

Schrift: größer/kleiner
Inhaltsverzeichnis
Sie sind hier: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz > Aktuelles
Der Arbeitskreis „Denkmal des Monats" im Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL), Ortsverband Köln, stellt jeden Monat ein ausgesuchtes Objekt von besonderer denkmalpflegerischer Bedeutung der Öffentlichkeit vor.

Während im Ruhrgebiet die Arbeitersiedlungen eine unverzichtbare Kategorie der Architektur und Sozialgeschichte bilden, ist kaum bekannt, dass auch in Köln viele Unternehmen im 19. Jahrhundert Siedlungen bei ihren Werken anlegten. Die Stegerwaldsiedung zwischen Deutz und Mülheim erscheint als charakteristische, einheitliche Großsiedlung der 1950er Jahre. Dabei macht schon der Blick auf den Stadtplan deutlich, dass hier offensichtlich ein älteres, rechtwinkeliges Straßenraster von späteren Wegeführungen überlagert wird. Im Jahre 1845, zur Zeit der aufkommenden Eisenbahn, gründeten die Unternehmer Albert Charlier aus Aachen und Ferdinand van der Zypen aus Lüttich ein Waggonbauunternehmen in dem Gebiet zwischen den damals noch selbständigen Orten Deutz und Mülheim. Während die Waggonfabrik sich auf der Westseite der Deutz-Mülheimer Straße befand wurde auf der Ostseite 1866 die Räderfabrik Gebr. Van der Zypen angelegt und 1886 um ein Siemens-Martin Werk mit Hammerwerk, Bandagen-Walzwerk und Stabeisen-Walzwerk erweitert.
Nördlich und südlich davon entstanden Wohngebiete; an der Südseite die Ferdinandstraße, die bis zum Bau der Zoobrücke mit der alten St.-Urban-Kirche schloss, auf der Nordseite eine Arbeitersiedlung entlang von Julius- und Gausstraße. Diese wohl bereits 1845/46 für aus Belgien mitgebrachte Facharbeiter angelegte, schrittweise ausgebaute Siedlung wurde „Van der Zypen'sche Siedlung" oder auch – wegen ihrer isolierten Lage – „Krim" genannt. Heute finden sich entlang der Julius- und der Gaussstraße noch einige Bauten, die unschwer als Arbeiterhäuser und Teile dieser Siedlung erkennbar sind: drei eingebaute Doppelhäuser auf der Nordseite der Juliusstrasse; zwei ehemals viergeteilte Häuser an der Südseite (Nr. 9-17), sowie drei Bauten im östlichen Teil der Gaussstrasse.
In seiner originalen Erscheinung am besten erhalten und am interessantesten erscheint das
Haus Juliusstrasse 11-17 (Foto). Das Viererhaus Juliusstrasse 11-17 ist Zeugnis früher Industrie- und Sozialgeschichte im rechtsrheinischen Köln, erinnert an die Siedlungs- und Nutzungsgeschichte dieses Gebietes
vor der Entstehung der Stegerwaldsiedlung und ergänzt als seltenes Denkmal des Arbeiterwohnens die eindrucksvolle Industriekulisse und die industriegeschichtlichen Einzeldenkmale entlang der Deutz-Mülheimer Straße.
Der Rheinische Verein und sein Arbeitskreis würden eine sorgfältige bauhistorische Untersuchung und Dokumentation des Gebäudes und die Berücksichtigung des Zeugnischarakters bei der sicherlich wünschenswerten Sanierung des Hauses begrüßen.
Reinhard Heinemann (Vorsitzender Ortsverband Köln
Stephan von Wahl (Leiter des Arbeitskreises Denkmal des Monats)
Treffpunkt
Vierhaus Juliusstraße 11-17
Dienstag, 26. Januar 2010, 15.30 Uhr
Ausführlicheres Infoblatt zum Denkmal des Monats Januar 2010(PDF, 336 KB)
Dr. Alexander Kierdorf
E-Mail: kierdorf_indukult[at]gmx.de
Tel.: +49 (0) 221 / 68 56 00

Sommerfest des Rheinischen Vereins
auf der Virneburg
Samstag, 21. August bis Sonntag, 22. August 2010