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In verschiedenen Bauphasen entstand zwischen 1934 und 1941 über dem Urftsee ein nie vollendetes Architekturensemble, das der Kölner Architekt Clemens Klotz als Gesamtensemble einer Schulungsstätte für den NS-Führungsnachwuchs errichtete. Die Bauplastik stammt weitgehend von dem Kölner Bildhauer Willy Meller.
Der Versuch einer baugeschichtlichen Einordnung der Ordensburg führt – obwohl die Anlage nie vollendet worden ist – letztendlich zu der Erkenntnis, dass Vogelsang als ein architektonisches Musterbuch für nahezu alle Strömungen der Baukunst der ersten Hälfte des 20. Jh. gelten kann. Wenngleich die Ordensburg also gebauter Nationalsozialismus ist, so hat es nie eine offizielle „Nazibaukunst" gegeben; die Architektur der Ordensburg ist eine Mischung aus einem dem Heimatstil verhafteten Traditionalismus, Affinitäten zum städtischen Wohnhaus der 20er Jahre sowie dem Neuen Bauen mit seinen klaren geometrischen Linienführungen und Konstruktionsmerkmalen nebst zugehörigen modernen Werkstoffen (Stahl, Glas, Beton). Insgesamt kann nicht in Abrede gestellt werden, dass die Ordensburg Vogelsang trotz der Zeit, für die sie steht, ein Gesamtkunstwerk von hohem Zeugniswert darstellt: Gebäude, Skulpturenschmuck, Reliefs, Malerei sowie die übrige Ausstattung bis hin zur Möblierung sind einem Baugedanken, einer Ideologie untergeordnet und lassen auf anschaulichste Art und Weise den Zweck erkennen, dem sie dienen sollten. Als einer der wenigen noch nahezu vollständig erhaltenen Bauten des Nationalsozialismus ist die Burg von einer nicht abstreitbaren historischen Dimension und bietet die Chance, sich vor Ort ein Bild davon zu machen, wie subtil gefährliches Gedankengut und menschenverachtende Ideologien auf allen Ebenen des täglichen Lebens vermittelt werden konnten und können. Die Architektur in ihrer Rolle als Bedeutungsträger vermag auch nahezu 70 Jahre nach ihrem Entstehen den ihr zugrunde liegenden Baugedanken auf erschreckende Weise zu transportieren.
In den fünfziger Jahren entstanden ein Kinogebäude sowie eine Tankstelle, denen zweifelsfrei Denkmalwert zugesprochen werden muss. Das Kino mit Platz für 1100 Zuschauer weist einen äußerst stilreinen und guten Erhaltungszustand auf. Die hölzernen Klappsitze, die Wandvertäfelungen und die Wandbespannung aus grünem Kunstleder, die kassettenverkleidete Decke sowie die eloxierten Trichterlampen gehören zur Originalausstattung und spiegeln den Stilwillen der fünfziger Jahre auf äußerst qualitätvolle Weise wider. Derart unverfälschte Vertreter für die deutsche Lichtspielarchitektur der unmittelbaren Nachkriegszeit sind inzwischen nur noch selten erhalten und mithin von hohem Zeugniswert für eine abgeschlossene Epoche der Unterhaltungsindustrie.
Auch bei der zeitgleich errichteten Tankstelle im Bereich zwischen Torgebäude und Gemeinschaftshaus handelt es sich um einen im Formenkanon der fünfziger Jahre schlicht und funktional gehaltenen Bau, der den spezifischen und unprätentiösen Anforderungen der militärischen Nutzer entsprach. Die Tankstelle weist alle Merkmale der seit dem Ende der zwanziger Jahre in den USA entwickelten Großtankstellen auf, zu denen Elemente wie Pavillons, Tankinseln mit Zapfsäulen, von Stützen getragene Flachdächer sowie die Trennung der Anlage vom fließenden Verkehr gehören. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stellt sich mithin also nicht nur für die Baulichkeiten der ehemaligen Ordensburg, sondern auch für die gelungenen Beispiele der fünfziger Jahre die drängende Frage der zukünftigen Nutzung und der angemessenen Umwidmung.
Die zumeist außerhalb der Region zu findenden Vertreter eines Abbruches können weder die Verantwortung gegenüber dem Geschichtsdokument wahrgenommen haben, noch werden sie die ökologischen Konsequenzen einer monumentalen Baustelle inmitten des Nationalparks oder gar deren Kosten bedacht haben. Bereits den Siegermächten war 1947 ein Abriss zu teuer.
Der ebenfalls vereinzelt geforderte „kontrollierte Verfall" lässt befürchten, dass eine Kontrolle anderer Vorgänge im Hinblick auf unerwünschte „Folgenutzer" nicht geleistet werden kann, die hier an authentischer Stätte dem Gedankengut der damaligen Zeit huldigen könnten. Und wer käme in diesem Falle für die Kosten einer langfristigen Bewachung oder Sicherung auf?
Hingegen ist die für die Region einmalige Chance einer Symbiose von Nationalpark und bereits vorhandenen Gebäuden vor allem vor Ort von Anfang an erkannt worden. So gehörte der Förderverein Nationalpark Eifel zu den Ersten, die im Herbst 2002 ein umfassendes und fundiertes Nutzungskonzept für die Ordensburg Vogelsang einer breiten und interessierten Öffentlichkeit verlegten.
Nutzungskonzept und Machbarkeitsstudie stimmen in wesentlichen Punkten überein. So sollten Verwaltung und Zentrum des Nationalparks ihren Standort auf Vogelsang haben, allein schon aufgrund der günstige Lage und der nutzbaren Fläche. In den Gebäuden der ehemaligen Ordensburg können sowohl die NS-Geschichte – und hier vor allem die Erziehungsgeschichte – als auch die Geschichte der Euregio Rhein-Maas dargestellt werden, eine aufgrund der besonderen Historie des Ortes ohnehin zwingende Notwendigkeit. Weiter bestehen Möglichkeiten für eine internationale Jugendbegegnungsstätte und die Gastronomie.
Hinsichtlich der Denkmalverträglichkeit der Machbarkeitsstudie besteht in Details noch Klärungsbedarf, so z.B. den denkmalverträglichen Umgang mit dem Turm am Ostflügel des Gemeinschaftshauses oder aber der Burgschänke. Gerade die Burgschänke mit ihrem überkommenen und „belasteten" Interieur generiert nachvollziehbare Ängste im Zusammenhang mit der NS-Vergangenheit des Ortes. Nur hier ist vermehrt der Wunsch zu verzeichnen, dem Raum durch Entfernen oder Umnutzen seine „Anmutung" oder wohl besser „Zumutung" zu nehmen. Damit aber würde der historische Ort verharmlost und seiner Aussagekraft beraubt. Wir sind der Meinung, dass hier nicht Ausblendung, sondern didaktisch geführte Auseinandersetzung angebracht ist.
Vorbemerkung
Die denkmalpflegerische Begründung
Devastierung und Altlastenentsorgung
Resümee