterhalt für 100 Nonnen in keiner Weise. Albero schenkte dem neugegründeten Kloster 1140 die ihm überlassenen Einkünfte von Pfalzqraf Wilhelm, Einkünfte der Filialkirche in Neef und den Zehnten von Feldern in Düngenheim.

Jetzt ein Sprung in der Geschichte: Heinrich von Ulmen ereutete als Beteiligter des 4. Kreuzzugs in Byzanz ein unschätzbar wertvolles Kreureliquier, die heute im Limburger Domschatz befindliche „Staurothek“. 1208 schenkte Heinrich von Ulmen diese Staurothek den Augustinerinnen im Kloster Stuben. Nach der Auflösung von „Stuben“ im 18. Jahrhundert kam die Staurothek nach Limburg. Teile der Kapelle, in der einst dieses wertvolle Reliquiar aufbewahrt und gezeigt wurde, sind heute noch bergseits der Kirchenruine unter einem Schutzdach zu sehen. Das Reliquiar brachte unzählige Pilger und entsprechende Einnahmen nach Stuben.


Kloster

Nach Auflösung des Klosters Ende des 18. Jahrhunderts verfielen die Klostergebäude und die Ende des 17. Jahrhunderts an Stelle einer romanischen Kirche erbaute Kirche in gotisierenden Formen. Verblieben ist die Ruine dieser Kirche mit den dahinter befindlichen Resten der ehemaligen Reliquien-Kapelle. Was zur Auflösung des Klosters führte kann man wie folgt nachlesen: „In den folgenden Jahrhunderten hatte Stuben wiederholt mit Verstößen der adeligen Nonnen gegen das Gelübde der persönlichen Armut zu kämpfen. Nach zahlreichen aber vergeblichen Reformversuchen wurde der Konvent 1788 angesichts der wirtschaftlichen und auch disziplinären Verhältnisse nicht nur einfach in ein freies Damenstift umgewandelt, sondern auch als Versorgungsanstalt für die Töchter sechs kurtrierischer Beamter bestimmt. Die Aufhebung ließ aber nicht lange auf sich warten und erfolgte schon 1794.

Die Mosel hat dank ihrer landschaftlichen Schönheit viele Maler angezogen, so auch C. Hauptmann der um 1908 zahllose Objekte entlang der Mosel zeichnete, so auch die Ruine Stuben in der umliegenden Flusslandschaft. C. Hauptmann schreibt hierzu: „Aber wir freuen uns der herrlichen Ausschau, die sich uns hier von unserer Straße zeigt. Gerade vor uns und rechter Hand steigen die steilen Schieferhänge des Calmont zu schwindelnder Höhe hinauf. in ihrem der Mittagssonne zugekehrten Halbrund klettert die Rebe bis zur äußersten Grenze ihres Gedeihens empor, wo struppiges Gebüsch an ihre Stelle tritt. Ein breiter, leuchtend grüner Wiesenplan zieht sich auf der Gegenseite des Flusses bis zum Maiengrün des Waldes, blühende Obstbäume zeichnen die Schatten ihrer rosigen Kronen drauf.
Inmitten dieser Maienpracht hebt sich trauernd die langgestreckte, altersgraue Ruine einer Kirche. Gotische Fenster reihen sich in der Länge des ganzen Gebäudes, welches nach oben in gerade, glatter dachloser Linie endet……. Als das Kloster im Jahre 1136 gegründet wurde, wählte man dazu die damals in der Mosel liegende St. Nikolaus-Insel. Im Laufe der Zeiten haben Hochwasser und Eisstauungen den Fluss mehr auf den Calmont hin verschieben und den jenseitigen Flussarm mit Geröll aufgefüllt, so dass die Ruine jetzt auf dem rechten Moselufer liegt. Ihr gotischer Stil zeigt, dass sie nicht der ursprünglichen Gründung angehört sondern später entstanden ist…..“!


Zeichnung

Die folgende Postkarte, das Foto dürfte zwischen den Weltkriegen entstanden sein, zeigt noch die ehemalige Nutzung als Wiese und sicher auch als Streuobst-Gebiet. Später, wohl erst nach dem zweiten Weltkrieg, wurde das gesamt Gelände mit Rebstöcken bepflanzt. Die Ruine lag inmitten der Weinberge und das Eigentum der Winzer ging mitten durch die Ruine. Ernst später im Rahmen einer Flurbereinigung gingen die Ruine und die umgebenden Flächen in den Besitz der Gemeinde Bremm über. Im Rahmen des „Calmont-Projekts“ wurden ab 2000 die Ruine und insbesondere die Mauerkronen gesichert, im Innern der Ruine der ursprüngliche Boden der Kirchenfläche freigelegt, ebenso die Grundmauern der bergwärts liegenden ehemaligen Reliquien-Kapelle. Nach Abschluss dieser Arbeiten findet eine vielfältige Nutzung statt. Man trifft sich dort zu Vereins- und Familienfeiern und zu Musikveranstaltungen


Bremm

Für Spaziergänger und Wanderer wird eine wunderbare Wanderstrecke empfohlen: Man parkt in Neef auf dem Parkplatz zwischen Dorf und Mosel und wandert Moselabwärts unterhalb der Steillage des “Neefer Frauenbergs“ bis zur Ruine Stuben.
Kurz vor der Ruine zeigen Wegweiser den Weg hinauf zum Neefer Petersberg. Auf diesem Weg befanden sich früher die Bildstöcke der „sieben Fußfälle“. Es war auch der Weg der Bewohnerinnen von Stuben hinauf zum Petersberg mit seiner von einem wertvollen Altarbild geschmückten Kapelle. Der Weg führt über den Neefer Friedhof, als „am schönsten gelegener Friedhof Deutschlands“ bezeichnet. Wunderbare Ausblicke ins Moseltal Richtung Ediger-Eller, den Steilhang des Calmonts und den Doppel-Eingang des „Kaiser-Wilhelms-Tunnels“. Wenige Schritte abwärts geht der Blick ins Tal über Neef, rechts liegt der Weinort Bremm und Mosel aufwärts sieht man St.Aldegund, Bullay und Alf. Das Moseltal wird abgeschlossen vom Prinzenkopf und der Marienburg. Durch die Weinberge geht’s dann abwärts nach Neef und zum Parkplatz. Man schafft diesen einmalig schönen Weg in rund zwei Stunden voller schöner Erlebnisse.


Rundbrief Juni 2020

Liebe Mitglieder des Rheinischen Vereins,
einige Monate lang mailte ich Ihnen Landschaftsfotos die unsere Aachener Kollegen an ihre Mitglieder gesandt hatten. Mir wird heute aus Aachen mitgeteilt, die Serie sei eingestellt da es einmal an Nachschub an Fotos fehlte – aber auch an Interesse der Mitglieder.
Das soll mich nicht davon abhalten, aus „eigenem Bestand“ Sie – diesmal mit alten Fotos – zu unterhalten und vielleicht auch zu erfreuen – so lange wir uns nicht zu unseren beliebten Exkursionen treffen können.. Zwar habe ich eine recht große Sammlung alter Fotos – aber die gehen auch irgendwann zu Ende. Deshalb bitte ich Sie, mir interessante alte Fotos zur Veröffentlichung zuzusenden – am besten als Datei an info@schommers-wein.de. Und bitte zu den Fotos eine entsprechende Beschreibung.

Heute stelle ich Ihnen Alf in alten Fotos vor. Das nachfolgende Foto dürfte vor dem zweiten Weltkrieg entstanden sein, auf jeden Fall vor der Mosel-Kanalisierung. Man sieht deutlich, dass die Mündung des Alfbachs in die Mosel noch über den „Schwanz“ erfolgte, eine in die Mosel hinein ragende Landzunge, Das ist alles Ende der 1950er Jahre verschwunden.
Trotz vieler Erleichterungen lässt Corona unsere beliebten Exkursionen noch nicht zu. Für das zweite Halbjahr stehen zwei Vortragsveranstaltungen auf dem Programm die wir hoffentlich durchführen können. Einzelheiten hierzu folgen sobald Planungs-Sicherheit besteht. Für heute herzliche Grüße – und bleiben Sie gesund
Gerhard Schommers


Alf

Das zweite Foto zeigt Alf aus einer ungewohnten Perspektive, nämlich vom „Hillerweg“ der hinauf Richtung Waldfrieden, zum Prinzenkopf und zur Krieger-Gedächtnisstätte führt. Es ist ein noch nicht befestigter Schotterweg.


Mosel Alf

Schon vor dem zweiten Weltkrieg und ab Anfang der 50er Jahre war Alf ein Fremdenverkehrszentrum. Es gab zu dieser Zeit an die fünfzehn Hotels und Gaststätten in Alf. „Erstes Haus am Platze“ war das „Hotel zum Anker“ an der Moselfront Richtung Bullayer Brücke, der sogenannten „Hinterlay“. Geführt wurde es von zwei damals schon älteren Damen. Den Nachfolgern gelang es nicht, das Hotel rentabel weiter zu führen. Vielleicht fehlte es auch am Geld für notwendige Modernisierungen. Das Hotel wurde schon vor vielen Jahren abgerissen und das Gelände wartet auf eine neue Nutzung.


Hotel

Markant war und ist das Eckhaus an der B49 und dem kleinen Platz an der Alfbach-Brücke. Auf diesem Platz feierte Alf seine Weinfeste mit einem Weinbrunnen aus einer Fasspyramide. Es wird berichtet, dass an drei Weinfesttagen drei Fuder Wein (für Nicht-Moselaner = 3.000 Liter) ausgeschenkt wurden. Von solchen Zahlen träumen heute die Veranstalter von Weinfesten nur noch. Im Erdgeschoss des an Jugendstil erinnernden Hauses hatte der noch junge Dr. Schausten senior seine Praxis bevor er in das Haus am Hillerweg umzog. Später hatte dort ein Zahnarzt seine Praxis bevor „Wejeners Gretche“ dort ein gut gehendes Restaurant eröffnete. Leider ist das schöne und stark erweiterte und modernisierte Haus derzeit ungenutzt. Nachbar moselseitig war die Gaststätte mit kleinem Saal vom „Koster Battist“. Ich erinnere mich an einen Tanzabend dort um 1960 aus Anlass Alfer Remigius-Kirmes.


Eckhaus Alf

Im weiten Umkreis werden die Alfer „die Allewer Baachspoutzer“ genannt. Seit Generationen treffen sich vor allem die Alfer Männer an der Brücke über den Alfbach um Neuigkeiten auszutauschen. Dabei spuckte mancher schon mal über das Geländer in den Alfbach. Daher der Name „Baachspoutzer“. Symbolisiert wird der Name heute durch eine Bronzefigur die in regelmäßigen Abständen übers Geländer in den Bach spuckt.
Im Hintergrund des Fotos sieht man das frühere Hotel zur Post. Geleitet wurde es von den Geschwistern Leunig. Aber auch hier fehlte es daran, mit der Entwicklung und den Ansprüchen der Gäste Schritt zu halten. Seit vielen Jahren steht das Haupthaus leer, im rechten Nebengebäude befindet sich heute eine Pizzera mit einer schönen Moselterrasse.
Viele erinnern sich noch an den Schokoladen-Fabrikanten Hans Imhoff. Imhoff war über viele Jahre einer der größten Arbeitgeber der Region – bis er die Marke und die Fabrik von Stollwerck in Köln kaufte und die Fabrikation nach Köln verlegte, jedoch nicht in das traditionelle Stollwerck-Viertel sondern in einen modernen Neubau an der Peripherie von Köln. Imhoff war häufig Gast im „Hotel zur Post“ um auf der Terrasse seinen Nachmittagskaffee zu trinken. Zum Hotel zur Post, früher eine Poststation, gehörte die gegenüber liegende „Dependance“ als Bettenbau. Das Haus musste in den 50er Jahren der Alfer Umgehungsstraße weichen.


Mosel

Alf

Neues und Altes vom Rheinischen Verein

Liebe Mitglieder des Rheinischen Vereins,
in den letzte Wochen sandte ich Ihnen vielfach Landschaftsfotos die unsere Kollegen vom Regionalverband Aachen des Rheinischen Vereins an deren Mitglieder senden. Dazu gehörten auch einige Fotos aus unserer Region.

Es ist aber auch interessant, auf alte Fotos zurück zu greifen – wenn diese auch häufig Erinnerungen an schwere, traurige Zeiten wecken.
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus meiner Sammlung.
Gerne kann die Veröffentlichung solcher alten Fotos zu einer Serie werden. Da meine Sammlung sich weitgehend auf die nähere Region um St.Aldegund beschränkt veröffentliche ich gerne auch alte Bilder aus anderen Regionen unseres schönen Kreises Cochem-Zell. Bitte senden Sie solche Bilder an info@schommers-wein.de und geben Sie eine kurze Erläuterung zu dem gezeigten Motiv.

Unsere viel besuchten Exkursionen sind seit März leider ausgefallen. Es zeichnet sich ab, dass wir in überschaubarer Zeit wieder starten können – aber mit den vorgegebenen Einschränkungen

Hier nun die ersten Fotos einer hoffentlich interessanten Serie:

Der Bahnhof Bullay und die Bullayer Eisenbahnbrücke waren für die „Alliierten“ ein häufig bombardiertes Ziel um die Bahn-Infrastruktur zu zerstören.
Zahllose Bomben wurden auf den Bahn-Knotenpunkt Bullay mit Brücke abgeworfen. Zahllose Häuser wurden zerstört, viele Menschen mussten ihr Leben lassen. Aber getroffen und zerstört wurde die Bullayer Brücke erst durch die deutsche Wehrmacht auf dem Rückzug Richtung Osten über den Hunsrück. Wie fast jede Familie hatten auch wir „Einquartierung“. Einer der deutschen Soldaten fuhr eine Seitenwagen-Maschine und lud mich als knapp 5jährigen zu einer „Spritztour“ ein. Wir fuhren dabei auch über die Bullayer Brücke und ich erinnere mich deutlich an ein Loch in der Fahrbahn verursacht von einem Blindgänger.

Das folgende Foto zeigt die Brücke im Januar 1945 mit dem „Marienburger Sattel“. Die vielen schwarzen Flecke sind Bombentrichter. Wenn man heute über den „Marienburger Pfad“ von der Alfer Brückenseite hoch zur Marienburg wandert sieht man noch zwei der Bombentrichter im Wald:


Bullayer Brücke

Foto: Herbert Plonien

Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Koblenz-Trier 1878/1879 wurde unsere Region zwar an das deutschlandweite Streckennetz angeschlossen. Weil aber die neue Bahnlinie die kürzere Strecke durch die Wittlicher Senke nahm blieb die Strecke zwischen Bullay und Trier entlang der Mosel vom Bahnverkehr abgeschnitten. 1900 begannen die Planungen für die „Moseltalbahn“, 1903 wurden erste Teilstrecken eröffnet und 1905 die gesamte Strecke zwischen Trier und Bullay mit insgesamt 38 Haltestellen.

Gemütlich tuckerte die einspurig ausgebaute Bahn in fast vier Stunden von Bullay nach Trier oder zurück. Ob es stimmt, weiß man nicht: es wird aber berichtet, dass das Zugpersonal schon mal an einem Bahnhof sich einen „schnellen Schoppen“ genehmigte. Der Spottname „Saufbähnchen“ scheint also berechtigt gewesen zu sein.

Ab 1961 wurden erste Teilstrecken wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt und 1966 der Betrieb ganz eingestellt. Auf der Trasse der ehemaligen „Moseltalbahn“ verlaufen heute teils Straßen oder Radwege. Das Foto zeigt den Bereich des Kleinbahnhofs Bullay. Die Bahngebäude existieren heute noch. Das Gelände des Bahnhofs war über Jahre ein kleines Gewerbegebiet auf dem derzeit eine große Wohnanlage errichtet wird. Das Foto zeigt aber auch, wie enorm sich das Dorf Bullay entwickelt hat. Die im Krieg zerstörte Bullayer Kirche ist noch „geostet“ und steht im rechten Winkel zur Mosel.


Moseltalbahn

Foto: Herbert Plonien

Die von der deutschen Wehrmacht gesprengte Bullayer Brücke wurde bevorzugt schon ab 1947 wieder aufgebaut. Fahrgäste auf der Strecke Koblenz-Trier und umgekehrt mussten in Eller aussteigen und mit Gepäck bis zum Tunnelmund auf der Alfer Seite laufen – geschätzte 8 km. Das nutzten zahlreiche St. Aldegunder junge Männer (aber sicher auch welche aus Bremm und Eller) für einen Nebenverdienst. Mit Leiterwagen und zweirädrigen Karren standen sie in Eller oder am Tunneleingang Alf und boten den Fahrgästen ihre Dienste als Gepäcktransporteure an. Es wurde berichtet, dass ältere Herrschaften sich teils auch auf die Karren setzen konnten. Um die Mosel queren zu können, hatten die „Besatzer“ in Höhe der Alf-Bullayer Fähre eine Pontonbrücke gebaut. Man sieht im Hintergrund noch die „Winterschule“ in ihrem Original-Zustand, heute ein Appartment-Haus. Dort wurden die Söhne der Winzer im Winter von Fachlehrern in Sachen Weinbau und Weinausbau geschult.


Bullayer Brücke

Foto: Herbert Plonien

Die hier gezeigten Fotos verdanke ich meinem Wanderfreund Herbert Plonien.

Gerhard Schommers


Vorstand

Gerhard Schommers
Vorsitzender

Franz Josef Wendling
stellv. Vorsitzender

Holger Haupt
Beisitzer

Bernhard Kaufmann
Beisitzer

Norbert Krötz-Christoffel
Beisitzer

Werner Okfen
Beisitzer

Dipl.-Ing. Dieter Rumpenhorst (†)
Beisitzer

Wolfgang Wolpert
Beisitzer


Kontakt

Gerhard Schommers - Vorsitzender
Im Bungert 3
56858 St. Aldegund
Tel. (06542) 22285

Franz Josef Wendling - stellv. Vorsitzender
Auf Schiels 16
56859 Bullay
(06542) 901641


Aktuelles

2016

November 2016
Nicolaus Cusanus - von der Mosel an den Tiber (PDF, 1,06 MB)
Ein Bericht von Heinz Kugel

Oktober 2016
Der Rheinische Verein besuchte Kaisersesch (PDF, 764 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

September 2016
Rheinischer Verein besuchte die "Fraukirch" in der Pellenz (PDF, 353 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besuchte Müden an der Mosel

Der Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz hatte zu einem Besuch der Moselgemeinde Müden am 2. Oktober 2020 eingeladen – und erfreuliche 38 Teilnehmer versammelten sich am Treffpunkt zwischen Bahnhof und Kirche. Sachkundiger Referent war der Dorfchronist Rudolf Bertgen.


Münden

Foto: Klaus Wendt

Müden hat keltischen Ursprung, jedoch belegen Funde eine noch frühere Besiedlung des ehemaligen „Modinum“. Relikt der römischen Vergangenheit ist eine aus Tuff geschlagene Steinkiste aus dem 2. Jahrhundert die zahlreiche Aschegefäße enthielt und bei Bauarbeiten im Ortskern von Müden gefunden wurde. Beeindruckend im Bereich der Pfarrkirche „St. Stephanus“ und dem umgebenden Friedhof ist eine reiche Vielzahl historischer Basalt-Grabkreuze.

Diese „Gedenkkultur“ setzt sich im ganzen Dorf und in der Gemarkung fort. An fast jeder Ecke, an zahlreichen Häusern findet man Gedenkkreuze und Bildstöcke die von den Bürgern liebevoll gepflegt werden. Dazu gehören die „Sieben Fußfälle“ im Gedenken an den Kreuzweg, Sühne-Kreuze als Mahnmal an Verbrechen, Kreuze die fromme Bürger als Dank für Heilung von Krankheiten errichteten. In der Pfarrkirche wurde 2019 eine umfassende Restaurierung abgeschlossen. Mit Erfolg. Die Kirche ist ein wahres Schmuckstück mit wertvoller Ausstattung geworden und immer einen Besuch wert.


Münden

Foto: Klaus Wendt

Im Ortskern rund um den „Spilles“ findet man wertvolle historische Bausubstanz und benachbart Gedenktafeln an berühmte Müdener Bürger, z.B. an Johann Josef Görres (1776 – 1848) katholischer Hochschullehrer, Publizist und Philosoph. Müden war Anlegestelle der Treidelschifffahrt. Zwei der Halfenhäuser sind am Moselufer noch erhalten.

Gerhard Schommers


40 Jahre Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins

Seit 40 Jahren gibt es den Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Der Vorsitzende Gerhard Schommers erinnerte nun in einem Festakt im MoselWeinMuseum in Senheim, der musikalisch von Katharina Theisen und Maria Oettmeier umrahmt wurde, an die Anfänge des Regionalverbandes, der am 28. September 1979 im „Fränkischen Hof“ des Eifeldorfs Kail mit 26 Mitgliedern ins Leben gerufen wurde.


Jubiläumsfeier Cochem

Foto: Klaus Wendt

Heute gehören dem Verein mehr als hundert Mitglieder aus dem Kreis Cochem-Zell an. Interessante Exkursionen und Vorträge zeigen die ganze Fülle erhaltenswerter Baudenkmäler in einer sich stark wandelnden Landschaft. Daneben gibt es regelmäßig informative Literatur und gut aufgemachte Kunststättenhefte. Das eigentliche Motiv für die Neugründung war die Welle an Abrissen von historisch und kulturell wertvoller Bausubstanz. Nach der Erkrankung des ersten Verbandschefs, des Bildhauers Hubert Benatzky, übernahm Reinhold Schommers bis zu seinem frühen Tod im Jahr 2000 den Vorsitz. Alfons Friderichs, der seit 50 Jahre im Rheinischen Verein aktiv ist, rief 2002 zu einem Neustart auf. In einer Mitgliederversammlung wurde der ehemalige Vize-Regierungspräsident in Koblenz, Fritz Robischon, als Vorsitzender gewählt. Nachdem Fritz Robischon 2005 die Region verlassen hatte übernahm Architekt Dieter Rumpenhorst, der den Cochem-Zeller Regionalverband entscheidend prägte, das Amt bis 2017.


Collage

Der Geschäftsführer des Rheinischen Vereins, Dr. Martin Bredenbeck, unterstrich die wechselvolle Geschichte des Vereins, der seit 18. Oktober 1906 noch im alten Kaiserreich in der Denkmalpflege und im Landschaftsschutz tätig war. “Er hat zwar ein stolzes Alter, aber mit jugendlichem Elan“, so Dr. Bredenbeck. Es herrschte damals ein echter Boom in der aufkommenden Industrialisierung des Deutschen Reiches. Bauten schossen in die Höhe, Brücken überquerten die Flüsse, Eisenbahnen erschlossen das ganz Land, und die Landschaft verändert sich. Zum Ende des 19. Jahrhunderts entstand die Heimatschutzbewegung um groben Auswüchsen entgegenzusteuern. Reichsweit war man bemüht, baukulturelle Besonderheiten zu bewahren und zu schätzen. Natürlich ging es dabei nicht ohne Selbstkritik, betonte Bredenbeck, der auch die Windkraft ansprach, die ebenfalls stark das Landschaftsbild verändert. Doch heute wollen die Bürger mitentscheiden, denn es ist ihr Wohn- und Lebensraum.
Landrat Manfred Schnur war voll des Lobes über das Engagement im Regionalverband des Rheinischen Vereins „Man darf dem Menschen nicht seine Kultur nehmen, sonst raubt man ihm die Seele, denn wir brauchen ein solches Fundament mit seinen tiefen Wurzeln“, verdeutlichte der Landrat Einen besonderen Vortrag bot Heribert Stefens aus Klotten zu dem jüdischen Philosophen und Schriftsteller Ephraim Kishon und seinen Werken. Weit holte er aus über das Lebenswerk eines Mannes, der das Konzentrationslager überstand und mit viel Witz pointiert das Wesentliche satirisch aber nie verletzend erfasste. Die Festveranstaltung endete musikalisch mit klassischen Weisen und einem vertieften Gedankenaustausch in historischem Ambiente.
Heinz Kugel
Freier Mitarbeiter der Rhein-Zeitung


Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins besuchte Winningen

Der Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz hatte zu einem Besuch der Gemeinde Winningen eingeladen. Vorsitzender Gerhard Schommers konnte 36 Teilnehmer auf dem Vorplatz des Bahnhofs begrüßen. Referenten waren Prof. Dr. Wolfgang Schmid, seit 12 Jahren wohnhaft in Winningen, sowie Frank Hoffbauer, Leiter der Tourist-Information Winningen, beide ausgewiesene Kenner des Dorfes, seiner Geschichte und seiner Gegenwart.


Winningen

Vom Moselufer gesehen ist das Dorfbild geprägt von der Bahnlinie, die zum Teil in Viadukt-Form vor dem Dorf und in Höhe der ersten Stockwerke der Häuser an der Moselfront verläuft. Sicher ein Nachteil und ein Störenfried durch ständigen Bahnlärm. Aber seit Eröffnung der Bahnstrecke 1879 auch wichtig für die Förderung des Handels, insbesondere des Weinhandels und des Tourismus. Winningen ist eine evangelische Enklave, umgeben von Dörfern mit überwiegend katholischer Bevölkerung. So entwickelte Winningen in der Vergangenheit seine eigene Bildungsstruktur in Form einer evangelischen Grundschule sowie einer weiterführenden Schule.

Weinbau, Weinhandel und Gastronomie sind die Motoren der Wirtschaft – wobei allerdings der größere Teil der Bevölkerung im Großraum Koblenz arbeitet. Es sollen täglich rund 1.500 Winninger Bürger zu ihren Arbeitsplätzen pendeln. Vorbildlich gepflegt sind die über einhundert Hektar Rebflächen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Moseldörfern sind selbst extreme Steillagen bebaut und sind damit das Rückgrat des begehrten Winninger Weins. Dazu ist Winningen ein Touristen-Magnet mit einer vielfältigen Gastronomie.
Vereinsleben wird in Winningen groß geschrieben. Bekannt sind die Festspiele auf der Bühne am Marktplatz.


Winningen

Beim Rundgang durch Winningen fallen repräsentative Bürgerhäuser auf. In der Friedrichstraße und der Wilhelmstraße beeindrucken steinsichtige Häuser aus heimischem Bruchstein. Zu jedem Haus gehört eine hohe Toreinfahrt um den Zugang zu den hinter den Häusern liegenden Wirtschaftsgebäuden, Höfen und Gärten zu gewährleisten. Rebbögen überspannen die Straßen und verleihen ihnen einen ganz besonderen Reiz. Einen Besuch wert sind die evangelische Pfarrkirche sowie das Museum in der Schulstraße, das ehemalige Schulhaus erbaut nach Plänen von Johann Claudius von Lassaulx.
Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besuchte Bacharach

Der Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz hatte zu einem Besuch der Stadt Bacharach mit dem Schwerpunkt Pfarrkirche St. Peter eingeladen.
Am Bahnhof Bacharach begrüßte der Professor für Praktische Theologie an der Universität Mainz, Prof. Dr. Stephan Weyer-Menkhoff, mehr als zwanzig Teilnehmer. Über einen Teil der rheinseitigen ehemaligen Stadtmauer ging es in Zentrum mit der Kirche „St. Peter“ die in der Zeit des ausgehenden 12. Jahrhunderts bis 1269 als dreischiffige Emporenbasilika erbaut wurde. Der viergeschossige Wandaufriss orientiert sich trotz der weitgehend romanischen Bauweise an der Frühgotik. Bis zur Reformation gehörte St. Peter zum Kölner Andreas-Stift. Seit der Reformation ist die ehemalige Stiftskirche evangelische Kirche der Stadt.


Bacharach

Bacharach, Foto: Archiv G. Schommers

Der mächtige Bau in Hanglage bestimmt das Ortsbild von Bacharach. Der Westturm, dessen zinnenbekröntes spätgotisches Obergeschoss aus dem Jahre 1478 stammt, betont die Mächtigkeit dieses großartigen Kirchenbaus. Prof. Weyer-Menkhoff verzichtete beim Besuch des Kircheninnern auf zahllose Daten und Namen die sich auf die Architektur beziehen. Der Schwerpunkt seines Vortrags war die geistige Dimension und die Symbolik die dieser besondere Kirchenbau darstellt. „Ich habe selten ein so aufmerksames Publikum bei einem Kirchenbesuch erlebt wie heute in Bacharach“ meinte einer der Teilnehmer. Gleich oberhalb „St. Peter“ erreicht man nach rund einhundert Treppenstufen die hoch am Hang liegende Ruine der „Werner-Kapelle“. Nach dem Baubeginn in feinster Gotik im Jahr 1287 dauerte es über hundert Jahre bis zur Vollendung des Baus.


Besuchergruppe

Foto: Gerhard Schommers

Die Kirche wurde nicht nach einem Heiligen benannt sondern nach einem ermordeten Kind namens Werner. Ein Versuch, den Knaben Werner als Heiligen anzuerkennen, scheiterte. Die Kapelle war viele Jahre ein viel besuchter Wallfahrtsort bis im Zuge der Zerstörung der Burg Stahleck im Jahre 1689 während des Pfälzischen Erbfolgekrieges auch die Werner-Kapelle zerstört wurde und heute nur noch als gesicherte, aber beeindruckende Ruine hoch über Stadt und Rheintal erhalten ist.

Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besuchte den ehemaligen Bundesbank-Bunker in Cochem

Der Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins hatte zu einem Besuch der von der Bundesbank in den Jahren 1962 - 1964 errichteten Bunkeranlage in Cochem-Cond eingeladen und eine stattliche Zahl an Teilnehmern versammelte sich auf dem Vorplatz des Eingangs hoch über der Mosel. Man befürchtete damals dass die Staaten des „Warschauer Paktes“ mit der Verbreitung von großen Mengen Falschgeld die deutsche Währung destabilisieren könnten. Deshalb druckte man eine „Ersatzwährung“ um kurzfristig einen Austausch vornehmen zu können.


Bundesbank Bunker

Bundesbank Bunker, Foto: Reuter und Reuter GbR

Als Standort wählte man Cochem wegen seiner Lage westlich des Rheins da man den Rhein als natürliche „Barriere“ im Falle eines Einmarsches aus dem Osten ansah. Die Bundesbank kaufte hoch oben am Waldrand stehende zwei Häuser mit einer Grundstücksfläche von fast 10.000 m2. Der Öffentlichkeit wurde mitgeteilt, die Bundesbank werde in diesen Häusern ein Schulungszentrum einrichten und in den Berg einen atombombensicheren Bunker treiben zum Schutz der Schulungsteilnehmer und auch der Bewohner der umliegenden Häuser. So wurde ein Stollensystem von 1.500 m2 Fläche mit meterdicken Mauern gebaut und nach der Fertigstellung „in aller Stille“ 15 Milliarden der Ersatzwährung eingelagert. Der Schulungsbetrieb lief an mit entsprechenden räumlichen und Sport-Einrichtungen, z.B. einem Pool und einem Tischtennisplatz. Niemand ahnte was sich hinter den „Garagentoren“ befand. Die „Ersatzwährung“ wurde nach 1990 vernichtet und eine regionale Bank übernahm Teile der Anlage als Tresoranlage. 2014 übernahm ein regionaler Unternehmer Häuser und Bunker, baute diese zu einem erstklassigen Hotel um und renovierte die Bunkeranlage mit ihren umfangreichen technischen Einrichtungen um diese ab 2015 für die Öffentlichkeit als Museum zugänglich zu machen. Das Museum „Bundesbankbunker“ kann ganzjährig besichtigt werden. Alle Informationen unter www.bundesbank-bunker.de.

Gerhard Schommers


Besuch Bundesbankbunker

Bunker, Collage, Foto: Klaus Wendt


Besuch des Künstlerdorfes Gillenbeuren zum "Sommernachts-Raum"

Der Regionalverband Cochem-Zell hatte zum Besuch der Veranstaltung „Sommernachts-Raum“ am 30. Juni nach Gillenbeuren, einem kleinen Dorf auf den Moselhöhen oberhalb Cochem, eingeladen.
Die Künstlerin Dorothea Kirsch lädt seit vielen Jahren Künstlerkollegen aus dem Ort und der näheren und weiteren Umgebung jeweils am letzten Juni-Sonntag ein. Es kamen 16 Künstler, Maler, Bildhauer, Objektkünstler, um ihre Werke „open air“ im riesigen Baumgarten des Anwesens Kirsch auszustellen. Trotz fast 40° war der als „Kunstbaustelle“ bezeichnete Garten mit vielen Gästen gefüllt die sich nach dem Rundgang und Gesprächen mit den Künstlern bei Kaffee, Kuchen und kühlen Getränken erholten. Zur Unterhaltung trug eine kleine Band aus der Künstlerszene der Region bei.

Es ist erfreulich feststellen zu können dass man um Kultur zu erleben nicht mehr in die umliegenden Städte fahren muss. Das Kultur-Angebot „auf dem Land“ ist inzwischen ausgesprochen vielfältig geworden.
Gerhard Schommers


Gillenbeuren

Einige der Teilnehmer mit der Organisatorin Dorothea Kirsch (ganz rechts) und dem Senheimer Künstler Christoph Anders. Foto: Klaus Wendt


Cochem-Zeller besuchten die Eifel


Kloster Steinfeld

Der Regionalverband Cochem-Zell des RVDL hatte zu einer Tagesfahrt in die Eifel eingeladen und 43 Teilnehmer starteten am frühen Morgen an der Mosel. Bei herrlichem Sonnenschein ging die Fahrt über Ulmen und Blankenheim zuerst zum Kloster Steinfeld. Durch das weiträumige und sehr gepflegte Klostergelände ging es unter sachkundiger Führung in die zwischen 1142 und 1150 erbaute Klosterkirche, seit 1960 ‚ Basilika minor, eine der frühesten deutschen Gewölbekirchen im romanischen Stil. Kunstgeschichtlich ist das reich ausgestattete Gotteshaus ein Ensemble der verschiedenen einander folgenden Stile. Hier ist vor allem die romanische Architektur mit der vorwiegend barocken Ausstattung harmonisch vereint. Die Kirche ist die Ruhestätte des heiligen Hermann Josef von Steinfeld. Beeindruckend ist auch die 1727 entstandene König-Orgel.


Kloster Steinfeld

Foto-Collage: Klaus Wendt


Monschau

Foto-Collage: Klaus Wendt

Es war nur eine kurze Stecke zum nächsten Ziel Monschau. An diesem Sonnentag war in Monschau praktisch jeder Stuhl besetzt aber dank rechtzeitiger Reservierung fand man Platz zur Erholung und Stärkung. Ein geführter Rundgang durch das romantische Monschau war dann Pflicht und dank der Buchung von „Monschau zu Anbeißen“ wurden den Teilnehmern während der Tour Monschauer Spezialitäten zum Verkosten angeboten. Es war ein Tag voll schöner Eindrücke und entspannt fuhr man zurück in die Heimatorte der moselnahen Eifel und des Moseltals.

Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besuchte Alken


Alken

Teilansicht des Dorfes Alken mit der St. Michaelskirche und auf der Höhe die Burg Thurant

Zu einem Besuch der Gemeinde Alken, insbesondere der historischen St. Michaels-Kirche, hatte der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell, eingeladen. Vom Parkplatz an der Bachstrasse sind es nur wenige Schritte vorbei am ehemaligen Burghaus der Trierer Erzbischöfe, erbaut um 1350, auch Schloss der Wiltberger genannt, zu einem malerischen Treppenaufgang. Über geschätzte fünfzig Stufen geht es unter einem „grünen Dach“, flankiert von 14 Kreuzwegstationen hinauf zur St. Michaels-Kirche. Das Gebeinhaus im Untergeschoss zeugt von den schlimmen Pestjahren als die Friedhöfe zu klein für die vielen Toten wurden.


Alken Kirche

Chorraum der Michaelskirche in Alken

Betritt man die Kirche wird man geradezu erschlagen von der überreichen Ausstattung. Die Kirche ist 1015 erstmals urkundlich erwähnt. An der Decke des Chores ist ein gut erhaltendes Freskengemälde von 1350, das Jüngste Gericht darstellend, zu bewundern. Weitere Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert sind im gesamten Kirchenraum erhalten. Neben dem wertvollen Hauptaltar findet man zahlreiche weitere Altarbilder, teils figürlich, teils als Gemälde, eine Vielzahl weiterer Skulpturen, Gemälde und Urkundentafeln. Der Taufstein von 1616, seitdem ist Alken selbständige Pfarrei, gehört zu den wertvollsten Ausstattungstücken Die reiche Ausstattung entstand über die Jahrhunderte, stammt aber auch aus Ankäufen durch die 1981 durch Pfarrer Max Langen gegründete St. Michaels-Bruderschaft Alken. Diese Bruderschaft, heute unter Leitung von Bruderschaftsmeister Gerhard Deisen, sorgt für die Pflege und Erhaltung des ehrwürdigen Gotteshauses, seiner wertvollen Ausstattung und des perfekt gestalteten Geländes rund um die Kirche mit dem Ehrenfriedhof. Beeindruckend war die rund einstündige Multi-Media-Präsentation die nicht nur die Geschichte Alkens, seiner Pfarrei, seiner Kirchen vorstellt sondern die Geschichte der damals bekannten Welt seit dem 11. Jahrhundert. Alken hatte bis zur Franzosenzeit eine Stadtbefestigung die heute noch in Teilen durch Türme und Mauerreste zu sehen ist. Dazu kommen zahlreiche historische Bauten die von einer wohlhabenden Vergangenheit zeugen. Ein Besuch der St. Michaels-Kirche am Hang oberhalb des Dorfes ist sehr zu empfehlen. Geöffnet ist die Kirche an Sonn- und Feiertagen von Ostern bis Ende Oktober von 14 – 17 Uhr. Gerhard Schommers


Den Dom zu Trier auf besondere Art erlebt

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell hatte zu einem Dombesuch in Trier eingeladen.
Thema der Exkursion war die Domsanierung zwischen 1961–1974. Referent war Architekt Dipl.-Ing. (FH) Werner Okfen aus Kaisersesch, gleichzeitig Vorstandsmitglied im Regionalverband Cochem-Zell.


Dom Trier

Dom Trier Gruppenfoto

Nach dem Krieg waren die Schäden der Trierer Bischofskirche innerhalb eines Jahres beseitigt worden, so dass bereits 1946 der erste Gottesdienst der Nachkriegszeit gefeiert werden konnte. Jedoch nur gut 10 Jahre später, im Jahr der Heilig-Rock-Wallfahrt 1959 stürzten Steinteile aus einem Gurtbogen des nördlichen Seitenschiffs in den Besucherbereich des Doms, der daraufhin teilweise abgesperrt werden musste.

Nähere Untersuchungen zeigten schnell, dass der Dom stark sanierungsbedürftig war. So konnten zahlreiche Risse an Wänden, Gurtbögen und an den Gewölben festgestellt werden. Zur Stabilisierung des Baugefüges wurden zunächst Notsicherungsmaßnahmen, wie das Einbringen von Zugankern, das Betonieren von massiven Betonwiderlagern durchgeführt.

Anschließend erfolgte ein genaues Aufmaß des Doms, an dem Dipl. Ing. (FH) Werner Okfen, als junger Hochbau-Ingenieur drei Jahre, von 1964 – 1967, unter Dipl.-Ing. Hans Istass aus Trier mitarbeitete. Bei der Vermessung zeigte sich u.a., dass die Ost- und Westwand des ehemaligen römischen "Quadratbaus" um rund 50 cm aus dem „Lot“ geraten war. Bei der Freilegung der Fundamente des römischen Kernbaus aus dem 4. Jahrhundert stellte man fest, dass die Holzpfähle, die in der Antike zur Gründung der Kirche im Schwemmland der Mosel eingebracht worden waren, durch ein Absinken des Grundwasserspiegels ausgefault waren.


Dom Trier

Dom Trier

In jahrelanger Arbeit wurden die Fundamente der Pfeiler und Wände in einem aufwendigen und kostspieligen Verfahren unterfangen, die gerissenen Pfeiler durch Injektion von Trass-Kalk unter hohem Druck gefestigt, die gebrochenen Steine der Gurtbögen gesichert und weitestgehend ausgetauscht. Für die Sicherungsmaßnahmen wurden eigens neue Techniken entwickelt und erstmals erfolgreich angewendet.
Mit den Sicherungsarbeiten führte man im Dom auch wichtige archäologische Ausgrabungen, geleitet von Herrn Dr. Kempf von der archäologischen Abteilung des Bistums Trier, durch. Unter anderem wurden auch die Reststücke der ehemaligen Eichenpfähle dendrochronologisch untersucht und konnten auf das Fällungsjahr 329 nach Christus datiert werden.
1968/69 fand ein Architektenenwettbewerb statt, bei dem die Architekten Prof. Gottfried Böhm und Nikolaus Rosiny, beide aus Köln, als Arbeitsgemeinschaft den Auftrag für die Neugestaltung des Kirchenraums im Sinne der Neuerungen des II. Vatikanischen Konzils erhielten.
Zu dem vorgenannten Auftrag gehörte aber auch die Entwicklung einer Tragkonstruktion, die die provisorischen Zuganker der Notsicherungsmaßnahmen ersetzen und den Dom dauerhaft sichern konnte.
Diese neuartige Konstruktion aus Stahlträgern, Betonversteifungen und Stahlzugstäben wurde von Statiker Dr. Felix Varwig aus Köln konzipiert. Sie ist im Verbund mit dem neuen Dachstuhl aus Stahlträgern, nicht sichtbar für die Besucher des Doms, im Dachraum eingebaut und sichert den Dom auf Dauer gegen alle Schubkräfte aus den Gewölben und stabilisiert das gesamte Baugefüge.

Die Gruppe des Rheinischen Vereins hatte bei ihrem Besuch die Gelegenheit, den Dachraum oberhalb des Gewölbes zu begehen und die Konstruktion zu besichtigen.

Erst nach Einbau dieser Konstruktion konnte 1971 im Inneren mit den Arbeiten begonnen werden, die dem Dom sein heutiges Aussehen gaben. Die Kölner Architekten erhielten das über Jahrhunderte gewachsene Erscheinungsbild des Doms weitestgehend. Die augenscheinlichsten Neuerungen waren die neugestaltete Altarinsel, der Neubau der Schwalbennestorgel (Firma Johann Klais, Bonn) und die Umgestaltung der Heilig-Rock-Kapelle.
Am 01. Mai 1974 wurde der aufwendig renovierte Dom feierlich wiedereröffnet. Nach Angaben des Bistums Trier (https://www.bistum-trier.de) „kostete die Renovierung insgesamt 39.124.000 D-Mark. 83 Firmen und Handwerksbetriebe waren beteiligt, teilweise arbeiteten bis zu 380 Menschen auf der Baustelle. 766 Tonnen Kalk und Zement sowie 450 Tonnen Stahl wurden verarbeitet“, um die älteste Bischofskirche nördlich der Alpen auch für kommende Generationen zu erhalten.


Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins auch 2019 aktiv

Am 16. November 2018 trafen sich die Mitglieder des Regionalverbandes Cochem-Zell des Rheinischen Vereins zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung im „Moselland-Museum“ in Ernst-Mosel.

Im Vereinsjahr 2018 bot der Regionalverband seinen Mitgliedern Exkursionen nach Briedern-Mosel, Bremm-Mosel, zur Römervilla Ahrweiler, zum Römerbergwerk Meurin bei Kretz nahe Mendig, zum ehemaligen Kloster Ravengiersburg im Hunsrück und zum Moseldorf Senheim an. Die Veranstaltungen waren sehr gut besucht und boten Mitgliedern und Gästen einen tiefen Einblick in das kulturelle Erbe unserer Region. Ergänzt wurden die Veranstaltungen durch einen Vortrag von Vorstandsmitglied Wolfgang Wolpert in der auf der Moselhöhe gelegenen „Kreuzkapelle“ Ediger über die Geschichte der Kapelle und ihr bekanntestes Kunstwerk „Christus in der Kelter“.

Für 2019 steht wiederum ein umfangreiches Programm bevor. Im Februar 2019 wird der Trierer Dom besucht mit einem exklusiven Gang durch die Geschichte des Doms, insbesondere die Vorarbeiten zur Feststellung der erheblichen Bauschäden, der statischen Sicherung und die genaue Vermessung des Doms in den Jahren 1959 bis 1964 bevor die umfangreiche Restaurierung des Dominnern und die Fortsetzung der Erforschung der „Unterwelt“ des Doms startete. Im Zeitraum Mai bis Oktober stehen dann eine Tagesfahrt zu Kloster Steinfeld und zur Stadt Monschau auf dem Plan gefolgt von einer Exkursion nach Allken mit seiner mittelalterlichen St. Michaelskirche.


David Eduard

David Eduard, geb. 11. Juni 1853 in Ediger-Mosel, gest. 24. Dezember 1930 in Berlin

Ein Besuch des Künstlerdorfes Gillenbeuren in der Eifel steht ebenso auf dem Plan wie ein Rundgang durch den Moselort Winningen der Vorbildliches leistet in der Pflege und Erhaltung der Weinbergs-Steillagen und Pflege des Dorfzentrums für Einwohner und Gäste. Geplant ist ein Besuch am Mittelrhein und eine Besichtigung des ehemaligen Bundesbankbunkers in Cochem-Cond. Ein Vortrag von Wolfgang Wolpert über die Beziehungen des schweizerischen Wallfahrtsortes „Maria Einsiedeln“ zu Ediger rundet das Programm ab.

Ein Höhepunkt der Mitgliederversammlung war ein hoch interessanter Vortrag von Norbert Krötz zu Dr. Eduard David, geboren in Ediger, führender Sozialdemokrat seiner Zeit und Präsident der Weimarer Nationalversammlung.
Gerhard Schommers


Anders mit Anders
Der Rheinische Verein besuchte Senheim

Die Straßenstruktur von Senheim ist völlig „anders“ als die anderer Dörfer entlang der Mosel. Wieso das so ist und vieles mehr erläuterte der Künstler Christoph Anders beim Besuch des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz beim Gang durch Senheim mit fast fünfzig Teilnehmern.


Senheim

Aber zunächst wurde der im Gelände zwischen Dorf und Hafen gelegene Teil des Skulpturenparks besucht mit Werken von Christoph Anders und befreundeter Künstlerkollegen. Zum Skulpturenpark gehören weitere Kunstwerke in den Senheimer Weinbergen und auch am Senhalser Moselweg Im August 1839 fiel fast das gesamte Dorf einem Brand zum Opfer. Beim Neuaufbau wurden die ehemals verwinkelten Gassen durch schnurgerade der Kirche zustrebende Straßen, unterbrochen von geraden Querstraßen, ersetzt, so dass quadratische oder rechteckige „Quartiere“ entstanden um so bei einem möglichen neuen Brand das Übergreifen des Feuers zu verhindern. Bei Wiederaufbau ging durch breitere Straßen und großzügigere Bebauung rund ein Drittel der Wohnfläche verloren. Da eine ganze Reihe Familien mehrheitlich von der Landwirtwirtschaft auf der Hunsrückhöhe lebten erfolgte eine Umsiedlung in die Nähe von Äckern und Feldern und damit die Gründung von Moritzheim, benannt nach dem damaligen Landrat Moritz der die Umsiedlung maßgeblich beeinflusst hatte.


Senheim

Nach dem Brand wurden die Straßen gepflastert, vor fast 180 Jahren schon eine Besonderheit. Die „Fahrbahnen“ pflasterte man mit Mayener Basalt und die Ränder, insbesondere die Hofeinfahrten und Kellerzugänge, mit Moselkies den man kostenlos am Moselufer „ernten“ konnte Da und dort in Senheim findet man noch die schön gepflasterten und gegliederten Moselkies-Flächen. „Prachtstück“ war dabei die Straße „Altmai“ die augenblicklich dem „Modernisierungswahn“ zum Opfer fällt. Wasser und Abwasserleitungen müssen erneuert werden und der zukünftige Straßenbelag wird Betonpflaster mit Basalt an den Rändern sein. Die einzigartigen und ein Alleinstellungsmerkmal darstellenden Moselkiesflächen verschwinden. Schade! Der Besuch der Pfarrkirche „St. Katharina“ mit dem wertvollen Barockaltar von Januarius Zick und anderen wertvollen Ausstattungstücken war das nächste Ziel bevor der Weg vorbei am „Senheimer Park“ zur „Vogtei“, einem Wohnturm aus der Staufferzeit, führte. Die Vogtei hat Christoph Anders zu einem Haus der Kunst umgewandelt. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen und nach Absprache mit Christoph Anders möglich.

Gerhard Schommers


Der „Hunsrückdom Ravengiersburg“ ist eine Reise wert

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell hatte zu einem Besuch des „Hunsrückdoms“ Ravengiersburg eingeladen. Wer die vierspurige Autostraße aus Richtung Kirchberg verlässt und rund sechs km durch beschauliche Hunsrückdörfer fährt sieht unten im Tal des Simmerbachs auf einem Felsplateau eine mächtige Klosteranlage mit einer beeindruckenden Kirche liegen. Ursprung ist die Klostergründung im Jahr 1074 durch Graf Berthold von Ravengiersburg und seiner Frau Hedwig. Da die Ehe kinderlos blieb verwendeten sie ihr ganzes Vermögen zum Bau eines Klosters und einer Kirche die bis heute dem hl. Christophorus geweiht ist. Augustiner-Chorherren belebten Kloster und Kirche. Beeindruckend ist der romanisch anmutende Doppelturm mit einem mächtigen Westwerk.


Hunsrückdom Ravengiersburg

Hunsrückdom Ravengiersburg

Ravengiersburg erlebte eine sehr wechselvolle Geschichte. Der heutige Kirchenbau soll die dritte Kirche seit der Klostergründung im 11. Jahrhundert sein. Kriege zerstörten die Klosteranlage, im Rahmen der Reformation wurde die gesamte Anlage der evangelischen Kirche zugesprochen., Allerdings gingen die nur noch als Ruinen vorhandenen Gebäude in der „Kauber Kirchenteilung“ 1706 wieder in den Besitz der Katholiken. Die Augustiner übernahmen anschließend die gesamte Anlage und bauten sie in der heutigen Form wieder auf. Barocke Formen und Ausstattung beherrschen Langhaus und die riesige Apsis im Kircheninnern. Der „Dom“ ist heute Pfarrkirche der Gemeinde Ravengiersburg mit weniger als vierhundert Einwohnern, davon rund je die Hälfte katholisch oder evangelisch. . Die Klostergebäude stehen – obwohl in offensichtlich gutem Zustand – leer und man sucht nach einem Nutzungskonzept für die weitläufigen Räumlichkeiten. Man kann die kleine Gemeinde Ravengiersburg nur loben dass sie es über die Zeit geschafft hat die Klosteranlage in gutem Zustand zu erhalten.
Gerhard Schommers


Ravengiersburg

Ravengiersburg, Foto: Monika u. Klaus Wendt


Rheinischer Verein besuchte die Kreuzkapelle über Ediger

Zu einer Vortragsveranstaltung mit Wolfgang Wolpert hatte der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell, eingeladen. Referent Wolfgang Wolpert kennt wie kein anderer dank seiner Jahrzehnte langen Forschungen die Geschichte seines Heimatortes und seiner vielfältigen historischen Stätten. In einer kleinen Broschüre aus dem Jahr 1988 zum 500jährigen Bestehen der Kreuzkapelle wird eine Urkunde vom 20. März 1488 zitiert: „Weil die Edigerer ein Kreuz von 15 Fuß Höhe (Höhe des Kreuzes Christi) in einer Entfernung von 1064 Doppelschritten (Länge des Kreuzweges Christi) vom Dorfe errichten wollen erhalten sie, wenn sie das Leiden Christi andächtig verehren, mindestens ein Glaubensbekenntnis und mehrere Vaterunser sprechen ….. einen Nachlass von Sündenfolgen“.


Ediger Kreuzkapelle

Ediger Kreuzkapelle, Foto: Gemeinde Ediger-Eller

Zur Zeit der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert erbauten die Gläubigen zunächst eine kleine Kapelle die später erweitert wurde. 1707 wurde der große Erweiterungsbau – das heutige Schiff – vollendet. Die Kapelle hat eine sehr reiche Ausstattung. Aus der Zeit um 1500 stammt eine lebensgroße Kreuzigungsgruppe von starker Ausdruckskraft. Auf dem nördlichen Seitenaltar ist im Hochrelief die Kreuzabnahme mit Grablegung dargestellt. Dieses Werk stammt aus der Hoffmann-Schule. Das weltweit bekannte Relief „Christus in der Kelter“ wurde von Hans Ruprecht Hoffmann selbst geschaffen.


Ediger

Ediger Chr.i.d.K., Foto: Karl-Heinz Heimes

Diese 100 x 90 cm große Skulptur aus der Zeit um 1600 zeigt im rechten Winkel ein zweites Thema, den hl. Hilarius, Kirchenpatron von Eller. Das Werk stand wohl ursprünglich in der Stubener Kreuzkapelle. Mit einem dritten Bild diente es als Aufbewahrungsstätte der nun in Limburg sich befindenden Staurothek (Heiligkreuz-Reliquie) die Ritter Heinrich von Ulmen seiner Schwester Irmgard, der Oberin des Klosters, geschenkt hatte. Das über der Kelter angebrachte Wappen weist die Familie von Schönenberg-Nickenich, zu der der Kurfürst Johann VII. gehörte, als Stifter aus.


Ediger Altarraum

Ediger Altarraum, Foto: Matthias Schnitzler

Im 19. Jahrhundert erhielt das Steinwerk seinen Platz als Kanzel in der Edigerer Kreuzkapelle. Der Besuch dieses Heiligtums wurde als stille Gebetsstätte noch bereichert durch einen 1762 errichteten Kreuzweg. Er beginnt bei der Pfarrkirche in Ediger und hat eine 15. Station auf der die Kaiserin Helena das Zeichen des Heils in den Händen hält. Der Gang zur Kapelle auf dem zu den ältesten in Deutschland gehörenden Weg lohnt sich. Er ist auch als Bestandteil des Kulturweges der Religionen gut gekennzeichnet. Durch die Tür an der Südseite hat man Zutritt zur Kapelle. Der Altarraum ist durch einen hölzernen „Lettner“ vom an die hundert Plätze umfassenden Kirchenraum getrennt; jedoch sind alle Kunstwerke gut sichtbar. Ein Besuch der Kapelle zur stillen Einkehr ist den steilen Aufstieg wert. Gerhard Schommers


Ediger 2018 Gruppe

Ediger 2018, Foto: Matthias Schnitzler


Der Rheinische Verein besuchte das „Römerbergwerk Meurin“

Mitten in der „Bimsgegend“ zwischen Kruft und Plaidt, nahe am Dorf Kretz, liegt das „Römerbergwerk Meurin“ das der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell, besuchte.. Schon in den 1950er Jahren wurde unter einer Humusschicht von etwa einem Meter und einer Bimsschicht von rund fünf Metern ein mehrere Meter starke Tuff-Schicht entdeckt, entstanden beim Ausbruch des Laacher-See-Vulkans vor etwa 13.000 Jahren. In der Tuff-Schicht fand man Öffnungen und Stufen die in große Stollen hinab führten. Dort hatten römische Legionäre und sicher auch Sklaven im „Untertagebau“ die für den Bau von Häusern, Palästen, Heiligtümern, Grabstätten leicht bearbeitbaren Tuff in großen Blöcken abgebaut. Die römischen Ingenieure sorgten dafür, dass eine genügend starke „Bodenplatte“ aus Tuff auf dem weichen Untergrund stehen blieb, ebenso wie eine etwa fünfzig Zentimeter starker „Deckenplatte“. Man ließ in kurzen Abständen „Stützsäulen“ stehen um so die von Bims und Humus bedeckte Tuffschicht stabil zu halten.


Meurin

Im Jahr 1998 startete die Freilegung der Stollenanlage unter Leitung des Amtes für Vor- und Frühgeschichte Koblenz. Ein Teil der Stollen war beim Abbau der Bimsschicht eingestürzt, Größere Teile der Stellenanlage blieben erhalten und zeigen den Besuchern anschaulich wie zur Römerzeit in reiner Handarbeit das wertvolle Baumaterial gewonnen wurde. Um die wertvolle Anlage vor Klimaeinflüssen zu schützen wurde diese von einer riesigen Stahlhalle überdacht. Das Römerbergwerk Meurin ist heute Teil des Vulkanparks Eifel mit Sehenswürdigkeiten wie der Geysir in Andernach, die Terra Vulcania Mayen, Lava-Dome und Lavakeller in Mendig. Im Außengelände des Römerbergwerks sind zahlreiche Funde ausgestellt aber auch Rekonstruktionen eines römischen Krans mit Flaschenzug, Steinmetzwerkstätten mit Modellen von römischen Steinsägen, einer „Drehbank“ für Steinsäulen, verschiedene Arten von Getreide- und Ölmühlen, Modelle von römischen Heizanlagen. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen.
Informationen erhält man bei der Vulkanpark GmbH Plaidt, 02632 98 75 0, oder www.vulkanschule.de.
Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besucht Ahrweiler

„Römervilla Ahrweiler“ ist eine Reise wert.
Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell, hatte zu einem Besuch der „Römervilla“ in Bad-Neuenahr-Ahrweiler eingeladen. Und trotz der Anfahrt von bis zu 90 km fanden sich zwanzig Teilnehmer zu einer geführten Besichtigung ein. Wegen ihres hervorragenden Erhaltungszustandes gehört die Römervilla am Silberberg ahr-aufwärts von Ahrweiler zu den interessantesten römerzeitlichen Baudenkmälern nördlich der Alpen. Das riesige 1.000 m2 große Herrenhaus entstand in der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts. Wegen der Germaneneinfälle über den nahen Rhein wurde das Haus später verlassen und diente vorübergehend als Herberge, im 4. Jahrhundert als Metallschmelzerwerkstatt. Nachdem im 5. Jahrhundert ein Hangrutsch Haus und Umfeld verschüttet hatte entstand auf der Fläche im 7. und 8. Jahrhundert ein frühchristliches Gräberfeld.


Bad Neuenahr-Ahrweiler

Bad Neuenahr-Ahrweiler


Der Bestand der Villa geriet in Vergessenheit und erst bei Straßenbauarbeiten im Jahr 1980 wurde die Villa wieder entdeckt und bis 1991 von den Landesarchäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe aus Koblenz ausgegraben. Der Hangrutsch diente als „Zeitkapsel“ die die Jahrhunderte überdauerte. Der Besucher kann deshalb heute durch die antiken Räume gehen und unzählige Details aus einer lange vergangenen Epoche entdecken. Das Bad, die Küche, die Fußbodenheizung und sogar ein aus Originalteilen wieder errichtetes Deckengewölbe sind nur einige der zahlreichen Sehenswürdigkeiten des von einer riesigen Holz-Konstruktion überdachen Museums. Das Fazit der Besucher war eindeutig: die lange Anfahrt hat sich gelohnt!
Informationen zur „Römervilla“ findet man unter www.museum-roemervilla.de

Text: Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besucht Bremm


Bremm

Foto: Gerhard Schommers

Bremm ist „fit“ für die Zukunft
Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz hatte zu einem Besuch der Moselgemeinde Bremm eingeladen. Es war eine gemeinsame Veranstaltung der Regionalverbände Eifel und Cochem-Zell. Die Vorsitzende des Regionalverbandes Eifel, Dr. Sibylle Bauer und Gerhard Schommers für die Region Cochem-Zell konnten über fünfzig Teilnehmer begrüßen.

Bürgermeisterin Gisela Heib stellte ihre Gemeinde vor die in den letzten Jahrzehnten umfangreiche Maßnahmen zur Zukunftssicherung mit viel Mut und Energie erfolgreich durchgeführt hat. Und der Erfolg ist augenscheinlich.

Die großen Bremmer Weinbergsflächen wurden durch mehrere Stufen der Flurbereinigung arrondiert um sie für die Winzer wirtschaftlich bearbeitbar zu machen. Das Calmont-Projekt und der damit verbundene Calmont-Klettersteig sind touristische Highlights und führten zu umfangreichen Wieder-Bepflanzungen dieses steilsten Weinbergs Europas.


Bremm

Foto: Gerhard Schommers

Eine ganz besondere Leistung ist die Dorferneuerung verbunden mit einer konsequenten Neuordnung und Neugestaltung des Dorfes selbst. Verbunden damit war auch die Ausweisung von über hundert Baugrundstücken die heute schon alle bebaut sind. Die Schaffung weiteren Baulandes oberhalb der Umgehungsstraße Richtung Beuren war notwendig. Dabei haben die vielen Neubauten nicht zu Leerständen im alten Ortskern geführt.

Heinz Berg, über zehn Jahre Bremmer Bürgermeister, führte dann voller Stolz durch seine Gemeinde die den Fleiß und Erfolg der Bremmer Bürger durch gepflegte Hausgrundstücke und schönen Vorgärten zeigen. Hartmut Schmitt, Geodät i.R. beim ehemaligen Kulturamt Mayen, leitete seinerzeit die jahrelangen Maßnahmen zur Neugestaltung des Dorfes. Um das Dorf für den innerörtlichen Verkehr durchlässiger zu machen, neue Freiflächen mit viel Grün zu schaffen und zum Beispiel auch bei Hochwasser alle Häuser sicher verlassen zu können wurden Querverbindungen geschaffen. Dafür mussten zahlreiche ältere Häuser, Wirtschaftsgebäude und auch eine Schreinerei Platz machen. Durch geschickten Grundstückstausch oder andere Entschädigungsmaßnahmen wurden die steckten Ziele erreicht ohne auch nur ein einziges Mal die Gerichte zu bemühen. Die Bremmer Bürger zogen ganz einfach mit, um so auch die Lebensqualität im Dorf zu steigern.

Oberhalb der Kirche war der geeignete Platz um einige Bremmer Sehenswürdigkeiten zu beschreiben – was Bärbel Oster-Franzen sehr kenntnisreich übernahm: die Klosterruine Stuben mit ihrer wechselvollen Geschichte, die aus dem 15. Jahrhundert stammende Pfarrkirche mit ihrem romanischen Turm. Es schloss sich ein Besuch der Pfarrkirche an die mit ihrem Sternengewölbe und der wertvollen Ausstattung immer einen Besuch wert ist.

Viele Stufen bergab ging es dann in den alten Ortskern um unter anderem das „Storchenhaus“ aus dem 17. Jahrhundert zu sehen sowie weitere historische Bauten an der Moselfront. Vorbei am ehemaligen Zehnthaus ging es zurück zum Calmont-Forum wo die Kulturwissenschaftlerin Christin Theisen über ihre zur Zeit laufende Studie zur Kulturlandschaft Mosel berichtete. Diese Studie ist Teil einer vom Rheinischen Verein mit dem Verein Welt-Kulturerbe Moseltal e.V. in Vorbereitung befindlichen „Moselkonferenz“ im Jahr 2019. Nach zwei Stunden in brütender Hitze konnten sich die Teilnehmer auf dem Platz vor dem Calmont-Forum bei gutem Bremmer Wein und kleinen Speisen erholen.

Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besuchte Briedern an der Mosel


Briedern

Foto: Gerhard Schommers

Der Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz hatte zu einem Besuch der Moselgemeinde Briedern eingeladen.

Fast fünfzig Teilnehmer konnte Vorsitzender Gerhard Schommers begrüßen und als sehr kundigen Referenten Bürgermeister Karl Heinz Bleser. Zur „Einstimmung“ gab es auf dem schön gestalteten Platz vor der Pfarrkirche „St. Servatius“ ein Glas guten Briederner Weins bevor man in die sehr gepflegte Kirche einzog.

Aber erst bewunderte man den romanischen Kirchturm aus dem späten 13. Jahrhundert. Das Langhaus der Kirche ist ein Werk der Spätgotik – die Ausstattung der Kirche wird von der Barockzeit bestimmt. Es wurde berichtet dass die sehr gut erhaltene Ausstattung von den Beilsteiner Karmeliten angeschafft wurde. Während über Jahrhunderte Briedern zur Pfarrei Mittelstrimmig gehörte ist sie heute Teil der Pfarreiengemeinschaft Beilstein-Moselkrampen. In früheren Jahrhunderten waren die Pfarrkirche „St. Servatius“ und der oberhalb der Ortslage befindliche Servatiusbrunnen Ziel zahlreicher Wallfahrer. Dem noch bestens erhaltenen unterirdischen Brunnen wurden heilende Kräfte nachgesagt. Zur „Servatius-Kirmes“ pflegt die Gemeinde noch die alte Tradition in einer Prozession durch das mit „Maien“ geschmückte Dorf. Ein geschlossenes Panorama bildet die Briederner Moselfront – aber auch der Ortskern bietet manches interessante Bauwerk – teils bestens renoviert, teils renovierungsbedürftig. Briedern mit seinen 345 Einwohnern hat nahezu keine Leerstände und die Zahl der renovierungsbedürftigen Häuser nimmt ständig ab. Interessant ist die ehemalige Schule, erbaut um die Jahrhundertwende 1900, heute als Gemeindehaus benutzt.

Letztes Ziel des Rundgangs war der Besuch der Werkstätten des größten Eigners von Ausflugsschiffen an der Mosel, der Reederei Kolb. Mit eigenen Fachleuten werden die zur Zeit 17 Ausflugsschiffe nicht nur in Stand gehalten sondern auf Werften gebaute Schiffsrümpfe zu modernen Ausflugsschiffen ausgebaut. Kolb ist einer der großen Arbeitgeber der Region. Nahezu die Hälfte der Teilnehmer nahm die Gelegenheit wahr in einer schönen Straußwirtschaft bei gutem Wein und Essen einen schönen Abend ausklingen zu lassen. Der Rheinische Verein weist schon heute auf den Besuch der grandiosen „Römervilla Ahrweiler“ am 15. Juni 2018 hin. Einzelheiten hierzu werden in der Presse rechtzeitig bekannt gemacht.

Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besuchte Bruttig-Fankel


Fankel 2017

Fankel 2017

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell, hatte zu einem Besuch der Doppelgemeinde Bruttig-Fankel eingeladen. Über vierzig Teilnehmer erlebten einen hoch interessanten Spätnachmittag mit dem ehemaligen Bürgermeister Manfred Ostermann als kenntnisreichen Referenten. Bereits 2016 hatte der Rheinische Verein den Ortsteil Bruttig besucht. Aber für die Vielzahl an Sehenswürdigkeiten reichte ein Abend nicht. So startete die Gruppe in Bruttig um zunächst die am südlichen Rand von Bruttig gelegene „Fausenburg“ aus dem 17. Jahrhundert zu besuchen. Betroffen lauschten die Teilnehmer den Ausführungen von Manfred Ostermann zu den teilweise noch vorhanden Baracken auf dem Damm der nie fertig gestellten Bahnlinie. Anfang 1944 sollte der Tunnel zwischen Treis und Bruttig als „Fabrik für kriegswichtiges Material“ genutzt werden. Die zu diesem Zweck aus anderen Lagern nach Bruttig transportierten Häftlinge lebten und arbeiteten dort unter menschenunwürdigen Verhältnissen.


Fankel Collage

Bruttig und Fankel sind durch ihre Neubaugebiete heute nahezu übergangslos zusammen gewachsen. Die Vielzahl an historischer Bausubstanz in Fankel ist einmalig und zum größten Teil liebevoll gepflegt. Ein Gang durch die Brunnenstraße ähnelt einem Freilichtmuseum mit Bauten aller Stil-Epochen angefangen bei der Romanik. Zu diesem Ensemble hoch interessanter Bauten tragen die Hof- und Herrenhäuser ab dem 14. Jahrhundert bei. Ortsbildprägend ist das ehemalige Rathaus, das in seiner Funktion als „Spielhaus“ eher den heutigen „Dorfgemeinschafts-Häusern“ vergleichbar ist. Dem bestens erhaltenen Rathaus benachbart ist die Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“. Vom Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert ist noch der spätromanische Turmschaft erhalten als Teil der ehemaligen Wehrkirche. Ein Erdbeben im Jahr 1356 zerstörte die Kirche. Das führte ab dem Ende des 14. Jahrhunderts zu einem gotischen Neubau der 1445 geweiht wurde. Ein Gang über den Friedhof ist lohnend. Man findet dort eine Reihe großformatiger Grabplatten adeliger Bürger und zahlreiche Basalt-Grabkreuze mit Inschriften ab dem 14. Jahrhundert im Gedenken an die „einfache“ Fankeler Bürgerschaft.

Gerhard Schommers


Rheinischer Verein auf den Spuren der Sponheimer


Sponheim

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell, hatte zu einem Besuch des Ursprungs der Grafen von Sponheim in den unweit des Nahetals gelegenen Orten Sponheim und Burgsponheim eingeladen.

„Spanheim“ war der ursprüngliche Name des Geschlechts – erst im späten Mittelalter änderte sich der Name in Sponheim. Nico Gäns vom Freundeskreis der Burg Sponheim führte kenntnisreich zunächst zur „Urzelle“, der Burg Sponheim. Die 1127 erstmals in einer Urkunde erwähnte Burg wurde vom spanischen Feldherrn Spinola 1620 zerstört. Sie dehnte sich einst hundert Meter über den Bergsporn. Erhalten sind heute der Rest eines Turms der Burgmauer und mächtig steht der unzerstörte Wohnbergfried mit einer Höhe von 22 Metern über dem Dorf. Der aus mächtigen Sandsteinquadern mit einem Gewicht von vielfach mehr als einer Tonne erbaute Bergfried sieht auch nach rund 800 Jahren aus als sei er erst gestern erbaut worden. Oberhalb des Dorfes Sponheim steht der beeindruckende Bau der dem hl. Martin geweihten Klosterkirche. Die Grafen von Sponheim finanzierten 1101 einen prächtigen Umbau der 1044 erstmals erwähnten Kirche zu einer Klosterkirche mit den notwendigen Klostergebäuden, geschützt durch eine hohe Mauer.1291 erfolgte die Weihe der Kirche mit vier Altären. Der romanische Bau ist in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Sogar der aus kleinen dekorierten Tonziegeln bestehende Fußboden im Chor und vor dem St.Martins-Altar ist nach rund 800 Jahren noch zu bestaunen..


Sponheim, Kirche

Sponheim, Collage Kirche

Der wohl berühmteste Abt des Klosters war ab 1482 der Gelehrte Johannes Trithemius, aus Trittenheim an der Mosel stammend. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung des Klosters schuf Trithemius eine einzigartige Bibliothek aus rund 2000 Büchern, zur damaligen Zeit ein Riesenvermögen. 1569 erfolgte die Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation – aber schon 1689 zogen wieder Mönche unter dem Schutz der spanischen Armee ins Kloster ein. 1802 erfolgte zur napoleonischen Zeit die endgültige Aufhebung des Klosters. Die Mehrzahl der Klostergebäude verfiel, die Kirche blieb erhalten und zeigt sich heute nach einer umfangreichen Restaurierung in den Jahren 2006 – 2008 in „alter Pracht“. Ein Besuch lohnt sich immer. Informationen im Internet unter www.klosterkirche-sponheim.de

Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besuchte das „9-Maare-Dorf“ Schalkenmehren


Besucher in Schalkmehren

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell, hatte zu einem Besuch des „9-Maare-Dorfes“ Schalkenmehren eingeladen. Als Referent konnte Hartmut Flothmann, Kulturwart des Eifelvereins Schalkenmehren, gewonnen werden der kenntnisreich durch die Gemeinde mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten führte.

Schalkenmehren, etwa vier km Luftlinie südöstlich von Daun gelegen, knapp 600 Einwohner, auf 425 m Meereshöhe liegend ist ein wahrer Touristenmagnet – nicht nur wegen seiner einmaligen Maar-Landschaft, auch wegen der vielfältigen und allen Ansprüchen genügenden Gastronomie und Hotellerie. Zur Gemeinde gehören die weltweit bekannten Maar-Seen wie das Schalkenmehrener Maar, ein Doppelmaar entstanden aus zwei ineinander übergehenden Maartrichtern und das angrenzende Trockenmaar. Nur von einem Bergsattel getrennt liegt das Weinfelder Maar (auch Totenmaar genannt) mit seiner historischen Kapelle und dem alten Friedhof und ganz in der Nähe das Gemündener Maar. Ergänzt wird die Kette an Maaren durch weitere Trockenmaare so dass Schalkenmehren zu Recht „das Dorf mit 9 Maaren“ bezeichnet wird.


Besucher in Schalkmehren

Schalkmehren 2017, Collage Kreuzberg

Erstmals urkundlich erwähnt ist Schalkenmehren in einer Urkunde des Klosters Himmerod von 1287. Die Kapelle am Weinfelder Maar war die Pfarrkirche bis 1803, dann übernahm die Vorgängerkapelle der St. Martin-Kirche im Dorf Schalkenmehren diese Funktion, aus der die neu erbaute, 1845 eingesegnete Pfarrkirche St. Martin hervorging. Als Nebenverdienst wurde schon seit Generationen Tuch gewebt. 1926 initiierte die Lehrerin Anna Lehnert die „Heimweberei-Genossenschaft“, die die Produktion koordinierte und den Vertrieb des „Maartuches“ übernahm. In der ehemaligen Schule kann sonntags im Heimweberei-Museum die Arbeit der ehemaligen Heimweberei anschaulich erkundet werden. Zur Gemarkung gehört auch das Skigebiet am Mäuseberg.

Ein „Muss“ für die Besucher Schalkenmehrens ist die von den Gebrüdern Rau eingerichtete „Pitt-Kreuzberg-Galerie“. Der Maler Pitt Kreuzberg, 1888-1966, dem Expressionismus nahe stehend aber mit eigenem Malstil schuf nach Schätzungen mehrere tausend Werke. Etwa 80 hiervon gehören zur Sammlung der Gebrüder Rau und sind in dem aus „Lava-Krotzen“ erbauten kleinen historischen Haus im alten Dorfzentrum in passendem Ambiente auf zwei Stockwerken zu bewundern.

Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besuchte Beuren im Kreis Cochem-Zell


Gruppenfoto Beuren

Die Teilnehmer auf der Treppe zwischen alter Schule und Kirchturm

Als der Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz zu einem Besuch der Gemeinde Beuren einlud, gab es erstaunte Reaktionen. Was gibt es in dem kleinen Dorf mit 400 Einwohnern Besonderes zu sehen? Trotzdem versammelten sich über sechzig Teilnehmer auf dem Platz zwischen Kirche und ehemaliger Schule. Dr. Gabriele Neumann, in Beuren geboren und aufgewachsen, führte kenntnisreich durch Geschichte und aktuelle Situation der Gemeinde. Die Gründung der Gemeinde wird um 1300 vermutet, vielleicht auch schon um 1017. 1744 bestand der Ort aus nur drei Höfen. In den 1970er Jahren lag die Einwohnerzahl bei rund 550, heute sind es nur noch um die 400. Im früher landwirtschaftlich geprägten Dorf gibt es keinen Bauernhof mehr. Die Felder werden von auswärtigen Pächtern bewirtschaftet. Bei der Fahrt oder einem Gang durch Beuren fällt zunächst die ehemalige Schule auf. Johann Claudius von Lassaulx, der wohl bekannteste Baumeister seiner Zeit, war sich nicht zu schade die Pläne für eine einklassige Schule mit kleinen Nebenräumen im Erdgeschoss und einer Lehrerwohnung im Obergeschoss zu erstellen. Mit dem Bau der Schule wurde 1843 begonnen. Seit vielen Jahren steht die Schule leer – so wie viele Schulgebäude in den kleinen Dörfern. Sie wird gelegentlich von den Dorfvereinen genutzt. Der in Lassaulx-Manier steinsichtig errichtete Bau wurde vor vielen Jahren verputzt und verlor so einen Teil seines „Gesichts“. Auf gleicher Ebene wie der Schuleingang liegt die „alte“ barocke Pfarrkirche, erstmals 1569 erwähnt, mit einem schönen hölzernen Tonnengewölbe und einer wertvollen Ausstattung, überwiegend aus der Zeit des Barock. Wertvolle Teile der Ausstattung dienen heute der Ausschmückung der neuen Kirche. Beeindruckend im kleinen Kirchenraum ist das die ganze rückwärtige Westwand ausfüllende Gemälde mit Bibelmotiven des insbesondere durch seine Glasmalereien bekannten Jakob Schwarzkopf aus Trier (1926-2001). Die alte Kirche war mit wachsender Bevölkerung zu klein geworden. Ein Abriss der alten Kirche kam nicht in Frage. Ein Neubau entstand in den späten 1960er Jahren nach Plänen von Karl Peter Böhr gleich neben der alten Kirche – verbunden durch die Sakristei. Der fast quadratische Innenraum der neuen Kirche strahlt Ruhe aus und lädt zur inneren Einkehr ein.


Beuren

Wandfüllendes Gemälde mit Bibelmotiven von Jakob Schwarzkopf, Trier (1926 - 2001)

Die Nordwand der Kirche wird geschmückt von einem dreigeteilten Bildfries von etwa einem Meter Höhe in den Farben blau, schwarz, weiß und grau. Es ist ein „Passions-Tryptichon“ ebenfalls gestaltet von Jakob Schwarzkopf. Kaum ein anderer Ort dieser Größe kann eine Doppelkirche vorweisen – die Beurener können stolz darauf sein. Gerhard Schommers


„VorZEITEN – Archäologische Schätze an Rhein und Mosel“


Nehren

Foto: Klaus Wendt

Unter diesem Leitwort planten der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie die Generaldirektion Kulturelles Erbe eine Veranstaltungsreihe aus Anlass des 70jährigen Bestehens der Landesarchäologie Rheinland-Pfalz.


Der Regionalverband Cochem-Zell des Rheinischen Vereins schlug in diesem Rahmen einen Besuch der römischen Grabkammern in Nehren an der Mosel vor und unterstützte die Veranstaltung mit dem Titel „Luxus für das Jenseits“ organisatorisch. Weitere Veranstaltungen werden im Herbst in Trier und Mainz stattfinden.

Zunächst war zu einer Vortragsveranstaltung nach Ernst an der Mosel eingeladen. Als Referenten konnten Reinhold Elenz, Amtsrestaurator i. R. GDKE, Landesdenkmalpflege sowie Dr. Dirk Schmitz, Abteilungsleiter Archäologie am Römische-Germanischen Museum in Köln gewonnen werden.. Reinhold Elenz hatte das Projekt „Römische Grabkammern Nehren“, in der Region bis dahin „Heidenkeller“ genannt, das als Forschungsprojekt durchgeführt wurde, von der ersten Stunde an über viele Jahre fachlich begleitet. Im Anschluss der beiden Vorträge erfolgte die Besichtigung der beiden Grabkammern mit eingehenden Erläuterungen zum Forschungsprojekt. Die Grabkammern in Nehren gelten als einzigartiges Beispiel römischer Grabbauten die im 4. Jahrhundert n. Chr. entstanden sind. Der künstlerische Wert liegt vor allem an den noch in situ erhaltenen Wandmalereien in der westlichen Grabkammer. Ihre sehr wechselvolle Entdeckungs-und Freilegungsgeschichte führte in den 70er Jahren zu einer umfassenden archäologischen Bearbeitung. Mehrfach wurden Anstrengungen unternommen die Wandmalereien auf Dauer zu konservieren. Leider mussten über 50 Jahre vergehen bis über ein Forschungsprojekt die wissenschaftliche Bearbeitung mit einer präventiven Konservierung in Angriff genommen werden konnte. Extreme Verwitterungsmechanismen durch eindringende Feuchtigkeit verbunden mit starken Salzeinlagerungen sowie biogene Ablagerungen gefährdeten den Bestand nachhaltig. Ziel des Projektes war die genaueste Erforschung der klimatischen Einflussgrößen und die Einrichtung eines konstanten Klimas zur präventiven und nachhaltigen Konservierung. Darüber hinaus sollten weitere Schadensursachen aufgedeckt und bekämpft werden. Die angestrebten Konservierungsmaßnahmen sollten mit dem angestrebten Klimakonzept konform gehen. Restauratorische Untersuchungen erstreckten sich auf alle Bereiche der Grabkammern, neben der Erkundung der römischen Gebäude lag der Focus im Besonderen auf der römischen Wandmalerei. Diese, als karbonatisch gebundene Malerei ausgeführt, liegt auf einem einlagigen Wandverputz auf. Den eigentlichen Malgrund stellt eine dünn aufgetragene weiße Kalkschlämme, auf der mit geübter Hand die Malereien ausgeführt sind. Das Colorit auf weißem Grund in Rot, Ockergelb, Grün (grüne Erde) und Pflanzenschwarz. Dargestellt sind auf den umlaufenden Wandflächen Gitterwerk mit Blumengebinden, das Tonnengewölbe mit illusionistischer Kuppelmalerei mit Blumengebinden und Ornamenten. Die konservatorischen Aufgaben waren sehr vielfältig, so musste zunächst auf der Westseite der ausgemalten Grabkammer eine Drainage zur Wasserableitung eingebaut werden, dieses, verbunden mit Salzen und Mikrobiologie waren die Haupt- schadensursachen in der Grabkammer. Gerade der permanente unkontrollierte Wassereintrag führte zu einer sehr starken Oberflächenversinterung. Die Malereien waren fast gänzlich von dem weißlich-gräulichen Belag überzogen und somit nicht mehr wahrnehmbar. Ein sehr aufwändiges technisches Verfahren aus Ultraschall und Nachreinigung mit Ionentauscher zeigen die Malereien wieder in ihrer ursprünglichen Konzeption. Selbstverständlich sind sowohl die Wandverputze als auch die Malschicht einer konservatorischen Behandlung unterzogen worden. Die großflächigen Anlagerungen von Algen und Pilzen wurden chemisch abgenommen, eine über Feuchtkompressen durchgeführte Salzreduzierung an den Oberflächen führte zum nachhaltigen Erfolg.


Nehren Collage 2017

Foto: Klaus Wendt


Nehren Gruppe Wirtz

Foto: Philipp Wirtz

Da der Klimakonstanz ganz entscheidend für den Erhalt der Bausubstanz und im Besonderen der Wandmalereien ist, wurde ein rechnergesteuertes Lüftungssystem eingebaut.

Die östlich gelegene Grabkammer hat in Verlauf der Jahrhunderte ihre innere Ausstattung verloren. Das Tonnengewölbe, welches ursprünglich auch ausgemalt war, ist nicht mehr erhalten. Erhaltene Putzfragmente belegen auch hier eine vergleichbare Ausmalung wie wir sie von der westlichen Grabkammer her kennen. Von der bauzeitlichen Ausstattung sind nur noch der Stein-Sargboden und in wesentlichen Teilen der ursprüngliche Ziegelestrich-Fußboden erhalten geblieben. Dieser wurde im Rahmen einer an der FH Köln vorgelegten Diplomarbeit wissenschaftlich bearbeitet und konserviert. Um eintretendes Wasser durch Schlagregen zu vermeiden wurden teilweise zwischen den Porticus-Säulen Schutzverglasungen angebracht.

Dr. Dirk Schmitz referierte zunächst über die Bestattungskultur in römischer Zeit, insbesondere aber über die unterirdische Grabkammer im Kölner Vorort Weiden, die außerhalb der Fachwelt nur wenigen Interessierten bekannt und nur schwierig zugänglich ist. Die Grabkammer war im Jahr 1843 bei einer Baumaßnahme entdeckt und vom preußischen Staat gekauft worden. Die mit Nischen gegliederte und wie ein Speisezimmer gestaltete Grabkammer ist vollständig erhalten. Nach den Plänen des Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner entstanden ein obertägiger Zugang und ein Wärterhaus. Die Kammer mit einem prachtvollen Sarkophag und Büsten von Verstorbenen wurde vom zweiten nachchristlichen Jahrhundert an genutzt. Sie gilt als die am besten erhaltene Grabkammer nördlich der Alpen. Im März 2017 hat sich ein Förderverein mit dem Ziel gegründet, dieses bedeutende Bodendenkmal der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Bis in die zweite Jahreshälfte 2018 sollen die Voraussetzungen für die künftige Nutzung geschaffen werden. Neben der eigentlichen Grabkammer soll im Wärterhaus ein Informationszentrum eingerichtet werden. Nähere Informationen unter www.roemergrab.de.

Reinhold Elenz
Gerhard Schommers


Der Rheinische Verein besuchte Boppard


Foto

Das Foto (Klaus Wendt) zeigt die Teilnehmer in der Karmelitenkirche.

Trotz Dauerregen waren rund 25 Teilnehmer der Einladung des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell, zu einem Besuch der Stadt Boppard und ihrer Kirchen gefolgt. Prof. Dr. Wolfgang Schmid führte kenntnisreich durch die Rheinstadt die Schwerpunkt des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal ist.

Boppard, in römischer Zeit „Baudobriga“, war eine bedeutende Römer-, Reichs- und dann kurtrierische Amts- und Stiftsstadt. Teile des römischen Kastells und erhebliche Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind bis heute erhalten. Die Stiftskirche „St. Severus“ wurde im 5. Jahrhundert auf den Mauern eines römischen Bades gebaut. Dieser Urbau wurde zwischen dem 11. bis 13. Jahrhundert durch die heutige Pfarrkirche ersetzt die ein hervorragendes Beispiel romanischer Baukunst ist und eine reiche Ausstattung und zahlreiche Grabdenkmäler die die Anfänge des christlichen Lebens am Mittelrhein beleuchten, birgt.

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der im frühen 14. Jahrhundert in gotischem Stil errichteten Stiftskirche des 1265 gegründeten Karmeliterklosters. Die in zwei Baustufen zwischen 1320 und 1340 erbaute doppelschiffige Kirche beherbergt zahlreiche Kunststiftungen in Form von Meisterwerken der Gotik und der Renaissance. Da nach den Regeln des Bistums Trier in jeder Pfarrei nur eine Kirche in ihrer Unterhaltung vom Bistum mit finanziert wird – und da haben sich die Bopparder für die Pfarrkirche „St. Severus“ entschieden - liegt die „Trägerschaft“ für die Kapuzinerkirche bei der Pfarrei. Um die Finanzierung leichter „stemmen“ zu können wurde nach langer Diskussion die Einrichtung eines Kolumbariums unterhalb der gotischen Orgelempore beschlossen. Dort finden rund 1.100 Urnengräber Platz die nicht nur von Boppardern sondern auch von Bürgern der Region als letzte Ruhestätte genutzt werden können.

Gerhard Schommers


Archiv

2016

November 2016
Nicolaus Cusanus - von der Mosel an den Tiber (PDF, 1,06 MB)
Ein Bericht von Heinz Kugel

Oktober 2016
Der Rheinische Verein besuchte Kaisersesch (PDF, 764 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

September 2016
Rheinischer Verein besuchte die "Fraukirch" in der Pellenz (PDF, 353 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Juli 2016
Besuch in Alflen (PDF, 432 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Juni 2016
Der Rheinische Verein besucht Bruttig (PDF, 382 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Mai 2016
Der Rheinische Verein besucht den "Bleidenberg". (PDF, 0,99 MB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Februar 2016
Geschichte und Kunstdenkmäler des Kreises Cochem-Zell an der Mosel (PDF, 275 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

2015

November 2015
Besuch der Stiftskirche "St. Kastor" in Karden (PDF, 0,98 MB)
Ein Bericht von Heinz Kugel

Oktober 2015
Rheinischer Verein besuchte Hatzenport (PDF, 350 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

September 2015
Rheinischer Verein besuchte Moselkern (PDF, 187 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Juli 2015
Exkursion zur Wallfahrtskirche "Mater Dolorosa" in Driesch (PDF, 203 KB)
Ein Bericht von Hans-Joachim Lui

Juni 2015
Exkursion nach Bad Bertrich (PDF, 339 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Mai 2015
Exkursion nach Enkirch (PDF, 254 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

2014

September 2014
Exkursion nach Mörz (PDF, 328 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

August 2014
Exkursion nach Bassenheim (PDF, 2,36 MB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Juli 2014
Exkursion nach Maria Laach (PDF, 347 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Juni 2014
Exkursion nach Mesenich an der Mosel (PDF, 303 KB)
Ein Bericht von Heinz Kugel

Mai 2014
Exkursion nach Monreal (PDF, 205 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

2013

September 2013
Exkursion zur Burg Thurant in der Ortsgemeinde Alken (PDF, 283 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Juli 2013
Exkursion nach Morbach (PDF, 642 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Juli 2013
Exkursion nach Wollmerath (PDF, 740 KB)
Ein Bericht von Brigitte Meier, Mitarbeiterin der Rhein-Zeitung

Juni 2013
Exkursion in die Erdgeschichte: Der Treiser Steinbruch (PDF, 248 KB)
Der Rheinische Verein erlebte das alte und neue Pünderich.
Ein Bericht von Heinz Kugel
Mit Bildern von Klaus Wendt

Mai 2013
Exkursion nach Rhens (PDF, 191 KB)
Ein Bericht von Heinz Kugel

2012

September 2012
Pünderich – Leben an der Mittelmosel (PDF, 629 KB)
Der Rheinische Verein erlebte das alte und neue Pünderich.
Ein Bericht von Gerhard Schommers

September 2012
Wie man Vergangenheit und Moderne wunderbar verbindet (PDF, 83 KB)
Die Stadt Kastellaun ist hierfür beispielhaft.
Ein Bericht von Gerhard Schommers

September 2012
Der Heimatgeschichte mit Leib und Seele verbunden (PDF, 736 KB)
Alfons Friderichs aus Zell mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet – Dank für jahrzehntelanges Engagement.
Ein Bericht von Dieter Junker

Juli 2012
Der Rheinische Verein erkundet das Wirken von Nicolaus Cusanus (PDF, 380 KB)
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Juni 2012
Auf den Spuren der Belle Epoque (PDF, 2,48 MB)
Mit dem Rheinischen Verein durch die Jugendstil-Stadt Traben-Trarbach.
Ein Bericht von Gerhard Schommers

Mai 2012
Wie ein Dorf aus Gestern und Heute das Morgen gestaltet (PDF, 170 KB)
Der Rheinische Verein besuchte Hambuch in der Eifel.
Ein Bericht von Gerhard Schommers

2011

29. August 2011
Wohnte die erste Europäerin in Klotten an der Mosel? (PDF, 53 KB)

26. Mai 2011
Maar oder Kratersee? (PDF, 927 KB)
Geologische Lehrstunden in Theorie und Praxis beim Rheinischen Verein.

10. Mai 2011
Dem "Amtshaus" in Zell droht der Abriss (PDF, 114 KB)
Der Rheinische Verein nimmt dazu in einem Bericht in der Rhein-Zeitung vom 3. Mai 2011 Stellung.

12. April 2011
Dornen statt Reben! (PDF, 17 KB)
Der Rheinische Verein diskutiert die Situation des Steillagen-Weinbaus bei einer Vortragsveranstaltung am 1. April 2011 im Haus „Waldfrieden" bei Alf an der Mosel. Den Vortrag von Ulrich Stein hat Gerhard Schommers in einem Bericht für die Rhein-Zeitung zusammengefasst.

Dornen statt Reben! (PDF, 77 KB)
Der Weinbau an der Mosel hat schon viele Krisen erlebt - und überlebt! Jetzt aber droht vielen alten Rieslingreben in besten Schiefer-Steillagen das endgültige Aus. Und das flächendeckend.

Exkursion zum Kloster Engelport (PDF, 178 KB)
Der Regionalverband Cochem-Zell besucht das Oblatenkloster Maria Engelport im Flaumbachtal bei Treis-Karden-Mosel.

Exkursion in den Hochpotener Wald (PDF, 698 KB)
Manfred Dietzen führte in die geheimnisvolle Welt der Hünengräber und der baulichen Reste des römischen Imperiums im Hochpotener Wald bei Ulmen.

Der Regionalverband Cochem-Zell strebt „Vernetzung der Kulturvereine" der Region Mosel - Eifel - Hunsrück an. (PDF, 8 KB)

2010

Am 19. Oktober 2010 jährt sich der Todestag Reinhold Schommers zum zehnten Mal. (PDF, 9 KB)

Exkursion zum ehemaligen Minoriten-Kloster in Merl (PDF, 373 KB)